Hauptsache grün

Je kleiner der Rasen im eigenen Garten, umso pingeliger wird der Reihenhaus-Besitzer. Als würde es sich um einen Teppich im Wohnzimmer handeln, wo ein paar störende Fusel drauf liegen.

Und jetzt: Ausgerechnet der neue Rollrasen? Für den habe ich mir beim Verlegen so den Rücken krumm gemacht. Nur ein paar Wochen war ich von zu Hause weg, schon hat der ach so sattgrüne Rasen hässliche braune Flecken.

Vielleicht sind da Maulwürfe, mutmaßt die Frau. Aber dann hätte man ja auch ein paar kleine Hügelchen sehen müssen. „Du hättest den Rollrasen eben nicht auf dem alten Rasen verlegen sollen“, sagt sie nun etwas vorwurfsvoll – und erntet gleich vernichtende Blicke von mir. „Soll ich etwa auch noch den Garten umgraben? Dann kriege ich ja gleich einen Hexenschuss.“

Und überhaupt. Den ollen Parkplatz vor der Haustür hatte ich früher auch mit Rollrasen verschönert. Einfach rauf auf den Beton – fertig. Zwar glaubte kein Nachbar, dass da etwas sprießt. Aber der Parkplatz blieb grün – meistens .

„Hast Du denn immer gegossen?“, frage ich schließlich kritisch zurück. Meine Frau nickt. „Ja, klar...“, „eigentlich regelmäßig...“, „na ja, vielleicht nicht immer...“, „aber manchmal...“, „irgendwann...“

Um Gottes willen.

Jetzt läuft der Rasensprenger jeden Tag stundenlang. Schocktherapie. Vielleicht wird’s ja noch was...

Und wenn nicht?

Tja – wir haben im Frühling einen Kunstrasen für die Terrasse gekauft. Der bleibt fleckenfrei. Und Wasser braucht er nicht. Den könnte ich ja rauflegen – auf den Rollrasen. Hauptsache grün.