Im Grugapark liegt Abschied in der Luft

Herbststimmung im Grugapark in Essen. An verschiedenen Stellen soll der Park verändert und umgebaut werden. Das Foto entstand am Montag, 15. Oktober 2012 und zeigt einen Steppenadler in seiner Voliere. Klaus Micke / WAZ FotoPool
Herbststimmung im Grugapark in Essen. An verschiedenen Stellen soll der Park verändert und umgebaut werden. Das Foto entstand am Montag, 15. Oktober 2012 und zeigt einen Steppenadler in seiner Voliere. Klaus Micke / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Der Grugapark ist in die Jahre gekommen, was allein nicht schlimm wäre. Im Gegenteil: Gerade ein gut eingewachsener Park kann sehr reizvoll sein, in der Gruga gibt es Ecken, die zum Niederknien schön sind. Es gibt aber leider auch Bereiche, in denen die Kombination aus Personalabbau, Pflegerückständen, veralteten Angeboten und großer Lässigkeit in Gestaltungsfragen deutliche Folgen zeigt. Auch beim Grün und Gruga-Betrieb, wo Kritik mitunter reflexhaft als Nestbeschmutzung abgetan wurde, sieht man inzwischen Anlass zum Handeln, wie ein neues Entwicklungskonzept „Gruga 2020“ zeigt, das jüngst vorgestellt wurde.

Die Entstehung des Konzepts war bemerkenswert und dokumentierte eine Öffnung nach außen: Neun Arbeitskreise, besetzt mit Gruga-Mitarbeitern und externen Experten wurden ins Leben gerufen. „Dieses Engagement zeigt, wie sehr die Gruga vielen am Herzen liegt, denn die Teilnehmer haben dafür einige Samstage geopfert“, sagt Gruga-Werkleiterin Simone Raskob, gleichzeitig im Rathaus zuständig für Bauen und Umwelt.

Die wichtigsten Überlegungen und Ergebnisse:

Zoologie: Sind Volieren für kleine und große Vögel überhaupt noch zeitgemäß? „Ich persönlich neige dazu, wegzukommen von der Käfighaltung“, sagt Raskob. Die in ihren Käfigen hockenden Adler mögen manchen Besucher interessieren, andere aber regelrecht abstoßen. Abgesehen davon, dass dieser Umgang mit Wildtieren alles andere als unumstritten ist, sei die Gruga nun einmal kein Zoo, gibt Raskob zu bedenken. Eher ausbauen will sie das Thema Streichelzoo. Zu überlegen wäre etwa eine Art Bauernhof mit aussterbenden Haustierrassen.

Landschaftsarchitektur und Botanik. Seit der Gründung der Gruga vor über 80 Jahren haben sechs Gartenschauen ihre Spuren hinterlassen - ein Grund weshalb die Gruga relativ unstrukturiert wirkt. Ein historischer Pfad könnte die wechselnden Moden der Landschafts- und Park-Philosophie sichtbar machen und erläutern, lautet ein Vorschlag.

Die Expertenrunde hat sich auch mit der Frage befasst, was wegfallen könnte und scheute dabei vor Strittigem nicht zurück. „Beim Rosengarten sieht man die Alternative, entweder die Pflege zu intensivieren oder aber ihn in der derzeitigen Form aufzugeben“, berichtet Raskob. Die Aufgabe der Grugabahn und des Koniferen-Areals des Botanischen Gartens gilt den Experten ebenso als bedenkenswert wie der Rückbau „überflüssiger Wegeverbindungen“. Ferner wurde die Frage aufgeworfen, ob die Gruga nicht im Winterhalbjahr auf Eintritt verzichten sollte - auch weil nicht besetzte Kassenhäuschen womöglich Einsparungspotenziale böten.

Gastronomie. Bei diesem Thema hat nun auch in der Gruga-Verwaltung die Erkenntnis Einzug gehalten, dass Plastikstühle, bedruckte Sonnenschirme, Stehtische mit bunten Werbe-Botschaften, schreiende Werbe-Aufsteller und schmucklose Kioskbuden keine gute Visitenkarte für den Park sind. Die Expertenrunde habe vieles in der Park-Gastronomie als „sehr unbefriedigend“ bewertet, so Raskob. Änderungen sollen aber möglichst im Einvernehmen mit den Pächtern erfolgen, deren finanzielle Möglichkeiten in der Regel begrenzt seien.

Fernöstlicher Garten. Das größte Einzelprojekt, allerdings auch eines, über das nun schon lange ziemlich folgenlos geredet wird. 460 000 Euro soll der Garten kosten, der auf dem verwilderten Gelände der früheren Vogelfreiflughalle neben dem „Kur vor Ort“-Komplex entstehen soll. „Mein Ziel ist, 2015 alles fertig zu haben“, sagt Raskob. Da erst 80 000 Euro Sponsorengeld beisammen ist, ist ein Baubeginn aber noch nicht absehbar.