Heißes Essen

Am Niederfeldsee im vergangenen Juli: Sonnenbad bei 35 Grad – solche Tage gibt es zukünftig immer häufiger.
Am Niederfeldsee im vergangenen Juli: Sonnenbad bei 35 Grad – solche Tage gibt es zukünftig immer häufiger.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Es wird wärmer in der Stadt: Bis zum Jahr 2100 könnten die Temperaturen um fast vier Grad steigen, sagen Forscher. Hochwasser und Trockenheit sind die Folge.

Essen.. Temperaturen von mehr als zwanzig Grad soll uns der Wettergott heute bringen. Es ist ein herrlicher Frühlingstag in der Stadt angekündigt. Wem das für Mitte April zu kalt sein sollte, der muss auf die Zukunft warten. Denn es wird wärmer in Essen. Sogar deutlich wärmer. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) macht auf seiner Internetseite kommunale Klimaprognosen öffentlich. Das derzeit wahrscheinlichste Szenario für Essen: Bis zum Jahr 2100 könnte die jährliche Durchschnittstemperatur von 10,6 auf 13,9 Grad steigen.

Blickt man nur auf die Tageshöchstwerte wäre der Anstieg noch drastischer: Statt bei 14,1 Grad wie in den Dekaden von 1981 bis 2010 liegt der Jahresdurchschnitt in den Dekaden von 2071 bis 2100 bei 17,8 Grad. Damit entspricht der Temperaturzuwachs in Essen ungefähr dem weltweit erwarteten Wert von vier Grad. Davon gehen die Klimaforscher aus Potsdam zurzeit aus – basierend auf der aktuellen Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre.

Mehr Sommertage

Wenn es wärmer wird, hat das Auswirkungen auf Umwelt und Menschen. Vor allem beim Thema Wasser. Zwar werden die Niederschläge in Summe nur relativ geringfügig weniger, doch sie verteilen sich ganz anders über das Jahr. „Im Sommer gehen die mittleren Niederschläge zurück, im Winter werden sie mehr“, sagt PIK-Forscher Peter Hoffmann. Zwischen 1981 und 2010 fiel mit durchschnittlich 261,2 mm pro Quadratmeter der meiste Regen im Sommer. Von 2071 bis 2100 könnte über ein Drittel des Regens im Winter fallen, verteilt auf deutlich weniger Tage.

Das heißt konkret: Sowohl Hochwasser als auch längere Trockenperioden werden wahrscheinlicher, wenn zukünftig bestimmte Wetterlagen länger andauern. Ein Beispiel: Die Zahl der so genannten Sommertage (Tageshöchsttemperaturen von mindestens 25 Grad) beträgt heute knapp 29, im Jahr 2100 könnten es 69 sein – diese Hitzephasen treten zudem verstärkt am Stück auf und dauern länger an. Angesichts dieses Szenarios halten die Klimaforscher selbst in Essen Wasserknappheiten für möglich. „Dürren sind hier nicht so unwahrscheinlich“, sagt Klimatologe Hoffmann.

Keine Sorgen um Trinkwasser

Mit Wasser versorgt wird die Stadt zum Großteil durch die Talsperren an der Ruhr. Zuständig ist dafür der Ruhrverband. „In Zukunft nimmt die Ausfallwahrscheinlichkeit der Talsperren zu“, sagt dessen Sprecherin Britta Balt. „Sie ist aber weiterhin sehr gering. “ Heute fällt die Wasserversorgung für das Ruhrgebiet in 500 Jahren ein Mal aus, bis 2100 wird das nach Berechnungen des Verbandes ein Mal in 200 Jahren passieren. Das sind natürlich rein statistische Werte. „Theoretisch kann es jederzeit zu einem Ausfall kommen“, sagt Balt, betont aber: „Es muss sich keiner Sorgen um sein Trinkwasser machen.“ Denn für einen Ausfall muss schon mehr zusammenkommen als ein heißer Sommer. Die Gefahr einer Wasserknappheit bestände etwa dann, wenn jeweils zwei außergewöhnlich trockene Winter und Sommer aufeinanderfolgen.

Auch mit Hochwasser setzt sich der Ruhrverband auseinander. Die Wassermenge die bei kleineren Überschwemmungen über die Ufer tritt, steigt im Einzugsgebiet der Ruhr bis 2100 im Winter um 25 Prozent.

Auf Hitze und Hochwasser stellt sich auch die Stadt ein. So können etwa die künstlichen Gewässer Niederfeldsee, im Krupp-Park und im Univiertel bei heftigen Niederschlägen Regenmengen aufnehmen. Durch Grünanlagen soll die Temperatur im Sommer auch in dicht besiedelten Bereichen auf ein ertragbares Maß gehalten werden. Umweltdezernentin Simone Raskobsagt: „Der Temperaturunterschied zwischen der Innenstadt und dem Ruhrtal beträgt an heißen Tagen schon heute sieben Grad.“