Im Frauencafé finden Geflüchtete mehr als Beratungsstelle

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services
Bei der evangelischen Frauenhilfe erfahren Flüchtlinge ein Stück Zuhause. Das interkulturelle Café "Henriette" bietet Frauen Therapie und Austausch.

Essen.. Heute ist es voll im interkulturellen Frauencafé „Henriette“: Kinder wuseln herum, es wird viel geredet und gelacht. Frauen aus aller Herren Länder sitzen beim Herbstfest gemeinsam an den Tischen bei Kaffee und Kuchen; für sie ist das Café, das zur evangelischen Frauenhilfe gehört, ein Ort, an dem sie sich ein wenig heimisch fühlen. Es sind vor allen Dingen Frauen und Kinder aus Afrika und dem Nahen Osten, die über die Sozialarbeiter in den Zeltdörfern den Weg in die Henriettenstraße fanden.

Die Beratungsstelle bietet Frauen viel Unterstützung an

„Sie erhalten bei uns finanzielle Hilfe, das ist der erste Anreiz, zu uns zu kommen“, erzählt Gabriele Hess, Leiterin der Beratungsstelle. Über das Geld käme man an die Geschichten der Frauen, könne so Bindungen aufbauen.

Doch die insgesamt vier Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle wollen nicht nur bei Ämtergängen helfen und in Konfliktfällen beraten. Sie laden auch gezielt ein, damit sich die Besucherinnen untereinander austauschen und gegenseitig stärken. „Viele dieser Frauen haben nicht nur Unglaubliches erfahren, sie fühlen sich auch fremd und einsam.“

Viele der geflüchteten Frauen verlieren Familienanschluss

Wie die 29-jährige Berekti aus dem Sudan. Im Januar floh sie hochschwanger aus ihrer Heimat, in der seit Jahrzehnten Bürgerkrieg herrscht. Unterwegs verlor sie ihren Mann und ihren Sohn aus den Augen. Alleine kam sie nach Deutschland. „Ich weiß nicht, wo meine Familie ist, ob sie überhaupt noch lebt.“

Mit ihrem acht Monate alten Sohn besucht sie regelmäßig das Café in die Henriettenstraße. „Für sie ist das der einzige Kontakt nach draußen“, sagt Gabriele Hess. Die ausgebildete Psychotherapeutin, die seit 25 Jahren in der Beratungsstelle arbeitet, macht noch eine Zusatzausbildung zur Trauma-Therapeutin, um den geflüchteten Frauen zu helfen, ihre Erlebnisse zu verarbeiten. „Krieg, Gewalt und Tod haben viele erleben müssen.“

Weitere Ehrenamtliche Helfer werden für Beratung gesucht

1350 Familien haben allein im vergangenen Jahr die Beratungsstelle aufgesucht. „Unser Prinzip lautet: Wir schicken keinen weg.“ Die Angebote sind niedrigschwelliger als beim Jugendamt, deswegen fällt es den Frauen leichter, sich den Therapeutinnen anzuvertrauen. Für ihre Arbeit wünscht sich Gabriele Hess noch etwas: Ehrenamtliche Unterstützung von Menschen, die den Frauen freundschaftlich zur Seite stehen.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE