Himmlisches Wohnen im Wolkenhaus

Im Rahmen des Tags der Architektur öffnete das Wolkenhaus seine Pforten
Im Rahmen des Tags der Architektur öffnete das Wolkenhaus seine Pforten
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Beim Tag der Architektur ließen sich Interessierte die Fassade des markanten „Wolkenhauses“ in Bedingrade erklären und konnten auch Wohnungen besuchen.

Essen.. „Warum eigentlich grau?“, fragt eine der Besucherinnen und schaut an der Fassade des Neubaus im Stadtteil Bedingrade hoch. „Wäre ein blauer Himmel nicht schöner gewesen?“ Architekt Holger Gravius nickt und erklärt: „Da waren mir die Hände gebunden – die Bauvorschrift für die Roßstraße lässt nur Grau und Weiß zu.“ Dennoch sticht das Haus mit der Nummer 29 sofort ins Auge. Ein moderner Bau, große Fenster, offene Räume – und eine Fassade, die an einen Himmel mit Schäfchenwolken erinnert. „Wolkenhaus“ wird es von den Anwohnern und vom Architekten poesievoll genannt. Wie es hinter der Fassade aussieht, davon konnten sich Architekturfreund gestern beim Tag der Architektur ein Bild machen.

Sechs Familien nennen den außergewöhnlichen Bau ihr Zuhause. Doch um in eine der Mietwohnungen zu gelangen, müssen sie zuerst durch die Wolke. „Das Treppenhaus erinnert an eine Gewitterwolke“, erklärt Holger Gravius, als er das Haus betritt. Leuchtend gelbe Farbe und LED-Blitze zischen vom Keller hoch ins Dachgeschoss. „Es ist, als würde man als Pilot durch die Wolken fliegen.“ Um in die oberen Stockwerke zu kommen, können die Bewohner aber auch den Aufzug nehmen. Solaranlage und Tiefgarage sind zusätzlicher Luxus. Und auch die Wohnungen des Wolkenhauses sind bemerkenswert. Staunend laufen die Besucher durch eine 90 Quadratmeter große Penthouse-Wohnung mit Galerie und Dachterrasse, deren Bewohner allerdings keine Fotos erlaubte.

Tafeln erinnern an klassische Warhol-Motive

Holger Gravius hatte die zündende Idee für die markante Fassade. „Das Grundstück war ursprünglich nur eine Grünfläche – ich wollte nicht, dass ein riesiger Klotz die Natur verschandelt“, erzählt der 46-Jährige. Deshalb holte er sich Inspiration bei einem anderen Künstler. „Ich war in der Ausstellung von Christo im Gasometer Oberhausen – der Gasspeicher war innen komplett in weißen Stoff verpackt. Darin fühlte man sich ganz leicht, wie in einer Wolke.“

Diese Schwerelosigkeit übertrug er dann auch auf sein Projekt in der Roßstraße. Die Tafeln in drei Farbabstufungen erinnern an klassische Warhol-Motive im Siebdruckverfahren. Das bedruckte Aluminium soll besonders robust und langlebig sein. „Ich finde, es fügt sich jetzt wunderbar in den Himmel und die Landschaft ein.“ Und es ist dennoch kaum zu übersehen.