Im Helenenpark hat die Natur die Industriewunden geheilt

Ausgedehnte Freiflächen, die man mitten in der Stadt nicht unbedingt erwartet, gehören zu den Vorzügen des Helenenparks.
Ausgedehnte Freiflächen, die man mitten in der Stadt nicht unbedingt erwartet, gehören zu den Vorzügen des Helenenparks.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Der Helenenpark in Essen-Altenessen ist keine Schönheit, sondern rau und herb. Faszinierend aber zu sehen, wie hier in relativ kurzer Zeit aus einer riesigen Zechen-Brache eine urwüchsige Grünanlage wurde. Sie muss allerdings noch entdeckt werden.

Essen.. Hand aufs Herz: Es gibt schönere Parks und Grünanlagen in Essen als den Helenenpark. Für Blumenschmuck muss die Natur hier schon selbst sorgen, die Sitzgelegenheiten sind arg in die Jahre gekommen und wer ein Problem mit Hunden hat, für den ist das auch nicht gerade der ideale Ort. Eckhard Spengler, der Sprecher von „Grün und Gruga“, rät denn auch, den Helenenpark nicht in Vergleiche zu zwingen, die er verlieren muss. „Repräsentativ“ sei der Park nicht. Aber: „Ich finde die Urwüchsigkeit hier besonders schön, die großen Freiflächen und die Ausdehnung.“

Damit sind die Vorzüge dieser jungen und deshalb noch nicht von alten Bäumen geprägten Anlage gut beschrieben. Mit 25 Hektar ist der Helenenpark tatsächlich einer der größten in Essen und erinnert an eine Zeit, als die Stadt alles dran setzte, auch dem Essener Norden möglichst viel Grün zu spendieren. Das fiel relativ leicht, als die Zechenkrise Mitte der 1960er Jahre richtig Fahrt aufnahm, ein Bergwerk nach dem anderen schloss und riesige Flächen frei wurden, die man glaubte, nicht alle für gewerbliche Folgenutzungen zu benötigen.

Nahrungszubereitung an offenen Feuerstellen wird intensiv betrieben

Auch der Helenenpark verdankt seine Entstehung dieser Entwicklung. Für Zeche Helene – der junge Otto Rehhagel verbrachte hier übrigens seine ersten Berufsjahre – kam das Aus 1966. Abgeräumt wurden danach die gesamten Übertageanlagen mit Ausnahme des sehenswerten denkmalgeschützten Direktionsgebäudes an der Twentmann-straße, das heute ein Sport- und Gesundheitszentrum ist. Platz genug gab es so jedenfalls für einen Park, der nach und nach die Wunden der Industrialisierung gnädig zudeckte. Zu sehen aus dieser Zeit ist noch der verwilderte Bahndamm, über den einst die Güterzüge für die Altenessener Zechen fuhren und der weiter nördlich am Kaiser-Wilhelm-Park längst ein Radweg ist. Auch für den Helenenpark war das geplant - bislang ohne Ergebnis.

Essen entdecken Der Helenenpark will ein „Volkspark“ sein, was heißt, dass hier vieles möglich ist: auch das Grillen, das an schönen Tagen ziemlich exzessiv betrieben wird. Die Stadt hat sich entschieden, die Nahrungszubereitung an offenen Feuerstellen als „Freizeitbeschäftigung“ zu definieren und in Grünanlagen zu dulden. Vor Jahren bekam der Helenenpark wegen der anschließend liegen gebliebenen Müllberge ein Image-Problem, dann aber hat Grün und Gruga die Reinigungsintervalle verdichtet und auch die Wochenenden einbezogen. „Seitdem hören wir kaum noch Klagen“, sagt Spengler. Dauerhaft vom Tisch ist wohl auch der A 52-Weiterbau, wodurch der Park der Länge nach zur Autobahnbaustelle geworden wäre.

Das ist Essen Der Helenenpark muss noch entdeckt werden. Allzu viel sollte man nicht erwarten, soviel Wahrheit muss sein. Und trotzdem: Es ist faszinierend und gleichzeitig beruhigend zu sehen, wie schnell sich die Natur eine große, graue, schmutzige Industriefläche zurückerobert hat. Die Natur, der große Heiler – in Altenessen ist es zu besichtigen.

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