Hörgeschädigt, aber nicht dumm
22.10.2007 | 01:07 Uhr 2007-10-22T01:07:01+0200AUSBILDUNG. Fabian Trappe (21) ist behindert. Das hinderte ihn jedoch nicht an einer Ausbildung zum Bauzeichner - was nicht alltäglich ist.
Fabian Trappe ist leidenschaftlicher Fußballspieler. Wenn er auf dem Rasen stürmt, muss er sich auf sein Körpergefühl und Augenkontakt verlassen. Denn der 21-Jährige hört nicht, wenn sich ihm jemand von hinten nähert oder ihm etwas zuruft, wenn er nicht hinsieht. Seine sehr gute Beobachtungsgabe kommt ihm auch außerhalb des Spielfeldes zugute. Fabian Trappe ist hörgeschädigt. Er trägt an beiden Ohren Hörgeräte, verlässt sich bei der Verständigung mit anderen Menschen zu etwa 70 Prozent aufs Lippenablesen. Seine Behinderung hat ihn allerdings nicht an einer Ausbildung gehindert. Seit September dieses Jahres geht er als Bauzeichner bei der Codema International GmbH in Rüttenscheid in die Lehre.
Mit Lachen Brücken bauen
Mit 30 Bewerbungen ist Fabian Trappe, der in diesem Jahr sein Fachabitur machte, mit einem überschaubaren Aufwand ans Ziel gelangt. Der aus dem Kreis Coesfeld stammende junge Mann hat in Essen eine Wohnung gemietet, die Berufsschule besucht er am Rheinisch-Westfälischen Berufskolleg für Hörgeschädigte.
Fabian Trappe ist ein aufgeschlossener, freundlicher Mensch, der ohne Angst auf andere zugeht. So baut er auch Brücken zu nicht behinderten Menschen, die vielleicht zunächst verunsichert auf seine Behinderung reagieren. Aber nicht nur darauf kam es bei der Bewerbung an. Fabian Trappe übte unter anderem ein Vorstellungsgespräch. "Ich war der Azubi, sie war der Chef", zeigt Fabian lachend auf Lana Amberge (33). Die Mitarbeiterin des Diakoniewerks, das wiederum Träger des Internats für hörgeschädigte Schüler an der Curtiusstraße ist, arbeitet mit beim Projekt "Equal". Diese von der EU geförderte Initiative startete Mitte 2005 und geht Ende 2007 zu Ende. Sie macht sich für bessere Ausbildungs-und Arbeitsplatzchancen für hörgeschädigte Jugendliche stark. Auf dem Programm stehen Firmenbesuche und Praktika. Von 20 Jugendlichen, die Weiterbildungen absolvierten, mündeten fünf in Ausbildung ein, freut sich Lana Amberge.
"Du heißen wie?"
"Wenn die Noten stimmen, ist die Hörschädigung bei einer Bewerbung nebensächlich", weiß die Sozialpädagogin aus Erfahrung. Sie besucht auch Firmen, um Vorurteile abzubauen. Etwa, dass eine Hörschädigung gleich Gehörlosigkeit bedeutet, was nicht stimmt. Außerdem entwirft Lana Amberge bei Bedarf auch mit Jugendlichen Bewerbungsschreiben. Denn wer zuerst die Gebärdensprache lernt und danach die Lautsprache, "vermengt die Grammatik von Hörenden mit der von Hörgeschädigten", erklärt Lana Amberge. Dann entstehen Sätze wie "Du heißen wie?" oder "Du wohnen wo?" und schon könnte der Bewerber in einer Firma den Eindruck hinterlassen: hörgeschädigt gleich dumm.
Gut vorbereitet fährt Fabian Trappe zum Vorstellungsgespräch bei "Codema", ein Unternehmen mit 70 Mitarbeitern an vier Standorten. "Der Chef bemühte sich sehr", mit Fabian ins Gespräch zu kommen, erinnert sich der Bewerber. "Ich fühlte mich von Anfang an wohl." Geschäftsführer Thomas Sontag wählt Fabian, dessen Stelle durch die Agentur für Arbeit gefördert wird, und einen zweiten, hörenden Azubi aus 60 Bewerbern aus. "Für mich war es das Spannende, das Interview zu führen", so Thomas Sontag. Aber wie bei anderen Bewerbern sei die Persönlichkeit an sich wichtig gewesen. Und: "Fabian ist ein fleißiger, ehrgeiziger Mensch und so offen", sagt Thomas Sontag. "Seine Natürlichkeit passt zu uns, da ist kein Handicap."
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