Hitze weichte Gleisbett auf: U-Bahnen blieben kleben

Die Rekordhitze hat den U-Bahnverkehr teilweise zum Erliegen gebracht und zu massiven Störungen auf den anderen Straßen- und Stadtbahnlinien geführt. Die U11, mit täglich 50.000 Fahrgästen eine der wichtigsten Nahverkehrslinien der Ruhrmetropole, ist zwischen den Haltestellen II. Schichtstraße und der Endhaltestelle Gelsenkirchen-Buerer Straße auch in den nächsten Tagen mindestens bis Dienstag in beide Richtungen gesperrt.

Die Gleisstrecke auf der Altenessener Straße wurde am Donnerstag Abend auf einer Länge von drei Kilometern durch flüssig gewordenes Bitumen so stark beschädigt, dass der Schienenverkehr eingestellt und Ersatzbusse angefordert werden mussten. Wie lange die Reparaturarbeiten dauern, ist noch völlig unklar, berichtet Evag-Sprecher Olaf Frei am folgenden Tag.

Das gilt auch für die elf U-Bahnwagen, an deren Rädern, Fahrgestellen und Kupplungen dicke Bitumenklumpen kleben, die sich nur schwer abkratzen lassen. Die Fahrzeuge stehen jetzt im Betriebshof Schlesische Straße. Und den Mitarbeitern in der Werkstatt fällt nur ein Satz dazu ein: Was für eine Sauerei...

Wie die passieren konnte, das versucht die Essener Verkehrsgesellschaft Evag noch zu rekonstruieren: Nach den bisherigen Erkenntnissen hat am Donnerstag die tropische Hitze bei fast 38 Grad das Dehnungsmaterial zwischen Schiene und Straßenasphalt so stark aufgeweicht, dass es wie dickflüssiger Teer von den U-Bahnen aus dem Gleis gedrückt wurde, ebenso von Fahrzeugen, die die Schienen kreuzten. Die Bitumen-Flatschen wurden zum Teil durch die Luft geschleudert und landeten auf dem Gleiskörper und auf der Fahrbahn der Altenessener Straße. Ganze Brocken blieben auch an den Rädern haften. Mit der Folge, dass die U11-Bahnen auf der Linie regelrecht kleben blieben.

Nichts ging mehr. Zu allem Überfluss wirkte das Bitumen, das auf den Schienen verschmiert war, wie eine Isolation – mit gravierenden Folgen: Normalerweise wird über Schwachstrom entlang der Gleise mit dem Betriebsleitsystem eine Kommunikationslinie sichergestellt. Die wurde aber durch die flüssige Masse unterbrochen, so dass zahlreiche falsche Störmeldungen bis in den späten Donnerstagabend den gesamten Straßenbahn-Verkehr in Essen aus dem Takt brachten und viele Fahrgäste lange Verspätungen in Kauf nehmen mussten.

Immerhin: Bis zum Freitag war wenigstens dieses Problem gelöst. Doch vor Ort – auf der Altenessener Straße – laufen die Aufräumarbeiten weiter auf Hochtouren, ohne dass ein Ende absehbar ist. „Wir haben alle unsere Teams draußen. Die müssen den Dreck teilweise mit bloßen Händen wegmachen“, erzählt Olaf Frei.

Die Arbeiter krochen unter die Züge, um die Brocken abzuschlagen und den Abtransport in die Werkstatt zu ermöglichen. Zudem wird noch die Fuge im Gleisbett provisorisch mit Teer gefüllt, damit kein Radfahrer in die Rille stürzt. Auch am Wochenende bleibt die Altenessener Straße Baustelle.