Das aktuelle Wetter Essen 24°C
Geschäftsidee

Hefeschmelz-Pizza und Hanf-Schuhe - Vegetarier und Veganer als neuer Markt

28.10.2012 | 11:15 Uhr
Hefeschmelz-Pizza und Hanf-Schuhe - Vegetarier und Veganer als neuer Markt
Papa Lufu bereitet in seinem Restaurant „Delicious“ in Essen-Holsterhausen traditionelle afrikanische Gerichte vegan zu.Foto: Sebastian Konopka

Essen.   Zwei Männer, zwei Branchen, eine Idee: Papa Lufu und Daniel Schmitz bedienen die vegetarische und vegane Kundschaft - der eine mit afrikanischen Gerichten in seinem Restaurant Delicious, der andere mit Jeans und Schuhen aus Hanf und Baumwolle. Beide Geschäfte laufen gut.

Gleich hinter der Theke stehen Pfanne und Topf auf den Kochplatten. Auf dem Regal reihen sich Hanfmehl, Kokosmilch und Mayonnaise ohne Ei aneinander. Zwischen Herd und Zutaten steht gut gelaunt Papa Lufu und kocht: Bohneneintopf in Erdnusssoße, Kochbananen oder Yamswurzeln. Die Gerichte stammen aus seiner Heimat, aus Guinea-Bissau an der westafrikanischen Küste. Dort hat er als Kind das Kochen von seiner Mutter gelernt.

„Wir haben uns von dem ernährt, was wir angebaut haben“, erzählt der 53-Jährige, der vegan aufwuchs, also völlig ohne tierische Produkte als Nahrung. Allerdings nicht als Ablehnung etwa der Massentierhaltung („diesen Grund habe ich erstmals in Deutschland gehört“), sondern ganz natürlich bedingt durch seine Kultur, sagt er. Denn in seiner Heimat-Region werden keine Tiere zum Schlachten gehalten. Diese Kultur hat nach Holsterhausen gebracht, wo er seit sechs Jahren in seinem Restaurant Delicious essen für seine Gäste kocht. Zu 99 Prozent vegan, sagt er. Denn fast alle Gerichte seiner Speisekarte sind vegan möglich. Ausnahme sind allein die Schupfnudeln mit Ei.

Pizza mit Hefeschmelz

Auf Papa Lufus Pizza landet neben selbst gemachter Soße Hefeschmelz statt Käse, in Papa Lufus Kuchen rührt der weder Milch, noch Eier, dafür Hanfmehl. „Alle Zutaten sind in Bioqualität“, sagt der Küchenchef. Mehr verrät er nicht, stattdessen können sich seine Gäste bei der Zubereitung einiges abgucken und ihm zuschauen. Ein Rezeptbuch gibt es ohnehin nicht. „Ich koche eher spirituell, mehr nach Gefühl.“

Auch privat lebte Papa Lufu lange Zeit vegan, bis das erste seiner drei Kinder geboren wurde. Die haben zwar noch nie Fleisch gegessen, aber es gibt nun wieder Milch und Käse zu Hause auf der Margarethenhöhe. Von da aus startet der Vater jeden Morgen mit dem Fahrrad samt Anhänger und Tochter darin Richtung Mülheim, um sie dort zur Waldorfschule zu bringen. Auch an ihrer Schule gibt es einige Kinder, die Vegetarier sind, sagt Sadjah (11), die Mittags nach dem Unterricht manchmal bei ihrem Vater vorbeischaut. Köchin möchte sie aber nicht werden, lieber Autorin oder Modedesignerin.

Ausbildung zum Koch

Ihr Vater hätte in Deutschland, wo er seit 1983 lebt, eine Ausbildung zum Koch machen können. Er entschied sich für ein Studium, wurde Diplom-Agrarwissenschaftler und wollte gern im Wald oder in der Landwirtschaft arbeiten. Als er dann aber nach dem Studium einen Job suchte, hat nebenbei gekocht und blieb dabei. Er eröffnete sein Restaurant, das er leidenschaftlich betreibt. Es kommen Gäste jeden Alters, sagt er. Veranstalter bestellen seine Speisen zum Beispiel für Termine in der Weststadthalle. Es kommen Stammkunden, die sich bei den garantiert veganen Getränken auch mal selbst bedienen, „damit ich nicht rennen muss“, sagt Papa Lufu lachend.

Alles läuft absolut harmonisch und wird untermalt von Reggae-Klängen, denn er sei nicht nur ein prima Koch, sondern auch ein guter DJ, schmunzelt Papa Lufu. Warum auch viele junge Gäste kommen, dafür hat er eine einfache Erklärung: „Papa Lufu kommt mit ihnen zurecht und sie mit mir.“ So wie Toni Heronski (19), der nach der Schule ein Yamswurzel-Gericht bestellt. Er isst seit zwei Jahren vegetarisch, größtenteils sogar vegan, sagt der Gymnasiast, dessen schwarzen Turnschuhe aus Kunstleder sind.

Hanf und Baumwolle

Mit Kleidern für Vegetarier und Veganer hat Daniel Schmitz einen Markt für sich entdeckt und damit eine weitere Branche neben der Gastronomie für diese Kundschaft: Der 35-jährige Vegetarier verkauft seit Juli Textilien in der Innenstadt, die in erster Linie fair gehandelt sind. Darunter ist aber auch die Jeans oder ein Paar Schuhe für den Veganer. Schmitz führte zunächst ein Geschäft in Bochum, hat mit dem Essener Standort nun seine zweite Filiale und zeigt sich begeistert: „Es läuft richtig gut.“ In seinem Sortiment: Jeanshosen, auf denen hinten kein lederndes Markenetikett haftet, erklärt Schmitz. Für das vegane Klientel hält er ebenfalls Schule aus Hanf und Baumwolle bereit, die zudem ohne Kleber verarbeitet sind. „Denn in dem stecken oft tierische Produkte“, erklärt er. Seine Kunden seien sowohl 75-jährige Damen, als auch 16-Jährige, deren ökologische Anschauung beispielsweise von Eltern aus der Hippie-Generation stammt.

Woher ihre Familie stammt, das will Papa Lufu seinen Kindern zeigen, wenn sie älter sind. Dann wollen sie gemeinsam nach Guinea-Bissau reisen und sehen, wo ihr Vater seine Kindheit verbracht hat, wo er kochen gelernt hat. Afrika trägt er ohnehin in seinem Herzen, ganz egal, wo sie wohnen, sagt Papa Lufu: „Da wo wir leben, ist Afrika.“

Dominika Sagan


Kommentare
Aus dem Ressort
EBE-Containerflotte holt am Sonntag wieder Sturmreste ab
Sturmfolgen
Die Container-Fahrzeuge der EBE rücken am Sonntag wieder in Essen aus, um die Berge an Baumbruch nach dem Sturm zu beseitigen. Besonders Wohnstraßen können so gezielt befreit werden. Anwohner werden gebeten am Sonntag ihre Autos umzuparken.
Aggressive Gruppen pöbeln in Essen gezielt gegen Feiernde
WM-Randale
Die Polizei lobt die friedlich feiernden Fans in Essen. Sie musste aber nach dem 7:1-Sensationssieg am Essener Hauptbahnhof erneut aggressive Provokateure bremsen: Schon wieder suchte eine große Gruppe von Männern mit Migrationshintergrund die Konfrontation mit Fans.
Essener operiert in Brasilien - Mesut Özil zahlt elf OPs
Brasilien
Der Essener Arzt Michael Sollmann operierte im brasilianischen Urwald Menschen, die sich sonst eine Operation nicht hätten leisten können. Während der Vorrundenspiele der deutschen Nationalmannschaft stand Sollmann meist im OP. Mesut Özil unterstützt das Projekt und finanzierte elf Operationen.
Ein Frei-Schnaps pro Tor – teurer Spaß für Brauhaus „Dampfe“
Essener Gastronom
Das Brauhaus „Dampfe“ in Essen-Borbeck spendiert bei seinem Public Viewing jedem Zuschauer für jedes deutsche Tor einen Schnaps. Das war beim 7:1-Sieg der Nationalmannschaft im Halbfinale gegen Brasilien ein teurer Spaß, ein feucht-fröhlicher für: 300 Gäste. Eine Mitarbeiterin berichtet.
Alter Bergbauschacht in Essen direkt unterm Wohnzimmer
Altbergbau
Im 18. Jahrhundert erlebte Essen die erste Blütezeit des Bergbaus. Weil die Flöze bis (fast) an die Tagesoberfläche reichten, entstanden südlich der heutigen A40 zahlreiche Zechen. Weil die Schächte oft schlecht verfüllt wurden, besteht die Gefahr von Tagesbrüchen. Nun wird saniert.
Umfrage
Auch Essen ist im WM-Fieber. Haben Sie vor oder während des Weltmeisterschaft in Essen schon Geld für schwarz-rot-goldene Fanartikel ausgegeben?

Auch Essen ist im WM-Fieber. Haben Sie vor oder während des Weltmeisterschaft in Essen schon Geld für schwarz-rot-goldene Fanartikel ausgegeben?

 
Fotos und Videos
Dauerregen in Essen
Bildgalerie
Wetter
Red Dot Awards
Bildgalerie
Design
Der Mechtenberg
Bildgalerie
100 Orte in Essen