„Haus Ruhrblick“ in Kupferdreh hat geschlossen

Inhaber Wilhelm Haneke im Lokal mit einem Bild seines Großvaters.
Inhaber Wilhelm Haneke im Lokal mit einem Bild seines Großvaters.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Das beliebte Ausflugslokal „Haus Ruhrblick“ in Kupferdreh hat geschlossen. Der Familienbetrieblief über drei Generationen und hatte viele Stammgäste, besonders an den Wochenenden.

Essen-Kupferdreh.. Der Ausblick ist traumhaft. Im grün bewachsenen Tal glitzert die Ruhr etwas in den schwachen Sonnenstrahlen der Wintersonne. Links ragt die Villa Hügel empor, rechts ist gerade noch das Schalke-Stadion zu sehen. „Wir hatten immer eine schöne Zeit hier“, seufzt Wilhelm Haneke.

Der 68-Jährige steht am Fenster und genießt die weite Sicht. Über drei Generationen hat seine Familie die Gaststätte „Haus Ruhrblick“ geführt. Früher haben ganze Gesellschaften, Familien und verliebte Pärchen den besonders reizvollen Ausblick auf Essen genossen und die Räume mit Leben erfüllt. Von dem gesellschaftlichen Treiben ist nun nichts mehr zu sehen, nur zu erahnen. Das Restaurant hat seit November geschlossen.

Das Inventar wird abgegeben

„Wir können es aus Altersgründen nicht mehr weitermachen und wollten aufhören, bevor wir gesundheitlich gezwungen sind, es zu tun. Wir hatten eine sehr schöne Zeit hier und möchten es in guter Erinnerung behalten“, sagt Haneke. Das Inventar steht zum Verkauf, Herde und Töpfe in der Küche sind abholbereit zusammengestellt, auf den Esstischen liegen Kochbücher und polierte Kerzenhalter. „Die Einrichtung geben wir ab, vieles ist noch in einem guten Zustand. Das wäre zu schade“, erklärt er. Einige Vereine und Privatpersonen haben sich bereits gemeldet und wollen gern das ein oder andere für ihren Gebrauch übernehmen.

Obwohl die langen Räume weitgehend leergeräumt sind, die Erinnerungen bleiben für Wilhelm Haneke lebendig. 38 Jahre hat er im „Haus Ruhrblick“ gearbeitet. Seit 1976 hat er Stammgäste empfangen und große Feiern ausgerichtet. Geführt hat er das Haus, das vorher seine Tante geleitet hatte, zusammen mit seiner Frau. Auch die hat einen besonderen Bezug zum „Haus Ruhrblick“. „Sie war Studentin und hat hier nebenbei gearbeitet. Wir haben uns verliebt und anderthalb Jahre später geheiratet. Wir verbinden eine lange, glückliche Zeit mit dem Haus“, sagt Haneke und lächelt. Zusammen mit seiner Ursula und zwei Kindern, die heute längst erwachsen sind und beruflich völlig andere Wege eingeschlagen haben, hat er in der Wohnung über dem Restaurant gewohnt.

Außenanlage über 5300 Quadratmeter

Das „Haus Ruhrblick“, das sich insgesamt mit Außenanlage über 5300 Quadratmeter erstreckt, hat viel gesehen. Erbaut worden ist es von Hanekes Großvater. „Das war im Jahr 1928. Im Jahre 1929 ist es eröffnet worden“, weiß er und zeigt auf ein altes Schwarz-Weiß-Foto, das noch an einer Wand lehnt. Es zeigt die Außenansicht des fertigen Hauses, die sich kaum von der heutigen unterscheidet. „Mein Opa hat vorher auf der Zeche Adler gearbeitet und dann beschlossen, lieber auf dem Berg als unter dem Berg zu arbeiten“, berichtet er. Anders jedoch, das ist ganz deutlich auf dem Bild zu erkennen, ist die Hangbewaldung.

Wo heute Bäume wachsen, war früher ein Volkspark angelegt. Aber nicht immer hat das Haus nur friedliche Zeiten gesehen. 1955 sei es nach frischer Renovierung ausgebrannt, aus bis heute ungeklärten Gründen. An einen Überfall mit Schuss und Diebstahl kann sich Haneke selbst noch gut erinnern. „An einem Herbstabend Mitte der Fünfzigerjahre haben zwei ungemütliche Besucher für Aufregung gesorgt. Nach einem Warnschuss in die Decke ist einer der Diebe von Tisch zu Tisch gegangen und hat die Portemonnaies der Gäste eingesammelt. Obwohl die Räuber bei der Flucht eine Autopanne hatten, konnten sie erst Wochen später gefasst werden.“

Überfall mit Schuss und Diebstahl

Gelebt hat die Familie Haneke in all den Jahren hauptsächlich von der Stammkundschaft. „Laufkundschaft kommt nicht vorbei, man muss mit dem Auto herkommen, selbst mit öffentlichen Verkehrsmitteln muss man von der nächsten Haltestelle zwanzig Minuten zu Fuß laufen“, erklärt er. Gerade am Wochenende sei es meist voll gewesen. 130 Gäste haben in der guten Stube Platz gefunden. „Gerade sonntags hat man sich schick gemacht und ist Essen gegangen. Früher war das noch mehr als heute ein gesellschaftliches Ereignis, ein besonderer Ausflug“, sagt Haneke.

Dann hatten die drei Köche in der Küche alle Hände voll zu tun. Vor allem mit hausgemachten Torten und einer frischen, heimischen Küche habe sich das Haus einen Namen gemacht. Bei Gästen überaus beliebt und traditionell sei zudem der Reibekuchentag, jeden Donnerstagabend, mit Beilagen wie Räucherlachs, gebratenem Zander oder Rübenkraut gewesen. Doch das ist nun alles Geschichte, auch wenn Haneke noch auf eine Fortsetzung hofft.