Hauptschüler kämpfen gegen schlechten Ruf
15.09.2010 | 18:46 Uhr 2010-09-15T18:46:00+0200
Essen.Nach Schließung der durch einen TV-Bericht als „Horror-Schule“ gebrandmarkten Hauptschule Karnap kamen 80 Kinder und elf Lehrer an die Wächtlerschule. Dort blieb es allen Befürchtungen zum Trotz bislang ruhig.
Roswitha Tschüter möchte am liebsten nichts mehr mit den Medien zu tun haben. Der ehemaligen Leiterin der Hauptschule Karnap – den meisten Menschen inzwischen als „Horror-Schule“ ein Begriff – sitzt der Schreck über die Fernsehsendung (s. Kasten) und der anschließende Spießrutenlauf durch die Boulevardpresse noch immer in den Knochen. „Das ist einfach lächerlich und ärgerlich zugleich“, sagt sie. Denn so schlimm wie in dem TV-Beitrag dargestellt, sei es zu dem Zeitpunkt an ihrer Schule nicht gewesen. Bei zuletzt 135 Schülern habe es kein Konfliktpotential mehr gegeben. „In meinem ganzen Leben werde ich einem solchen Projekt nicht mehr zustimmen“, sagt Tschüter.
Rektorin will Stigma loswerden
Jetzt ist sie Rektorin an der Hauptschule Wächtlerstraße und versucht, das Stigma loszuwerden. Ihre Vorgängerin ist in Pension gegangen, und da die Hauptschule Karnap geschlossen wurde, hat sie die Gelegenheit beim Schopfe gepackt. Und elf Lehrer sowie 80 Schüler aus Karnap mitgenommen. Allen Befürchtungen – auch ihren eigenen – zum Trotz ist es bis jetzt an der neuen Schule ruhig. Es gebe keine Rangkämpfe zwischen Wächtler und Karnaper Schülern auf dem Schulhof. Aber Roswitha Tschüter hat auch nichts dem Zufall überlassen. Um den Zusammenschluss „vernünftig über die Bühne zu bringen“, wurden alle verfügbaren Institution an einen Tisch geholt: Die Evag (für eventuelle Rangeleien an Bus und Tram-Haltestellen), die Polizei, das Ordnungsamt, die Regionale Arbeitsstelle zur Föderung von Jugendlichen aus Zuwandererfamilien.
Roswitha Tschüter hat ihrer Ansicht nach nie eine faire Chance gehabt, in den Medien, die „ihre“ Karnaper Schule so arg gescholten haben, Stellung zu beziehen. Auch heute Abend, wenn nach der Wiederholung des Films diskutiert wird (WDR, 22.45 Uhr), wird sie wieder nicht dabei sein.
Auch einem speziellen Sozialtraining unterziehen sich die Schülerinnen und Schüler gerade. Ein Programm übrigens, so betont Roswitha Tschüter, das schon lange vor Ausstrahlung der Fernsehdokumentation stand. Und von der Firma „Perspektive Team“ veranstaltet wird.
Interaktionsübungen sollen die Teamarbeit fördern
Denise wackelt sich zaghaft über das gespannte Seil. Es ist nicht sehr hoch. Aber wer fällt, kann sich zumindest empfindlich wehtun. Das wird der 13-Jährigen ganz bestimmt nicht passieren, denn sie wird am Seil von vier Mitschülern gehalten. Interaktionsübungen dieser Art lassen sich ausschließlich in Teamarbeit bewerkstelligen. Nur wenn alle mit anpacken, kommt man waagerecht durch das Seilenetz, lassen sich Holzklötze an dünnen Drähten aufeinanderstellen.
„Die Kinder hatten am Anfang arge Probleme, im Team zu arbeiten“, sagt Katrin Kretschmer, Leiterin des „Perspektive Team“. Im Laufe der Zeit hätten sie aber begriffen, dass nur Kommunikation und Kooperation zum Ziel führen. „Und jetzt klappt es prima“, so Kretschmer. Neben dieser Geschicklichkeits-Trophy gibt’s noch Spiele zum Kennenlernen sowie ein „Stadtopoly“, also ein Monopoly in real. Und das im ständigen Wechsel für die Klassen 7, 8, 9 und 10. Die Jüngeren nehmen an einem Einführungstraining teil.
Sozialarbeiter Werner Hojenski lobt Hilfsbereitschaft und Motivation
„Die können das nicht schlechter als Gymnasiasten und sind en gros auch nicht sozialauffälliger“, erklärt Kretschmer. Wie machen sich die Karnaper Schüler? „Ich weiß gar nicht, wer von den Teilnehmern aus Karnap kommt“, meint die Teamleiterin, die auch Manager und Polizisten unterrichtet, mit ehrlicher Miene. Und macht Rektorin Tschüter damit das schönste Kompliment. Wie ihre beiden Schüler Alison (14) und Wolfgang (13) aus Afrika. Sie fühlen sich wohl an der Schule, mögen die Hilfsbereitschaft und Motivation der Mitschüler. Die im übrigen auch Sozialarbeiter Werner Hojenski allen bescheinigt: „Ich halte immer wieder meine Nase rein, die Stimmung ist momentan richtig gut. Extreme Troubleshooter sind gerade nicht unterwegs.“
Ute Burggraf ist Hauptschullehrerin mit Leib und Seele - seit 32 Jahren. Sie ist mit von Karnap ins Südostviertel gezogen. „Wir wurden nicht wie Eindringlinge behandelt, sondern mit offenen Armen empfangen.“ Ihrer Ansicht nach läuft zur Zeit wirklich alles harmonisch. „Ich fühl mich sehr wohl.“
10:03
... und allemann (Aleman) am Ballermann! Hihi.
Ich mache mir über laute Kinder auch keine Sorgen. Wir brauchen keine Duckmäuser und Leisetreter.
20:44
Ich lach mich Schlapp.... herrliches Beispiel.
Das gleiche sehe ich bei Schalke und BVB Fans....
13:56
Komisch. Ich wundere mich immer, wenn ab Düsseldorf die Eishockey-Fans mitfahren. Lautstarke Bekundungen ihrer Herkunft, andere Fahrgäste anpöbeln, dazu dann aber noch ne Pulle Bier und nen Döner auf der Faust.... Das sind komischerweise keine Migranten. Von daher kann der Pendler zw. den Welten ruhig davon ausgehen, dass Jugendliche, egal welcher Herkunft, gerne rumkrakeelen. Hat er selber mit Sicherheit auch getan, sofern er Freunde hatte.
10:14
Heute auf dem Weg zur Arbeit stürzte (im wahrsten Sinne des Wortes) in Wattenscheid-Höntrup eine Horde (in der Mehrzahl Migrantenkinder) Hauptschüler (die dies lauthals kund taten) in die S-Bahn S1 Richtung Bochum Hbf. Aufgrund dieser Wahrnehmung bleibt einem nichts anderes übrig, als sich Sorgen um die Zukunft dieses Landes zu machen. Wenn dies nur unsere realitätsfernen Politiker endlich zur Kenntnis nehmen würden. Aber die beschäftigen sich lieber mit Vorzeige-Integrierten. Entfernt vergleichbar wie damals Honecker, als er durch Potemkinsche Dörfer gefahren wurde.