Hauptstadt der Bedenkenträger

Kein Fest ab Windstärke 6. Nur durch Zufall erfuhren Veranstalter von Festen - vielfach Vereine - von der neuen, massiven Einschränkung bei den behördlichen Genehmigungen. Nachdem man schon dafür gesorgt hat, dass Einzelpersonen die volle Haftung für Feste übernehmen müssen, macht man damit ganz bewusst Veranstaltungen nur noch möglich, wenn jemand heldenhaft Absageverluste oder Haftungsrisiken auf sich nimmt. Der Nichtjurist fragt sich da, wie die Behörden bei ihrer Risikoeinschätzung den Straßenverkehr verantworten können. Wenn es nach der tatsächlichen Gefährdung ginge, müssten entweder die Straßen gesperrt oder die Feste erlaubt werden.

Es ist jedenfalls so, dass die Stadtverwaltung ihre Aufgabe nicht darin sieht, Feste als Teil des Gemeinwesens und der Tradition möglich zu machen, sondern darin, Verantwortung von sich auf engagierte Bürger zu lenken. Übrigens ganz an der ahnungslosen Politik vorbei. Wollen wir das? Eine Stadt ohne Feste, aber ein Straßenverkehr, der das ganze Jahr, auch bei Windstärke 9, unter diesen Bäumen stattfindet? Es findet - wie so oft - keine Abwägung statt. Umfragen in Nachbarstädten, die auch von Ela betroffen sind, haben übrigens gezeigt, dass es wieder nur die Stadt Essen ist, die derartige Auflagen macht. Essen entwickelt sich mehr und mehr zur Hauptstadt der Bedenkenträger.