Im „Haus der Technik“ weht ein neuer Wind

Werner Klaffke ist der neue Chef des Hauses der Technik in Essen.
Werner Klaffke ist der neue Chef des Hauses der Technik in Essen.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Das traditionsreiche Weiterbildungshaus hat einen neuen Chef. Werner Klaffke kommt mit vielen Ideen, sieht ein „enormes Potenzial“ und will lieber von „Wissens-Transfer“ statt „Weiterbildung“ sprechen.

Essen.. Das Haus der Technik (HdT), gegründet 1927, versteht sich als „ältestes technisches Weiterbildungsinstitut in Deutschland“, jährlich 15000 Ingenieure und Naturwissenschaftler besuchen hier Fortbildungen und Kurse. Das HdT, prominent gegenüber vom Hauptbahnhof gelegen im denkmalgeschützten Börsenhaus, ist eine Außenstelle der Uni Aachen.

Und jetzt kommt Werner Klaffke (53) und denkt in neuen Kategorien, seine Sprache ist da ganz deutlich: „Weiterbildung, der Begriff ist mir ein wenig zu abgestanden.“ „Wissens-Transfer“ würde es eher treffen, dafür schlägt sein Herz, und obwohl der Träger des HdT ein Verein ist, das Ganze also gemeinnützigen Charakter hat, betont Klaffke, dass es sich beim HdT um ein freies Unternehmen handelt, Klaffke denkt in Dienstleistungskategorien. Was sich inhaltlich ändern wird? „Das bestimmen vor allem unsere Kunden, denen wir passgenaue Wissenslösungen anbieten.“

Zum Jahreswechsel löste Klaffke den Ingenieur Ulrich Brill ab, der zehn Jahre die Geschicke des HdT leitete. Klaffke, promovierter Chemiker und international erfahren, ist geprägt von Jahrzehnten beim Konzern Unilever: „Wenn Sie so wollen, habe ich mitgeholfen, Produkte an den Markt zu bringen, von der Tütensuppe bis zum Haarshampoo.“

"Enormes Potenzial"

Forschungs-Management hat er betrieben, zuletzt war er zwei Jahre in Nürnberg bei „Bayern Innovativ“, einem teilstaatlichen Unternehmen, das sich als Plattform für Wirtschaft und Wissenschaft des Freistaates versteht, er organisierte Tagungen, brachte passende Know-Hows zusammen, beriet Firmen, stand für das ein, was als „Open Innovation“ bezeichnet wird: „Wie Wissen Wertschöpfung generiert. Wenn zum Beispiel ein Computerhersteller anfängt, Mobiltelefone zu bauen und daraus ein Mehrwert wird. Das fasziniert mich.“ Klaffke spricht von Apples i-Phone.

Das Kursprogramm bleibe ganz sicher „das Brot- und Buttergeschäft des HdT“, kündigt Klaffke an, doch er sieht „enormes Potenzial“, allein, was die bauliche Präsenz des Hauses angeht: „Das Haus ist für seine zentrale Lage viel zu leer.“ Er möchte es offener machen, dass die Begeisterung für Neues, für Technik, vom HdT ausstrahlt direkt auf sein Umfeld, dass das Haus seine technischen und räumlichen Möglichkeiten künftig noch stärker nutzt als bislang. Das Ruhrgebiet, besonders der Energie-Standort Essen, findet Klaffke, der in Münster wohnt, hat in Sachen Innovations-Management schließlich „eine echte Geschichte zu erzählen.“ Fest steht, dass sich Klaffke verstärkt um die Themen Digitalisierung kümmern wird, dem Verschmelzen von Maschinenbau und der Informationstechnologie. Doch es geht ihm um viel mehr: Wer Klaffke ein wenig zuhört, spürt: Da ist einer gekommen, der gewohnt ist, groß zu denken.

Weiterbildungspreis wird verändert

Im sechsten Jahr seines Bestehens wird der „Deutsche Weiterbildungspreis“, den das Haus der Technik seit 2009 jährlich vergibt, grundlegend überarbeitet.

Die bundesweit und auf breites öffentliches Echo angelegte Auszeichnung prämiert Konzepte und Initiativen, die sich um Mitarbeiterfortbildung verdient gemacht haben. Der erste Platz ist mit 10 000 Euro dotiert.

In dieser Woche wurde die Mannheimerin Petra Kersten-Frisch ausgezeichnet. Sie hatte ihre Dissertation eingereicht, die der Frage nachgeht, wie sogenannte „lernungewohnte“ Erwachsene Englisch in Betrieben lernen. Den zweiten Platz erzielte die Diplompsychologin Mara Bald mit ihrem „Führungskulturentwicklungsprogramm“.

Obwohl der Weiterbildungspreis unter Fachleuten einen hervorragenden Ruf genießt und Preisträger von den Entwicklungs-Chancen schwärmen, die ihnen der Preis ermöglicht hat, räumt das „Haus der Technik“ offen ein: „Der Aufruf in diesem Jahr ist nur auf eine überschaubare Resonanz gestoßen.“ Entsprechend soll künftig das „Anforderungsprofil geschärft“ werden und ausdrücklich auf „multimediale Entwicklungen erweitert“ werden.

Dem Vernehmen nach soll er künftig nur noch alle zwei Jahre verliehen werden.