Herzlos gehandelt

Viel ist dieser Tage von überbehütenden Eltern die Rede, die ihre Kinder nicht loslassen können. Doch auch ängstliche Eltern gehen wohl kaum davon aus, dass ein Busfahrer Grundschüler an einem verschneiten Wintermorgen auf die Straße setzt und ihrem Schicksal überlässt.

So ist es aber offenbar geschehen, das erzählt nicht nur die Mutter, das bestätigt auch die Kita, die die Kinder schließlich aufnahm – zum Glück. Denn die Evag ließ die Familie augenscheinlich allein: Da war nicht nur der Busfahrer, der die Tür geschlossen gehalten haben soll. Auch die Hotline, bei der sich die besorgte Mutter erkundigte, wo ihre Kinder gestrandet waren und ob man sie nicht im Bus warten lassen könne, zeigte sich kühl. Das liege im Ermessen des Fahrers, hieß es bloß.

Nein, liegt es nicht; die Richtlinien sind eindeutig: Für Kinder unter 14 Jahren hat die Evag nicht nur die Beförderungspflicht, sie sind vielmehr Schutzbefohlene, für die sie besondere Verantwortung trägt. Darauf will die Evag den Kollegen noch einmal hinweisen. Dabei sollte man meinen, um zwei frierenden Kindern die Bustür zu öffnen, brauche es keine Dienstanweisung, sondern nur ein Herz.