Kirche
„Ich bin angekommen“
08.09.2010 | 15:54 Uhr 2010-09-08T15:54:00+0200Kettwig.Es gibt heitere Menschen. Sie erwecken den Eindruck, den Ernst des Lebens nicht allzu ernst zu nehmen. Sie erzählen ständig Witze. Und es gibt humorvolle Menschen. Sie sind in der Lage, das Unabänderliche hinzunehmen, es augenzwinkernd zu reflektieren. Ihnen fallen selten Witze ein. Zur letzteren Sorte gehört Sven Goldhammer, der am Sonntag ins Amt des Pfarrers der katholischen Kirchengemeinde Kettwig eingeführt wird.
„Ich bin angekommen“, diese Erkenntnis vermittelt seine Körpersprache. Übers Pfarrhaus sind die Handwerker gekommen. Es bohrt und hämmert, es stellt sich die Frage, ob dieses Kabel noch gebraucht werde oder ob man es kappen dürfe. Goldhammer schaut und entscheidet. Seine Küche nimmt Gestalt an. Es ist seine erste. Pfarrer zögen immer mit Küche um, lässt er wissen. Und Pfarrer, das ist er jetzt. Nur umziehen will er so bald nicht.
Man kann den 41-Jährigen verstehen. Der Ort, das Haus, das dunkel-mächtige Ölbild im geschmackvoll möblierten Konferenzraum mit seinen strahlend weißen Wänden. Der heilige Franziskus nimmt Jesus vom Kreuz. Goldhammer betrachtet die Szene, lässt die Blick über noch halb leere Bücherregale wandern und fühlt sich wohl in seiner Haut. Kettwig mache es ihm leicht. Wenn er durch Fachwerkgassen streift, fühlt er sich an Zuhause erinnert, ans Wülfrath seiner Kindertage. Die Menschen, Mitarbeiter: Nett, schrecklich nett. „Meine letzte Kaplansstelle in Wuppertal-Barmen lag mitten in der Stadt. Das ist nicht meins.“
Der Pastor ist Manager, Entscheider, Verantwortlicher. „Ich war Vorstand der katholischen Kliniken St. Antonius Wuppertal. Wenn man so will, hatte ich 2000 Angestellte.“ Vom Pfarrer allein könne Gelingen ohnehin nicht abhängen. „Man braucht die richtigen Menschen am richtigen Platz“, konstatiert er. „Ich habe den Eindruck, dass hier vieles in bester Ordnung ist. Und was nicht läuft, das bringen wir ans Laufen.“
Was nicht läuft,
bringen wir ans Laufen
Als gelernter Sozialversicherungsfachangestellter bringt er das wirtschaftliche Rüstzeug mit. Das seelsorgerische besorgte sich Goldhammer in Eichstädt, wo er zunächst Religionspädagogik studierte. Doch der Schritt zum Priesteramt? Lange habe er überlegt, dann entschieden, es zu versuchen. „Ich sagte mir: Wenn das nichts für dich ist, kannst du jederzeit zurück.“ Doch es war richtig. Er nutzte ein Studienjahr in Jerusalem, um zu erfahren, was Glauben bedeutet. Sinnliche Eindrücke spielten eine entscheidende Rolle. „Als Studienschwerpunkt wählte ich Archäologie. Mich haben die unterschiedlichen Grabungsphasen fasziniert, die Schichten aus christlicher, tiefer dann biblischer Zeit.“ Am Ursprungsort zwischen Grabeskirche und Schädelstätte reifte sein Verständnis für Spiritualität in zahlreichen ihrer Ausdrucksformen: Katholika, evangelische und orthodoxe Bekenntnisse, Judentum und Islam. Ökumene auf breiter Basis, altertumskundig untersucht und durchdrungen.
Nach Jerusalem waren das Priesterseminar Köln, das idyllisch im Rhein-Sieg-Kreis gelegene Much, Gerresheim und Barmen weitere Stationen des gebürtigen Velberters. Nun also Kettwig. Hier will der Mann mit dem kraftvollen Tenor begeistern und anpacken. Fast nimmt es Wunder, dass er bei der Küchenmontage nicht selbst Hand anlegt. Kochen werde er aber eher selten. Die Mutter mit Wirsingeintopf im Gepäck erwartet er sehnsüchtig.
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