Hermann Welp - leidenschaftlicher Bäcker mit Hang zu Italien

In der dritten Generation Bäcker, aber dennoch experimentierfreudig: Hermann Welp auf dem Rüttenscheider Markt.
In der dritten Generation Bäcker, aber dennoch experimentierfreudig: Hermann Welp auf dem Rüttenscheider Markt.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Hermann Welp lernte im Praktikum in Sizilien, wie man italienisches Brot backt, das auch wirklich nach Italien schmeckt. Einige süße Sachen, dazu Käse, Wurst und Pasta runden sein Angebot ab. Das kann man auch auf den Wochenmärkten in Rüttenscheid, Werden und Kettwig nachschmecken.

Essen.. Seit 102 Jahren sind die Welps jetzt selbstständige Bäcker in Essen. Das ist ja schon mal was in einer Zeit, in der sich Bäckerei-Großketten breit machen. Aber Hermann Welp war das nicht genug, und das kam so: Als er vor Jahren einem italienischen Feinkostladen in Rüttenscheid Brote liefern sollte, fielen die dort glatt durch: nicht italienisch genug. „Da hat mich der Ehrgeiz gepackt“, erzählt Welp. Er reiste einige Wochen nach Sizilien, machte Praktika, staunte über kleine Hinterhofbäckereien, die wunderbares Charakter-Brot buken, guckte, lernte und staubte uralte Rezepte ab. Dem Ergebnis kann man auf den Wochenmärkten in Rüttenscheid, Werden und Kettwig nachschmecken. Welp besticht durch Qualität, weise Beschränkung seiner Angebote und die Einfachheit des Auftretens. Dieser Marktstand sieht noch aus wie ein Marktstand und nicht wie ein verirrter Supermarkt. Eine Freude, dass es so was noch gibt.

Doch zur Hauptsache: Da wäre etwa das Basisbrot „Pane pugliese“, dann verschiedene Spezialitäten mit eingebackenen Pepperoni, Tomaten, Oliven, Kräutern und selbst Rucola. Natürlich machen so was heute viele, aber Welp hat so lange mit Mehl-Sorten und Teigformen experimentiert, bis es wirklich schmeckte wie beim Praktikum in Catania. Auf das Mehl nämlich kommt es an. „Schon in Mailand gibt es anderes als auf Sizilien.“

Ergänzt wird das Brotangebot durch eine Auswahl süßer Sachen, die Welp inzwischen durch die halbe Republik verschickt. Der Mandelkuchen vom Blech ist eine Sünde wert, ebenso der „Foglia“ genannte Butterblätterteig mit Mantelfüllung, und manche andere Küchlein und Plätzchen warten noch auf Entdeckung - vorausgesetzt, man kann mit reichlich Kalorienzufuhr souverän umgehen. Der Zeitschrift „Feinschmecker“ sind Welps Kreationen nicht entgangen: die Würdigung, zu den „besten Bäckereien Deutschlands“ zu gehören, hat den leidenschaftlichen Bäcker gefreut. Eine kleine Auswahl italienischer Käse- und Wurstsorten und gute, handgemachte Pasta mit und ohne Füllung runden das Angebot ab.

In der Summe ist hier mal ein handwerklich arbeitender Bäcker, der nicht viel klagt, sondern sich konsequent mit harter Arbeit und Ideen eine Nische geschaffen hat. Es geht also, nur muss man halt „positiv verrückt“ sein, wie der 58-Jährige sich selbst bezeichnet. Getauft hat er seine Italien-Linie übrigens auf den Namen „Welpino“. So haben sie ihn in Italien verballhornt. „Und klingt doch gut, oder?“