Heilung durch heiße Luft
06.01.2009 | 19:07 Uhr 2009-01-06T19:07:05+0100GESUNDHEIT. Die "Angezogen-Sauna" im Unperfekthaus soll bei Erkältungen helfen. Was nun an der Charite untersucht wird.
In die Sauna gehen und dabei einen dicken Mantel tragen, um sich gegen die Hitze zu schützen? Und das zum Wohle der Gesundheit? Die Idee klingt zunächst einmal schräg, gewinnt aber an Geradlinigkeit, wenn ihr geistiger Vater sie erläutert. Der heißt Reinhard Wiesemann und ist nicht nur der Gründer des Unperfekthauses, sondern insgesamt ein Tüftler und Erfinder.
Die "Angezogen-Sauna", die gegen aufkommende Erkältungen helfen soll, kam ihm durch eine einfache Beobachtung in den Sinn: Viele herkömmlichen Mittel gegen Erkältungen haben mit Wärme im und um den Hals zu tun - vom heißen Getränk über den dicken Schal bis zur Rotlichtbestrahlung des Gesichts. Gegen eine nahende Erkältung hilft offenbar das Inhalieren heißer Luft. Die Hausmittel erwärmen den Hals jedoch nur schwach und kleine Inhalationsgeräte liefern nicht die vier Liter Luft, die für eine tiefe Einatmung notwendig sind. In der Sauna dagegen besteht jeder Atemzug komplett aus 90 Grad heißer Luft. Ein Saunagang hat nur einen entscheidenden Nachteil. Er belastet den Kreislauf; wer kränkelt, sollte ihn vermeiden.
Sobald ich schwitze, muss ich raus
Hier kommt nun die "Angezogen-Sauna" zum Einsatz: Der dicke Mantel schützt eine Zeitlang gegen die Hitze, und sobald ich zu schwitzen beginne, sollte ich die Sauna verlassen. Ich kann also für einige Minuten heiße Luft inhalieren, ohne meinen Kreislauf zu belasten. Gedacht ist der angezogene Saunagang für Menschen, die merken, dass eine Erkältung naht. Wenn sie bereits da ist, ist es eh zu spät. Soweit der Ansatz Reinhard Wiesemanns.
"Spannend" findet die Idee auch Claudia Witt, Professorin der Berliner Charite . Sie und ihre Forschergruppe beschäftigen sich im Rahmen einer Stiftungsprofessur für Komplementärmedizin mit alternativen Heilmethoden. Und so läuft zurzeit in Berlin eine Studie über die "Angezogen-Sauna" unter dem Titel: "Wirksamkeit lokaler Anwendung von heißer Luft bei akuten Infekten der oberen Atemwege". Wiesemann hatte in Berlin angefragt und dort bestand Interesse. Was man dazusagen muss: Die Umsetzung der Studie drohte zunächst an Finanzproblemen zu scheitern, eine Spende Wiesemanns machte sie dann doch möglich.
160 Patienten nehmen teil
160 Patienten sollen an der Studie teilnehmen. Um Placeboeffekte zu vermeiden, wird die eine Hälfte "richtige", 90 Grad heiße Saunaluft, die andere Raumluft einatmen - jeweils über eine Beatmungsmaske. Im Frühjahr soll die Studie abgeschlossen sein, spätestens im Sommer will man die Ergebnisse präsentieren. "Zwischenergebnisse liegen noch nicht vor, auch keine inoffiziellen", so Professorin Claudia Witt. Sie selbst hat die "Angezogen-Sauna" noch nicht getestet.
Die bisher einzige, öffentlich zugängliche "Angezogen-Sauna" Deutschlands gibt´s im Unperfekthaus an der Friedrich-Ebert-Straße. Sie hat etwa die Größe einer Telefonzelle und kann jeden Nachmittag ab 15 Uhr benutzt werden.
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