Heine trifft Banjo

Steele..  Heinrich Heine war nie in den USA. Auch hat er niemals den Klängen eines Banjos gelauscht, das afrikanische Instrument, das im 19. Jahrhundert die Herzen der Amerikaner eroberte. Doch die Steelenser Achim Hodde und Arnd Hepprich zeigen auf, wie so eine Begegnung hätte aussehen können: Mit ihrem Programm „Poetry und Banjo” gastiert das Duo am Freitagabend im Grend.

Mit den USA hat Heine nichts am Hut

Wie passt der Überwinder der deutschen Romantik, dessen Lyrik der deutschen Literatur eine bis dahin nicht gekannte Leichtigkeit verlieh, mit dem Zupfinstrument, das von westafrikanischen Sklaven in die Neue Welt verschifft wurde und das die nordamerikanische Folkmusik entscheidend prägte, zusammen? „Auf den ersten Blick gar nicht”, räumt Hodde ein. „Mit den USA hatte Heine nichts am Hut.” Und tatsächlich schrieb Heine in seinem Gedicht „Jetzt wohin?” über die USA: „Doch es ängstet mich ein Land, wo die Menschen Tabak käuen, Wo sie ohne König kegeln, Wo sie ohne Spucknapf speien.” „Mit dem Spucknapf hatte er Unrecht, die gab es sehr wohl in den Staaten”, lächelt Hodde. „Und auch am Banjo hätte er Gefallen gefunden. Sein ,Sklavenschiff’ zum Beispiel hat absolut das Zeug zur düsteren Banjo-Ballade.”

So spielt Hodde auf seinen Instrumenten unterschiedliche Lieder, zu denen Hepprich ausgewählte Heine-Gedichte vorträgt. Gedichte, die zwischen Romantik und zynisch-satirische Gesellschaftskritik pendeln. „Dabei sind vor allem auch die Kontraste zwischen den Werken spannend”, verspricht Hodde, der betont, den schwereren Job zu haben – zumindest bei der Anreise: „Während Arnd Hepprich nur seine Kladde mit den Gedichten mitzubringen braucht, schleppe ich gleich zehn Instrumente an”, lächelt er. Denn jeden Song will er auf einem anderen Banjo-Modell spielen: „Jedes Instrument hat seinen eigenen Sound – und zu jedem Lied gibt es das passende Banjo.” Doch nicht nur spielen will der leidenschaftliche Sammler, auch Wissenswertes zu seinen historischen Instrumente möchte er im Laufe des Abends zum Besten geben. Seitdem der Lokaljournalist den Stift fallen ließ und in den Ruhestand getreten ist, widmet sich Hodde verstärkt dem Banjospiel. „Es ist ein Instrument, das wie kein zweites Lebensfreude transportiert”, schwärmt er.

Hepprich dagegen ist ein bekennender Bücherwurm: „Mit zehn Jahren begann ich, die Bestände der öffentlichen Büchereien durchzulesen”, sagt er. „Die Wände meiner Wohnung bestehen nicht aus Wänden, sondern aus Bücherregalen.” Um auch andere mit seiner Begeisterung anzustecken, veranstaltet der Vorsitzende des Steeler Archivs regelmäßig Lesungen zu unterschiedlichen Themen.

Die Idee zusammen aufzutreten, kam während einer Vernissage in der Galerie Auf zustande. „Bei einer Vernissage dort spielte ich drei Lieder auf drei unterschiedlichen Banjos”, erinnert sich Hodde. „Im Publikum war Arnd Hepprich, der sofort begeistert war und vorgeschlagen hat, dass wir was zusammen machen sollen.” Schnell sei die Idee geboren „Hodde trifft Hepprich” das Motto „Heine trifft Banjo” zu verpassen.