IHK fordert Evag-Rabatt auch für kleinere Betriebe
06.02.2012 | 20:00 Uhr 2012-02-06T20:00:00+0100
Essen. Die IHK fordert einen Zugang zum vergünstigten Firmen-Ticket der Evag auch für kleine Betriebe. Nach dem Willen des stellvertretenden IHK-Geschäftsführers Gerhard Hammer soll künftig eine Mitgliedsbescheinigung der IHK ausreichen, um einem Unternehmen den Zugang zu Firmen-Tickets zu ermöglichen.
Man male sich aus, was in der Innenstadt los wäre, wenn das Personal aus den zahlreichen Boutiquen und Kaufhäusern mit dem Auto an seine Arbeitsplätze pendeln würde. Nicht auszumalen, dachte man sich seinerzeit beim Essener Einzelhandelsverband, der im Sinne eines entspannten Einkaufens jeden Parkplatzkrieg aus der City heraushalten wollte – und warf sich in die Rabattschlacht mit der Essener Verkehrs-AG (Evag) .
Das Ergebnis zaubert Marc Heistermann, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands Ruhr (EHV), noch heute ein Lächeln auf die Lippen. Denn die Betriebe, die seinem Verband angeschlossen sind, bekommen von der Evag das sogenannte Firmenticket. Dieses ist für die Angestellten der Essener Händler 8,5 Prozent günstiger als ein reguläres Monatsticket im Abonnementpreis. Heistermann kann sich nun darüber freuen, den Unternehmen „einen Mehrwert für ihre Mitgliedschaft“ im EHV bieten zu können, Parkplätze für die Kunden in der City freizuhalten und, quasi im Vorbeifahren, nicht nur etwas fürs Konsum-, sondern auch fürs Umweltklima erreicht zu haben.
„Davon profitieren alle“
Ein Preisprivileg ist aber keine Selbstverständlichkeit. Die Evag und die mit ihr im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) angeschlossenen Verkehrsbetriebe sind nämlich ansonsten recht strikt, wenn es darum geht, wem sie günstigere Ticketpreise gewähren – und wem nicht. „Da der öffentliche Nahverkehr auf kommunale Finanzhilfen angewiesen ist, kann er auch nicht unbegrenzt Rabatte gewähren“, sagt eine Sprecherin des VRR.
Das gleiche Argument wird im Übrigen von den Verkehrsbetrieben gegen das Sozialticket ins Feld geführt, mit dem finanziell schlechter gestellte Menschen ein vergünstigtes Monatsticket bekommen. Bleiben wir aber bei dem Firmenticket. Hier ist nicht das Einkommen entscheidend, sondern eine andere Grenze, die bei 50 Angestellten liegt – wer weniger beschäftigt, kann keine Firmen-Tickets beantragen. Basta. Ausnahmen, wie die gefundene Regelung mit den Essener Einzelhändlern, bestätigen die Regel.
Mit dem Jetzt-Zustand unzufrieden
„Ärgerlich“, heißt es hingegen bei der Industrie- und Handelskammer (IHK). Der stellvertretende Geschäftsführer Gerhard Hammer will sich jedenfalls nicht mit dem Jetzt-Zustand zufrieden geben. Er kündigt an, die Verhandlung mit VRR und Evag zu intensivieren. Sein Ziel: In Zukunft solle eine Mitgliedsbescheinigung der IHK ausreichen, um einem Unternehmen den Zugang zu Firmen-Tickets zu ermöglichen.
Bislang sind die Gespräche zwischen IHK und VRR aber noch nicht zu einem „glücklichen Abschluss“ gekommen. Und die Politik hat sich auch noch nicht eingeschaltet. Hammer will aber dranbleiben. Er ist überzeugt, dass über das Firmen-Ticket „der Anteil der Berufspendler bei den öffentlichen Verkehrsmitteln erhöht wird“. Was einerseits das Portemonnaie der Arbeitnehmer schont und gleichzeitig die Einnahmen der Verkehrsbetriebe steigern würde.
Keine Personaluntergrenzen im Köln-Bonner Raum
Eine Rechnung, die aufgeht, versichert der Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS). Im Streckennetz im Köln-Bonner-Raum verzichtet man seit dem Sommer 2008 gänzlich auf Personaluntergrenzen bei der Austeilung von Firmen-Tickets – und seitdem steigen die Abo-Stückzahlen bei den Tickets für Unternehmen kontinuierlich an. „Davon profitieren alle“, sagt VRS-Sprecher Holger Klein auf Anfrage der NRZ – sowohl die Umwelt, wie auch die Pendler und die Verkehrsunternehmen.
Mehr kleineren Betrieben das Firmen-Ticket zu ermöglichen, fordert auch der Hauptgeschäftsführer des Essener Unternehmensverbands (EUV). Laut Ulrich Kanders steige das Umweltbewusstsein in den Firmen. Sie ermunterten ihre Mitarbeiter zunehmend, den öffentlichen Nahverkehr als klimaschonende Alternative für den Arbeitsweg zu nutzen. Der Preis sei da ein wichtiges Kriterium.
Ein Renner, aber nur für Großbetriebe möglich
In Essen profitieren von den etwa 220.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gerade mal 16.777 Arbeitnehmer von einem Firmen-Ticket. Dazu gehören auch die 1135 städtischen Angestellten, für die im Jahr 2004 ein gesonderter Vertrag mit der Evag aushandelt wurde. Im günstigsten Fall kann ein Arbeitnehmer – etwa beim Ticket 2000 der Preisstufe E (238 Euro) – monatlich 63,75 Euro sparen.
Der Personalrat der Uni Essen-Duisburg hat für die Uni-Mitarbeiter das Firmen-Ticket durchgesetzt. Großunternehmen wie Thyssen-Krupp sind auch dabei, Eon-Ruhrgas hingegen nicht. „Der administrative Auffand ist zu hoch“, heißt es hier. Die Firmenmutter in Düsseldorf sieht es hingegen anders und bietet laut einem Eon-Sprecher ihren Mitarbeitern die Möglichkeit zu einem vergünstigten Ticket – eines das freilich, wie in den meisten Fällen, die Mitarbeiter selbst bezahlen. Ach ja, da wäre noch Hochtief. Die Unternehmenssprecherin hatte aber „keine Zeit“ herauszufinden, ob ihr Arbeitgeber ihr und ihren Kollegen ein Firmen-Ticket möglich macht.
Enormes Kundenpotenzial
Wie Michael Fleuren vom Evag-Vertrieb bestätigt, variieren die Vergünstigungen auf den Abonnementpreis zwischen sechs und zwölf – je nach Größe den Belegschaft. Und dabei bleibt es vorerst auch. Selbst wenn Fleuren zugeben muss, dass dort, wo das Firmen-Ticket zum Einsatz kommt, die Belegschaft schnell auf den Evag-Zug springt. Mit zehn Firmen hätte es 1991 angefangen, bei 125 sei man heute. „Ein Renner“, sagt der Mann vom Vertrieb. Und das Kundenpotenzial sei „enorm“. Fleuren seien bei der verkehrspolitischen Gretchen-Frage „Wie hältst du es mit der Belegschaftsgröße“ die Hände gebunden. Hier bestimme im Wesentlichen der VRR, ob die Latte von 50-Angestellten unterschritten werden darf – und sie darf nicht.
Man male sich aus, was Essens für eine Stadt wäre, wenn allein die Hälfte aller Arbeitnehmer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren würde. Nicht auszumalen, sagen manche.
15:19
Naja,
im Belgischen Hasselt, fünft größe Wirtschaftsregion, ist das Schwarzfahren abgeschafft worden!
Staus hatten ein Ende, die Luftverschmutzung ging zurück, Bäume, Fahrradwege, ...
Warum sollen nicht alle umsonst fahren, die Idee ist jahrzehnte alt.
Schüler, Behinderte, Bundestagsabgeordnete, ... fahren schon umsonst.
Für das viele Geld, was wir im Straßenbau sparen, was wir nicht den Banken in den Rachen werfen, ...
Man kann dies oder das bezahlen,
warum nicht irgendwann mal sinnvolle, zukunftsorientierte Ausgaben?
Und selbst ein solch Arikel (wie oben) ist dann überflüssig.
10:59
"Ach ja, da wäre noch Hochtief. Die Unternehmenssprecherin hatte aber „keine Zeit“ herauszufinden, ob ihr Arbeitgeber ihr und ihren Kollegen ein Firmen-Ticket möglich macht."
Die Frau sollte stante pede entlassen werden.
10:35
@bloss-keine-Katsche #4
Wie soll denn Ihrer Meinung nach kostenloser ÖPNV funktionieren? Wer soll das bezahlen? Jetzt sagen Sie nicht, dass es die Stadt, das Land, der Bund, die EU tun sollen... Denn letztendlich zahlt es ja wiederum der Steuerzahler. Und genau der möchte ja möglichst viele Leistungen "abgreifen" ohne dafür eine Steuererhöhung in Kauf zu nehmen.
Ein kostenloser ÖPNV ist genauso schwachsinnig wie ein Grundeinkommen für Jedermann. Das lässt sich meines Erachtens nicht finanzieren und ist daher sehr wohl eine Utopie (oder einfach nur unreflektierte Wahlpropaganda der Linken, behaupten kann man schließlich erstmal viel. Wie es durchzuführen ist, darüber machen wir uns dann später Gedanken).
10:05
Herr Hammer,
warum so halbherzig?
Sinvoll für alle:
Ausbau des ÖPNV und
"Freie Fahrt für freie Bürger!"
Muss nicht mal Utopie sein!!! einfach nur gewollt.
09:46
Es ist anzumerken, dass das Firmenticket nicht einfach ein Rabatt auf ein Ticket ist, sondern ein seperates Ticket.
Möchte man aber die Variante Ticket2000 und nicht Ticket1000 (vergleichbar mit dem Firmenticket) hat man Pech gehabt.
Insgesamt verstehe ich nicht, warum es das Seniorenticket mit den konkurenzlosen Konditionen gibt.
08:53
dazu müsste der ÖPNV in Essen und Umgebung aber auch funktionieren.
Mit Bus und Bahn würde ich ca. 1 Stunde von Heisingen nach Kettwig brauchen - mit dem Auto dauert ca. 15 bis 20 Minuten.
Für in die Stadt würde es sicher gehen aber die Busspur auf der Wittenbergstraße ist ja seit Wochen gesperrt und die Busse stehen genau so im Stau wie die normalen Autos ...
15 Minuten im Berufsverkehr? Da müssenSie wohl fliegen.
Mit Bus und Bahn brauchen Sie ab Heisingen Kirche nach KEttwig S 42 Minuten, google maps 17 Minuten mit dem PKW.
08:29
Mir drängt sich bei den vielen Rabatten die Frage auf, wer denn eigentlich noch den Normalpreis bezahlt?
Firmenticket für Arbeitnehmer,
Youngticket für Auszubildende,
Schokoticket für Schüler,
Bärenticket für Senioren,
Semesterticket für Studenten,
Sozialticket für Leistungsemfänger nach SGBIII,
Da bleiben ja eigentlich nur noch wohlhabende Nichterwerbstätige für die regulären Abo-Tickets.
Oder ist das eine Marketingaktion nach dem Prinzip, dass es immer einen "Mondpreis", also einen vorsätzlich überhöhten Preis gibt, um den Verkauf mit "Schnäppchenpreisen" anzukurbeln.
Trotz eines nicht ganz zu durschauenden Preissystems finde ich es gut, dass es Aktionen gibt, welche die Nutzung des ÖPNV fördern.