Hexenmeister an der Geige sorgt für Begeisterungsstürme

War das ein fulminanter Auftakt, dieses Neujahrskonzert der Essener Philharmoniker! Ein gut disponiertes Orchester, ein temperamentvoll wippender Yannis Pouspourikas am Pult und über allem ein in jeder Hinsicht schillernder Solist: Der Teufelsgeiger Nemanja Radulović riss das Publikum im vollbesetzten Alfried-Krupp-Saal zu wahren Begeisterungsstürmen hin.

Der „Zauberlehrling“ von Paul Dukas stand zwar erst nach der Pause auf dem französisch geprägten Programm, doch Radulović gab den Hexenmeister schon vorher mit Paganinis 1. Violinkonzert. Bereits sein Auftritt löste verwundertes „Oh!“ und „Ah!“ aus, denn der Shooting-Star liebt das exzentrische Outfit – kniehohe Schnürstiefel, schwarzroter, hauteng und androgyn anmutender Frack, schwarz geschminkte Augen und wallende schwarze Mähne: eine seltene Mixtur aus Conchita Wurst und Nigel Kennedy.

Doch der britische Punkgeiger sieht neben diesem begnadeten Vollblutmusiker mittlerweile ziemlich alt aus. Radulović verströmt mit seiner ausladenden Körpersprache und seinem extrovertierten, draufgängerischen Spiel ein Charisma, dem man sich nicht entziehen kann.

Mit technischen Schikanen

Paganinis technische Schikanen, ob gläserne Flageolettgespinste oder mehrstimmige chromatische Kaskaden, begleitet er mit mildem Lächeln, sein springender Bogen lässt die Funken sprühen. Und dass ihm der Zuhörer sein ausdrucksgesättigtes Melos quasi aus der Hand frisst, spürte man in Massenets weltentrückt schön gelungener „Méditation“.

Die Essener Philharmoniker waren ihrerseits spendabel: vom moussierenden Glas Schampus, Marke Offenbach, bis zu Ravels „La Valse“, dessen gebrochener Charakter zwischen Wiener Walzerseligkeit und tumultuösem Zusammenbruch bei Pouspourikas in besten gestalterischen Händen war. So darf es 2015 gern weitergehen.