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Geröll-Lawine

„Ich geh da nicht mehr rein“ - Angst nach der Geröll-Lawine

04.11.2012 | 18:27 Uhr
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1.000 Kubikmeter Geröll sind in der Nacht zu Sonntag in Essen-Byfang an der Nierenhofer Straße von einer Steilwand gerutscht. Foto: Kerstin Kokoska/WAZ FotoPool

Essen.  An einer Steilwand an der Nierenhofer Straße in Essen-Byfang hat sich in der Nacht zu Sonntag eine Geröll-Lawine gelöst. Mehrere Autos eines Gebrauchtwagenhandels wurden verschüttet. Die Bewohner des benachbarten Hauses sind nun in großer Angst.

Schreckensnacht an der Nierenhofer Straße 71 in Essen-Byfang: Gegen 3 Uhr am Sonntag rutschten große Teile einer Felswand hinter dem Gebrauchtwagenhändler Göb & Neumann ab. Die Geröllmassen begruben mehrere Fahrzeuge unter sich, fußballgroße Gesteinsbrocken und Bäume stürzten bis auf die Straße. Die Feuerwehr schätzt, dass rund 1000 Kubikmeter Fels abgingen - etwa 25 große Bauschuttcontainer. Die Polizei riegelte die Straße ab.

Verletzt wurde niemand. „Gott sei Dank ist das nicht tagsüber passiert“, sagte Bezirksbürgermeister Heinz-Dieter Schwarze, der vor Ort war. Gerade am Wochenende schauen sich Leute gern auf dem Gebrauchtwagenparkplatz um, und auch die Straße ist vor allem am Tage viel befahren.

Geologen vor Ort

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Eine Bewohnerin des nebenstehenden Hauses hatte nachts ein Geräusch gehört und die Feuerwehr gerufen. Die anderen 14 Bewohner hatten nichts bemerkt. „Gegen halb vier holte uns die Feuerwehr aus dem Bett“, erzählte Sabine Bauer. Ihre Familie musste wie die Nachbarn das Haus verlassen. Gegen 6 Uhr morgens wurden sie ins Hotel gebracht. „Da war aber auch nicht mehr an Schlaf zu denken.“ Nikolaos Sofsos, Wirt der griechischen Gaststätte im Erdgeschoss, hatte den letzten Gast gegen halb zwei nachts verabschiedet. „Da war noch gar nichts.“

Erst nachdem ein Geologe den Schadensort begutachtet hatte, durften er und die anderen Bewohner am Sonntagmittag wieder zurück ins Haus. Seine Gaststätte ließ der Wirt am Sonntag zu. Wann er wieder öffnen darf, wusste Nikolaos Sofsos nicht. Auch Familie Bauer kehrte mit gemischten Gefühlen zurück. „Erstmal wollen wir wissen, wie sicher das hier ist.“ Tochter Lea war voller Angst: „Ich geh da nicht mehr rein.“

Geröll begräbt Autos

Hoher Schaden nach Geröll-Lawine in Essen

Wie hoch der entstandene Schaden ist, war am Sonntag noch unklar. Nach ersten Polizeiangaben sollen unter den Felsmassen noch acht Autos liegen. Der Händler bietet vor allem Wagen der Oberklasse an. Zum Zeitpunkt des Unglücks soll er im Urlaub gewesen sein, so die Polizei. Etwa ein Dutzend Autos blieben möglicherweise unversehrt. Vier weitere auf dem Grundstück waren von den Gesteinsmassen zusammengeschoben und gegen ein Gebäude gedrückt worden. Alleine der Schaden an den verschütteten Autos dürfte in die Hunderttausende gehen. Das betroffene Gelände ist Privatgrundstück. In der Vergangenheit hätten sich zwar vereinzelt kleinere Steine gelöst, aber etwas Vergleichbares sei nicht passiert, berichteten mehrere Anwohner.

Am Montag werden die Untersuchungen an der Nierenhofer Straße weiter gehen. Bis auf Weiteres wird sie gesperrt bleiben.

Janet Lindgens

Kommentare
05.11.2012
17:43
„Ich geh da nicht mehr rein“ - Angst nach der Geröll-Lawine
von Herby52 | #11

Natur ist Natur

05.11.2012
16:02
Was ist mit Ausschildern, einer Umleitung?
von sidewinderdxii | #10

Da ich an drei Tagen, die Woche über die Nierenhover Straße fahre, viel mir heute direkt auf, das keinerlei Umleitung eingerichtet wurde. Die Straße wurde abgesperrt und es stehen Beamte der Polizei vor der Sperre und winken den Verkehr ( von Velbert kommend) nach Rechts in Richtung Hattingen. Gut für Ortskundige, stellt das kein Problem dar aber es gibt auch Autofahrer, die sich nicht so gut auskennen. Da wären Umleitungsschilder schon angebracht. Ich musste heute auch Raten, wie ich am besten Fahre.

1 Antwort
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Name von Moderation entfernt | #10-1

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05.11.2012
13:24
„Ich geh da nicht mehr rein“ - Angst nach der Geröll-Lawine
von dumper | #9

In den 80er Jahren ist nach einem tagelangen Regen in Höhe des Sportplatzes neben dem dortigen Gala-Bau eine Schlammlawine abgegangen ,zum Glück auch des Nachts ,aber es hat Wochen gedauert bis geklärt war ,wer dafür verantwortlich die entstandenen
Kosten übernimmt .Die Straße wurde zwar zügig geräumt ,schon alleine damit die Busse der EVAG ihren Verkehr wieder aufnehmen konnten . Aber die Sanierung des Sportplatzes und die anligenden Grundstücke ,hat schon einige Zeit in anspruch genommen . Am Ende werden ,wie immer ,die geschädigten die Zeche zahlen müssen.

05.11.2012
12:47
„Ich geh da nicht mehr rein“ - Angst nach der Geröll-Lawine
von BauerKleppe | #8

m.birr hat es auf den Punkt gebracht.
Ein paar Kommentatoren - und vielen Zeitgenossen da draußen - geht es nicht um den Sachverhalt, sondern die Freude am Kritisieren Anderer.

Die Verantwortung für den Hang, so es die überhaupt gibt, liegt beim Eigentümer, und das wird nicht die Kommune sein.

Wurd die Öffentliche Verwaltung auch für regelmäßige Sicherheits- Checks verantwortlich sein, würde sie als Erstes in die Keller, Treppenhäuser und Küchen der Leute gehen. Dort ist es wesentlich gefährlicher als unter diesem Hang, wenngleich nicht so spektakulär.

05.11.2012
12:25
„Ich geh da nicht mehr rein“ - Angst nach der Geröll-Lawine
von m.birr | #7

Sushi73, wie sollen denn die Mitarbeiter der Ordnungsämter jeden Hang und jeden Baum regelmäßig kontrollieren. Das ist nun einmal die Natur, die kann man nicht berechnen.
Wenn ich in den Bayrischer Wald wandern gehe und mir fällt ein Baum auf den Kopf kann ich nicht den Waldbesitzer oder die Gemeinde verantwortlich machen.

In Dortmund Syburg hat man einen Waldweg gesperrt weil Steine vom Abhang (Felsen) fallen, und was kommt prompt, die Leute beschweren sich weil die Absperrung so lange dauert. so ist das, jeder hat was zum kritisieren.

Fällt ein Baum um schreit alles wieso wurde der nicht vorher gefällt. Aber wenn die Stadtverwaltung einen 100 Jahre alten von innen verfaulten Baum fällen will, gründet sich sofort eine Bürgerinitiative dagegen.

05.11.2012
12:19
„Ich geh da nicht mehr rein“ - Angst nach der Geröll-Lawine
von Hubelwusel | #6

Wie soeben aus gut informierten Kreisen zu erfahren war, beantragen die Essener Grünen die sofortige Umbenennung der Nierenhofer Straße in Barney-Geröllheimer -Straße.
In der Vita dieses Zeitgenossen fanden sich keine dunkle Stellen, eine Umbenennung kann also zügig erfolgen.

05.11.2012
12:15
„Ich geh da nicht mehr rein“ - Angst nach der Geröll-Lawine
von m.birr | #5

DaDu, die "Gerölllawine" kam mutmaßlich nicht zustande weil Bäume gefällt wurden, sondern weil die Wurzeln von Bäumen sich ausbreiten. Wenn überhaupt keine Bäume vorhanden gewesen wäre, wäre das mutmaßlich erst gar nicht passiert.

1 Antwort
„Ich geh da nicht mehr rein“ - Angst nach der Geröll-Lawine
von DaDU | #5-1

Die Wurzeln konnten sich nicht mehr ausbreiten, da die Bäume gefällt wurden. Durch die abgestorbenen Wurzeln drang vermehrt Wasser ins Gestein. Es ist eigentlich ganz logisch was passieren musste, wenn man an das Ausdehnungsverhalten von Wasser bei Temperaturänderungen denkt.
Allerdings sollte mein Kommentar unten nur ein Hinweis sein, dass dort vor einigen Jahren Bäume gefällt wurden, vielleicht ein wenig missglückt durch den letzten Satz.
Aber Sie haben schon recht. Gar keine Bäume hätten wahrscheinlich gar keinen Schaden angerichtet, aber diese Entscheidung wurde vor zwei - drei Generationen (oder früher) getroffen und da hat sich einfach keiner drum gekümmert.

05.11.2012
11:54
„Ich geh da nicht mehr rein“ - Angst nach der Geröll-Lawine
von trickflyer | #4

wenigstens klaut keiner die karren.

05.11.2012
09:27
Geröll-Lawine begräbt Autos in Essen - Anwohner in Angst
von gudelia | #3

Ich kenne einige Grundstücke da haben die Eigentümer zur Sicherung eine Betonwand hochgezogen. Vertrauen ist gut, Betonwand ist besser, was im Endefekt teurer, wird sich bei den Verhandlungen mit der Versicherung herausstellen.

05.11.2012
09:05
Geröll-Lawine begräbt Autos in Essen - Anwohner in Angst
von Sushi73 | #2

Komisch. Rosa Parkscheiben erregen die Gemüter der öffentlichen Verwaltung.
1000 Kubikmeter Fels lösen sich oberhalb von Wohnhäusern und nur durch Zufall /Nachtzeit wird niemand verletzt oder getötet. Das unterlag wohl nicht der Aufsicht durch die öffentliche Verwaltung. Oder doch? Wer erinnert sich noch an den Baum, der auf dem Werdener Berg eine Autofahrerin seinerzeit erschlagen hatte.....?

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