Hausbesetzer mussten zahlen

Westviertel..  Es ging an diesem 28. Juli 2014 alles blitzschnell. 16 Männer und Frauen drangen früh morgens in ein schon lange leerstehendes Bürogebäude von Thyssen-Krupp an der Frohnhauser Straße ein und hissten bunte Fahnen: Besetzt aus Protest gegen die „Leerstandspolitik“ in der Stadt. Am Abend ging die Aktion friedlich zu Ende, die Besetzer verließen in Polizeibegleitung das Gelände.

Nun, ein halbes Jahr später, steht das Haus noch immer leer, und auch die Konten der Besetzer schrumpften wegen einiger Geldstrafen. „Zwischen 300 und 600 Euro mussten manche zahlen“, berichtet Shannon Lück aus dem Besetzerkreis. Doch vom Tisch ist das Thema damit noch lange nicht. Thyssen-Krupp zog die Anzeigen wegen Hausfriedensbruch nicht – wie gefordert – zurück, gegen einen der Besetzer wurde sogar Anklage erhoben, wie Oberstaatsanwältin Anette Milk mitteilt.

Für die „Kampagne Affe“, in der sich die Aktivisten zusammengeschlossen haben, war die Hausbesetzung kein Spaß. „Die Besetzung des Geländes auf dem Krupp-Hügel an der Frohnhauser Straße 95 war nicht symbolisch gemeint. Das Gelände wurde besetzt, weil es sich ideal für eine kulturelle Nutzung eignet. Die Forderung, das Gelände für eine kulturelle Nutzung zu öffnen, steht“, hieß es im Herbst in einem Flugblatt, das während einer Demonstration vor der Thyssen-Krupp-Zentrale verteilt wurde.

Auf sich aufmerksam machte die Gruppe auch bei der Eröffnung der neuen Straßenbahnlinie 109 mit einem musikalisch-fröhlichen Spaziergang über den Boulevard.

Das Unternehmen ist allerdings auch nicht untätig geblieben. „ThyssenKrupp war zur Nutzung des Geländes immer wieder mit unterschiedlichen Akteuren (Stadt, Unternehmen, Vereine o.ä.) zu einer wirtschaftlich sinnvollen Zwischennutzung in Kontakt. Daraus hatte sich bis dato keine wirtschaftlich sinnvolle Nutzung ergeben“, teilt Unternehmenssprecherin Heike Neumeister mit. Dabei dürfe nicht außer Acht gelassen werden, „dass hohe Kosten alleine dadurch entstehen, wenn leerstehende und baufällige Gebäude instandgesetzt werden. Da es keine richtige Zufahrt gibt, sind die Gebäude derzeit nur schwer zugänglich. Der baufällige Zustand macht es unmöglich, das Gebäude sicher und spontan zu nutzen. Daher kommt nur eine sehr eingeschränkte Nutzung in Frage.“

Das Gelände wird allerdings genutzt – von der Polizei. Für die ehemaligen Besetzer muss es wie Hohn klingen, dass das Grundstück Frohnhauser Straße 95 ausgerechnet als Übungsplatz für die Polizeihundestaffel dient. „Damit wurde eine sinnvolle, dem Gelände angemessene Nutzung gefunden“, resümiert die Unternehmenssprecherin.

Die Gegenseite hat den Krupp-Hügel allerdings auch nicht aus den Augen verloren. „Im Frühjahr werden wir sehen, wie es mit dem Weiterbau des Berthold-Beitz-Boulevards weitergeht“, kündigt Shannon Lück an. Die Forderung der „Kampagne Affe“ ist eindeutig: „Beitz-Boulevard stoppen – kein 3. Bauabschnitt – Kultur statt Asphalt!“