„Ich bin stolz auf die Leistung meiner Eltern“

Natürlich gab es nach dem Krieg massenhaft so genannte Trümmerfrauen. Ich selbst habe diesen Frauen, die mit Kittelschürze und Kopftuch bekleidet und zum Teil mit Schubkarren hantierend, als Kleinkind dabei zugesehen, wie sie in zerbombten Häusern arbeiteten, Schutt beiseite räumten und Steine klopften, die dann zur Reparatur ihrer ebenfalls zerstörten Häuser verwendet wurden. Mir ist nicht klar, wo Frau Treber recherchiert hat, bestimmt nicht im Ruhrgebiet, denn da waren Trümmerfrauen von 1945 bis in die 1950er Jahre kein Mythos, sondern Realität.

Hat sich die junge Historikerin mit dem Begriff „Mythos“ nicht ein bisschen zu weit aus dem Fenster gelehnt? Diese Frauen, die heute als Trümmerfrauen bezeichnet werden, wollten in keiner Hinsicht diese Bezeichnung. Es ist einfach ein Begriff, eine Aussage für das gewesen, was sie in dieser verkorksten Welt geleistet haben. Sie wollten wieder ein heiles Umfeld. Sie sorgten dafür, dass wieder Gleichmäßigkeit in die Familien kam. In dieser Zeit musste um Existenz und das Überleben gekämpft werden. Viele Männer, waren im Krieg geblieben. Sollten die Frauen ihre Hände in den Schoß legen und auf Wunder warten? So gingen sie in Baugruben und Trümmergrundstücke hinein, holten, was brauchbar war heraus und klopften Steine. Ich habe selber noch gesehen, wie Frauen in Kellergewölben sich ein einigermaßen behagliches Heim hergerichtet haben. Geschäftsfrauen haben selbst mit angefasst, um ihre Existenzgrundlage wieder herzustellen. Andereren Frauen ging es auch darum, sich ein paar Pfennige für das Haushaltsgeld zu verdienen. Die Frauen sahen die Notwendigkeit viel eher als die späteren Aufräumkräfte. Bis diese zum Einsatz kamen, ist eine geraume Zeit vergangen. Ich bin stolz auf die Leistung meiner Eltern. Diese Generation wollte Aufbau und Fortschritt.

Brigitte Böcker

Mit bloßen Händen wurde gearbeitet, Arbeitshandschuhe kannte man nicht. Die Männer, soweit sie nach dem Krieg noch existent waren (!), hatten für den Lebensunterhalt zu sorgen. Die Frauen saßen wirklich in den Trümmern. Ob die Erlebnisse, die wir Zeitzeugen durchlebt haben, die Menschen von heute nachfühlen können, wage ich zu bezweifeln. Von daher sind Historiker – zumal der Folgegenerationen – für ihre Darlegungen zu bedauern.

Theodor. F. Kuhl

Ich habe als Kind in den Trümmern Ziegelsteine eingesammelt. Mit einem Bollerwagen habe ich diese Steine in die Gärten gefahren und für einen bis drei Pfennig verkauft. Meine Mutter fuhr mit einem Bollerwagen zur Abraumhalde der Zeche Schnabel in Bergerhausen. Dort stürzten sich viele Menschen, auch meine Mutter, auf die Loren, um Kohle zu finden. W. Schneider