Horcht nach – im Wald

Immer wieder ein Ärgernis für andere Waldbesucher: Biker, die sich eigene Wege im Baum-Dickicht suchen. Ist ein Nebeneinander von Event und Erholung im Essener Wald möglich. Und wenn ja, – wie sehe die Lösung aus? Auch darauf könnten die jetzt beendeten Wald-Interviews die ein oder andere Antwort geben.
Immer wieder ein Ärgernis für andere Waldbesucher: Biker, die sich eigene Wege im Baum-Dickicht suchen. Ist ein Nebeneinander von Event und Erholung im Essener Wald möglich. Und wenn ja, – wie sehe die Lösung aus? Auch darauf könnten die jetzt beendeten Wald-Interviews die ein oder andere Antwort geben.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Zwölf Studenten der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung starteten eine große Umfrage im Essener Forst. Das Interesse war viel höher als erwartet. Innerhalb kurzer Zeit waren tausend Fragebögen ausgefüllt

Essen.. Sie sind oft einfach lästig. Man hat keine Zeit – und dann kommt plötzlich einer und will alles mögliche wissen – über das eigene Auto, über den Telefonanbieter, über sein Einkaufsverhalten, über die nächste Wahl... „Dauert auch nicht lange.“ „Nur ein paar Minuten.“ Eine Meinungsumfrage – am Telefon, in der Fußgängerzone oder gar vor der eigenen Haustür. Schon drehen sich die Gedanken des Befragten meist nur noch um einen Punkt: Wie werde ich den oder die ganz schnell wieder los?

Zwölf Studenten der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, die eine große Befragung in Essen starteten, hatten hier und da Ähnliches befürchtet. Doch genau das Gegenteil trat ein. Die meisten Angesprochenen blieben stehen, hörten geduldig zu und waren nicht nur sofort bereit, alle Fragen zu beantworten, sondern auch engagiert eigene Vorschläge zu machen. Vom 10. April bis zum 10. Juni sollte die Umfrage eigentlich dauern. Doch schon Ende April waren die Studenten fertig und kehrten mit tausend ausgefüllten Fragebögen zurück. „Sie waren selbst überrascht, dass ihre Fragen so positiv aufgenommen wurden“, berichtet Projektleiterin Hildegard Rautenberg.

Der Wald liegt am Herzen

Woher dieses besondere Interesse? Weil die Meinungsumfrage nicht an irgendeiner Straßenecke, sondern abseits der Großstadthektik im idyllischen Grün gemacht wurde – und den Essenern ihr Wald offenbar mehr am Herzen liegt als manche vermuten. Und das umso mehr nach dem Orkan Ela, der so arg gewütet und breite Schneisen der Verwüstung unter anderem im Schellenberger Wald gerissen hatte.

Die Studenten, die sich in sechs Gruppen von früh bis spät für jeweils drei Stunden ab sieben Uhr früh zu verschiedenen Tageszeiten an mehreren Standorten im Essener Forst aufgestellt hatten, wollten nicht nur wissen, warum und wann die Befragten den Wald nutzen, sondern auch, was geändert werden sollte und von wem sich der ein oder andere gestört fühlt.

Studenten sprachen sich mit GGE ab

Den Fragebogen haben die Studenten und künftigen Bediensteten der Stadt Essen erstellt und mit Grün und Gruga (GGE) abgesprochen. Die Auswertung hat gerade begonnen – und auf die Ergebnisse ist GGE-Sprecher Eckhard Spengler gespannt. „Dieses Projekt ist sehr hilfreich für uns.“ Denn es soll auch Antworten auf die Frage geben, wie es mit dem 1750 Hektar großen Wald nach dem Pfingststurm weiter gehen soll.

Ela hatte zehn bis 15 Prozent der Essener Waldfläche stark beschädigt – oder ganz zerstört. Zigtausende Waldbäume wurden umgeknickt. Für den Wiederaufbau ist ein auf zehn Jahre angelegter Gesamtplan nötig, ein sogenanntes „Forstbetriebswerk“. Das wird gerade erstellt und soll noch dieses Jahr vom Rat verabschiedet werden. Es geht dabei nicht nur darum, welche resistenten Baumsorten favorisiert werden, welche Flächen wieder aufgeforstet und welche mehr oder weniger sich selbst überlassen bleiben (Naturverjüngung) , sondern auch um die Nutzungsmöglichkeiten.

Unterschiedliche Interessensgruppen

Hier prallen die verschiedensten Interessen frontal aufeinander: Hundebesitzer gegen Reiter, Spaziergänger und Umweltschützer gegen Radsportler. Grün und Gruga versprach, die Bürger mit ins Boot zu nehmen und lud erst vor wenigen Tagen zum ersten Workshop ein, an dem sich 80 Interessierte beteiligten. Dass man sich aufgrund der völlig konträren Meinungen beim ersten Termin nicht einigen konnte, war klar. „Aber wir haben es geschafft, dass eine Basis geschaffen wurde, miteinander zu reden und zuzuhören“, wertete Spengler als positives Ergebnis.

Im Herbst folgt der zweite Workshop. Bis dahin sind auch die Wald-Interviews ausgewertet, deren Ergebnisse auch deshalb gut verwertbar sind, weil die Studenten von Beginn an darauf geachtet haben, Beeinflussungen – durch welche Interessengruppe auch immer – zu vermeiden. Deshalb wurden die Standorte und Zeiten für die Interviews geheim gehalten. Um genau die anzutreffen, die wirklich just im Wald was zu suchen hatten – ob frische Luft oder Freizeitspaß.