Das aktuelle Wetter Essen 20°C
Fußball

Hochsicherheitsspiel für RWE-Fans in der JVA Gelsenkirchen

14.10.2012 | 18:45 Uhr
Hochsicherheitsspiel für RWE-Fans in der JVA Gelsenkirchen
„Stimmung statt Randale“: Der pädagogische Aspekt durfte beim „Spiel hinter Mauern“ nicht fehlen.Foto: Privat

Essen/Gelsenkirchen.   Beton, Kameras, hohe Mauern und mittendrin ein Fußballplatz. Das Awo-Fanprojekt aus Essen tratt zum sportlichen Duell gegen eine Fußballmannschaft der Justizvollzugsanstalt Gelsenkirchen an. Ein Spiel „hinter Gittern“ gegen die „Knackis“, für die Häftlinge eine willkommene Abwechslung.

Drüber! Und wie! Im neuen Stadion Essen wäre dieser Schuss wohl irgendwo in den obersten Reihen gelandet, hier fliegt er hinweg über Stacheldraht und Beton. „Gib mir mal den Schlüssel, ich hol den Ball eben“, ruft einer im blauen Trikot, das die Spieler der Justizvollzugsanstalt Gelsenkirchen tragen. Für den Spruch erntet er natürlich nicht den erhofften Gang in die Freiheit, aber immerhin Gelächter von allen Seiten. Ein Abbild eines entspannten Nachmittags, wie man ihn in einem Gefängnis nur selten erlebt. Das Awo-Fanprojekt aus Essen hat sich auf den kurzen Weg über die Stadtgrenze gemacht, um „hinter Gittern“ zum Duell mit den „Knackis“ anzutreten.

Abwechselung vom Gefängnis-Alltag

„Für die Insassen bedeuten solche Aktionen ein wenig Abwechslung vom Alltag“, erklärt Gefängnis-Leiter Carsten Hein. Ein bis zwei Mal im Jahr kommt dafür eine Mannschaft „von draußen“, wie es hier heißt. Mal sind es Mannschaften von Vereinen aus der Umgebung, mal soziale Einrichtungen wie das Fanprojekt. „Wir haben vor etlichen Jahren so etwas schon mal in der JVA Essen gemacht“, erinnert sich Roland Sauskat, Leiter des Fanprojekts. Damals habe man vor allem den gewaltbereiten Fans zeigen wollen, „wo Gewalt auch enden kann – nämlich hinter Eisengittern“, sagt Sauskat. 2012 hat sich diese Intention ein wenig geändert. Im Vordergrund steht der Spaß für die zusammengewürfelte Truppe. So spielen nicht nur Fans mit, sondern auch Mitarbeiter der Geschäftsstelle von Rot-Weiss Essen und Spieler der zweiten Mannschaft. „Wir haben aber auch einige ehemalige Hooligans und zwei Jungs aus einem Jugendheim dabei“, erklärt Sauskat. Für die erhofft er sich den gleichen Effekt wie beim ersten JVA-Besuch.

Und dann ist da natürlich noch der Sport, der den eigentlich Mittelpunkt dieses außergewöhnlichen Ausflugs bildet. Nachdem die Sicherheitsschleuse passiert und die Kluft in den Umkleideräumen der modernen Gefängnis-Sporthalle angelegt ist, geht es hinaus auf den Ascheplatz. Der liegt genau zwischen Männer- und Frauentrackt und bietet vielen Insassen die Möglichkeit, das Spiel zwischen den Gittern hindurch zu verfolgen – ein wenig Bundesliga-Atmosphäre weht durch die JVA, RWE-Gesänge und Anfeuerungsrufe begleiten die 22 Kicker auf dem roten Sportplatz.

Mulmiges Gefühl legte sich schnell

„Am Anfang war es ein mulmiges Gefühl, wenn man plötzlich von Mauern umgeben ist, aber als das Spiel einmal lief, war alles ganz normal, sogar richtig locker“, erzählt Fanprojekt-Spieler André. Angst, dass die Spieler der anderen Seite, teils aus dem Hochsicherheitstrakt und zu langen Haftstrafen verurteilt, gewalttätig werden könnten, habe man nie haben müssen. Das bestätigt Gefängnis-Leiter Hein: „Es ging bisher nie etwas schief. Wir achten bei der Teamzusammensetzung natürlich darauf, dass die Jungs gemeinschaftsfähig sind – und die Insassen haben selbst ein Interesse am reibungslosen Ablauf.“ Alles andere wäre schließlich das Ende der zusätzlichen Freiluft-Zeit, Turniere gegen andere Justizvollzugsanstalten im Land mit eingeschlossen.

So endet das Derby „Drinnen gegen Draußen“, Gelsenkirchen gegen Essen, nicht nur in freundschaftlicher Atmosphäre mit Trikot- und Gesprächsaustausch, sondern auch noch sportlich spannend: Nach 0 zu 4 Rückstand drehten die Essener das Spiel kurzerhand und siegten noch 5 zu 4. Aus Fansicht sicherlich ein Spiel mit Vorbildcharakter für die Rot-Weissen – sollte es irgendwann mal wieder zu einem Vergleich zwischen den Profiteams beider Städte kommen.

Clemens Boisseree



Kommentare
15.10.2012
12:54
Hochsicherheitsspiel für RWE-Fans in der JVA Gelsenkirchen
von schwalbenalfred | #5

Töfte Aktion!

14.10.2012
23:21
Hochsicherheitsspiel für RWE-Fans in der JVA Gelsenkirchen
von Rike57 | #4

Ich finde, das ist eine tolle Sache.
Aber gleich kommen wieder solche überflüssig, beissenden Kommentare von bekannter Seite.
Meinen Glückwunsch, an die Sieger, aber vor allem an Roland und Claudia vom AWO-Fan-Projekt Essen.Ihr macht einen Superjob.Weiter so!

Solche Leute muß es mehr bei den Fan-Projekten geben, dann klappts auch mit den Fans!
Glück auf! Nur der RWE!!!

14.10.2012
22:20
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #3

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

14.10.2012
21:26
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #2

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

1 Antwort
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #2-1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

14.10.2012
20:21
Hochsicherheitsspiel für RWE-Fans in der JVA Gelsenkirchen
von trickflyer | #1

und nach dem trikottausch fehlten 12 knackis.

Aus dem Ressort
Blitzmarathon - Hier blitzt die Polizei in Essen
Blitzmarathon
Fahren Sie vorsichtig - und nicht zu schnell! Von Donnerstagmorgen bis Freitagmorgen geht die Polizei in NRW wieder auf Raserjagd. Beim zweiten Blitzmarathon kontrollieren die Beamten wieder an zahlreichen Messstellen im ganzen Land. Hier stehen die Kontrollpunkte in Essen.
Schlange stehen vor dem neuen Fanshop von RWE und BVB
Fanshop
Nach langen Monaten der Vorbereitung öffneten sich am Donnerstag um 10 Uhr die Glastüren des neuen Fanshops von Rot-Weiss Essen und Borussia Dortmund im Einkaufszentrum Limbecker Platz. Rund 150 Fans standen bereits vor Eröffnung Schlange. Vor allem Trikots von BVB-Spieler Kagawa sind beliebt.
Wie eine Ärztin für saubere Schulklos in Essen kämpft
Hygiene
Ein Essener Internistin bemerkte, dass Schulkinder mit Harnwegsinfektionen "den Gang zum Schulklo meiden, weil es dort stinkt". Die Medizinerin gründete den Verein „Prävention und Schulgesundheit“, der an der Frintroper Altfried-Grundschule eine General-Reinigung der Schultoiletten finanziert.
Räuber schlägt Opfer mit einer Wodkaflasche ins Gesicht
Raub
Brutaler Überfall in Essen: Ein 20-Jähriger wollte am Mittwoch einen Mann (33) ausrauben. Dabei schlug der Täter dem 33-Jährigen mit einer Wodkaflasche ins Gesicht. Während der 20-Jährige dem Haftrichter vorgeführt wurde, musste das Opfer auch am Donnerstag noch im Krankenhaus behandelt werden.
Besucher fütterten Pony „Zappan“ im Grugapark zu Tode
Tierliebe
Trotz zahlreicher Hinweisschilder rund um die Gehege füttern anscheinend zahlreiche Besucher die Tiere im Grugapark mit selbst mitgebrachtem Futter. Im Fall von „Zappan“ war das tödlich: Das Pony verendete jüngst an einer Kolik, die laut Tierarzt durch unverträgliches Futter ausgelöst worden.
Umfrage
Am Donnerstag kontrolliert beim 7. Blitzmarathon in Essen wieder ein Großaufgebot der Polizei die Geschwindigkeit in der Stadt. Innenminister Ralf Jäger startet die Kontrolle um 7.30 Uhr in Kray. Wenn Sie alle Argumente abwägen: Glauben Sie, dass diese aufwendigen Kontrollaktionen zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr führt?

Am Donnerstag kontrolliert beim 7. Blitzmarathon in Essen wieder ein Großaufgebot der Polizei die Geschwindigkeit in der Stadt. Innenminister Ralf Jäger startet die Kontrolle um 7.30 Uhr in Kray. Wenn Sie alle Argumente abwägen: Glauben Sie, dass diese aufwendigen Kontrollaktionen zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr führt?

 
Fotos und Videos