„Höchste Zeit“: Brautalarm im Rathaus-Theater

Vier Frauen im Hochzeitsfieber: „Höchste Zeit“ heißt das Musical-Motto im Rathaus-Theater.Foto:© DERDEHMEL
Vier Frauen im Hochzeitsfieber: „Höchste Zeit“ heißt das Musical-Motto im Rathaus-Theater.Foto:© DERDEHMEL

Essen.. Mit der Uraufführung von Tillmann von Blombergs „Heiße Zeiten – Wechseljahre“ feierte das Essener Theater im Rathaus vor fünf Jahren einen großen Erfolg. In „Höchste Zeit“ kehrt das freche Frauenquartett zurück und wiederholt das Erfolgsrezept des Erstlings: Vier unterschiedliche Damen im besten Alter prallen aufeinander und tauschen ihre Probleme mit viel Humor und peppigen Gesangseinlagen aus. Auch wenn die Originalität auf der Strecke bleibt: Das Rezept geht ein zweites Mal auf.

In Teil eins trafen die männermordende Karrierefrau, die zynische Vornehme, die quirlige Hausfrau und die naive Junge in einem Flughafen aufeinander. Am Ende des Stücks begegnete die Karrierefrau dem Mann ihres Lebens. Hier setzt nun das neue Stück an: Ein paar Jahre später sollen die Hochzeitsglocken läuten, die übrigen drei Damen von damals kommen zur Hochzeitsfeier. Doch im Hotelzimmer der Braut in spe erleben sie eine faustdicke Überraschung: Denn die Zukünftige befürchtet, dass sie während einer durchzechten Nacht ihrem baldigen Gatten untreu geworden ist. Und dieser ist auch noch spurlos verschwunden.

Beziehungskisten stehen im Vordergrund

Passend zum Thema Hochzeit stehen diesmal Beziehungskisten im Vordergrund. Die Junge wartet vergeblich auf den Heiratsantrag ihres Verlobten. Die Vornehme dagegen will sich scheiden lassen – weshalb sie auch an der bevorstehenden Hochzeit ihrer Freundin kein gutes Haar lässt. Und die Hausfrau will sich von ihrem Mann emanzipieren, indem sie einen Job annimmt.

Auch wenn diese Thematik weit weniger originell ist als die „Wechseljahre“-Probleme aus Teil 1: Dank des gut aufgelegten Darstellerquartetts macht auch Teil 2 richtig Laune. Einzig Angelika Mann nimmt ihren Part aus „Heiße Zeiten“ wieder auf: Wieder verleiht sie der Hausfrau ihre wunderbare Berliner Schnauze, Franziska Beckers Karrierefrau überzeugt vor allem in den Gesangsparts mit klarer, fester Stimme. Da hat Nini Stadlmann es manchmal schwerer, den richtigen Ton zu treffen, doch passt diese tonale Unsicherheit zu ihrer Interpretation der Selbstzweiflerin. Heike Joncas Vornehme dagegen strotzt vor zynischer Überheblichkeit, die sie mit augenzwinkerndem Witz ertragbar macht. Auch überzeugt sie in den Gesangparts, bei denen wie schon im Vorgänger bekannte Melodien mit neuen Texten kombiniert werden. Die Hausfrau rockt „Ich will noch mehr“, zur Melodie von Chuck Berrys „Johnny B. Goode“, zu „Yes Sir, I Can Boogie“ klagt das Quartett über optische Alterserscheinungen: „Schau mal, du, da hängt was!“. Schade, dass die Instrumente diesmal aus der Konserve kommen. Dennoch: Der Gesang bleibt live und mitreißend, so dass das Publikum manches Mal freudig mitklatscht. Und nicht zuletzt weil Katja Wolfs Inszenierung stets das richtige Timing besitzt, sind die Standing Ovations zum Schluss mehr als berechtigt.