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Ihr Freund und Helfer

22.01.2015 | 07:00 Uhr
Ihr Freund und Helfer
Eine eiskalte Dusche: Mit der „Ice Bucket Challenge“ machte sich die Essener Polizei viele Freunde auf Facebook. 400.000 Menschen wurden erreicht.Foto: Tim Schulz

Essen.  Der Innenminister hat der Polizei untersagt, die Bürger in sozialen Netzwerken zu duzen. Da geht bei vielen der Daumen runter. Dabei ändert sich sonst nichts, betont die Behörde.

So messbar beliebt waren Essens Freunde und Helfer wohl noch nie: 9.400 Fans hat die Facebook-Seite der örtlichen Polizei, rund 8.000 Aktive und bis zu 60.000 Besucher täglich interessieren sich für die Neuigkeiten von der Büscherstraße, Nichtalltägliches aus dem Polizeialltag, die schnelle Meldung oder den möglichst unterhaltsam formulierten Service-Hinweis. Dabei pflegen sie alle – die Beamten auf der einen, die Bürger auf der anderen Seite – einen Umgang miteinander, der in dem sozialen Netzwerk nun mal üblich ist. Schließlich ist man dort unter „Freunden“, sich zumindest virtuell so nah wie nie.

Doch jetzt ist Schluss mit „Du“: Ab sofort darf die Polizei im Gesichtsbuch nur noch siezen. So will es ein Erlass des Innenministeriums. Und schon gehen die meisten Daumen runter. Unnötigen Abstand zum Bürger statt Nähe provoziere eine solche Entscheidung, es heiße doch auch nicht „Ihr Freund und Helfer“, während eine gefühlte Minderheit im Netz der neuen Höflichkeit allerdings den Vorzug gibt und sich von der Sie-Regelung unter anderem wieder mehr Respekt vor Staatsdienern verspricht. „Ist unaufgefordertes Duzen nicht auch unhöflich?“, fragt ein Knigge-Kenner.

Womöglich andere Anrede erwünscht

Eine Einschätzung, die das Innenministerium in Düsseldorf durchaus teilt. Nicht nur die Einheitlichkeit der Polizei-Behörden, die sich bislang in seriöse Siezer und deutliche Duzer aufteilten, war der Grund für den landesweiten Erlass, sondern auch die Überzeugung, dass nicht alle geduzt werden wollen, wie Ministeriumssprecher Wolfgang Beus erklärt. Selbst im sozialen Netzwerk nicht. Viele „Freunde“ des Polizeiauftritts seien Erwachsene, die womöglich eine andere Anrede wünschen. Selbst wenn der überwiegende Teil mit einem „Du“ klarkomme, wolle man schon deshalb eine Art Minderheitenschutz pflegen.

Polizei
Ministerium verbietet Polizei, Fans bei Facebook zu duzen

Die Polizei Essen/Mülheim hat Facebook-Nutzer bislang geduzt. Das verbietet ihr und allen Polizeibehörden in NRW nun ein Erlass des Innenministeriums.

Dort, wo die Polizei es vor allem mit Jugendlichen zu tun habe, etwa bei der Einstellungsberatung werde ein zielgruppenorientiertes „Du“ weiterhin erlaubt sein, sagte Beus.

Auch die Essener Behörde versuchte sich am Abend an einer Erklärung: „Liebe Facebook-Fans, wir sehen an den vielen Kommentaren, dass unser Posting zum Thema Duzen heftig diskutiert wird. Uns ist der respektvolle Umgang mit den Bürgerinnen und Bürgern sehr wichtig. Sie können von der Polizei immer erwarten, höflich angesprochen zu werden. Die Kommunikation mit Ihnen ist und bleibt uns wichtig“, heißt es auf Facebook. „Es ändert sich doch sonst auch nichts“, erklärt Polizeisprecher Marco Ueberbach, der weiterhin Transparenz verspricht und den ein oder anderen Nutzer beschwichtigt: „Das ist doch nicht das Ende von Facebook.“

Jörg Maibaum

Kommentare
22.01.2015
07:34
Ihr Freund und Helfer
von drberger | #1

Schon erstaunlich, das DU auf der Straße gegenüber den Beamten würden diese sich berechtigt verbitten.
Im Netz, ehrlich lockert es die Distanz...
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http://www.derwesten.de/staedte/essen/ihr-freund-und-helfer-id10261140.html
2015-01-22 07:00
Essen, Facebook, Polizei,
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