Hauptsache, wir sprechen Deutsch

Mit dem Ziel, Negativschlagzeilen und Überfremdungsängsten ein Zeichen des Willkommens entgegenzusetzen, hatten Rahel Löwentraut und ich uns im Sommer im Löwental vorgestellt. So kam es dazu, dass wir zunächst in Eigenregie Spiele für die Kinder anboten.

Barbara Joosten vom Caritas-Verband war schnell auf unserer Seite und warb uns für ihre Hausaufgabenbetreuung an.In ganz Essen betreut sie die Unterkünfte in Obhut der Caritas. Darunter das Löwental, wo sie jeden Mittwoch Verfahrens- und Lebensberatung anbietet. Barbara Joosten weiß um die Probleme, Ängste und Sorgen – sie kennt ihre Klientel. Seit Anfang des Jahres ist in der Hausaufgabenbetreuung die Freiwillige Sarah Wehner dabei, die spielerisch einen Draht zu den Kindern aufgebaut hat. Mittlerweile haben sich schon drei Kommilitonen angeschlossen, so dass wir nun an zwei Tagen in der Woche Hausaufgabenbetreuung anbieten können. Hilfe benötigen nicht immer alle Kinder. Daher bringen wir Ideen für Spiele, Lieder und zum Basteln mit. Die Hauptsache ist: Wir sprechen Deutsch!

Kinder können zwischen Helfern und Eltern dolmetschen

Was einen anfangs noch stutzig macht, ist auf den zweiten Blick ganz logisch: Die Kinder der Asylbewerber sprechen in fast allen Fällen gut Deutsch - bei weitem besser als ihre Eltern. Diese Kinder sind ohne Weiteres in der Lage, zwischen ihren Eltern und uns zu dolmetschen. Die praktische Sprachkenntnis, die viele Kinder in ihrem Schulalltag erwerben, ist zwar bemerkenswert. Auf der anderen Seite fehlt es – und wie sollte es auch anders sein – an Wortschatz, an Leseerfahrung und an der notwendigen Literatur. Das Lesen und Schreiben stellt für die Schulkinder immer noch das allergrößte Hindernis in ihrer eigenen Schullaufbahn dar. Nicht in allen Fällen sind die Eltern selbst alphabetisiert, und bei keinem der Kinder ist eine Unterstützung im Lesen lernen - auf Deutsch - durch ihre Eltern möglich.