Hahneschlacht tobt seit 154 Jahren in Essen-Frohnhausen

Abwechselnd können sich die Königs-Aspiranten bei der KG Hahnekopp mit dem Holzschwert versuchen. Die traditionelle „Hahneschlacht“ findet mittlerweile im Innenhof von St. Elisabeth statt.
Abwechselnd können sich die Königs-Aspiranten bei der KG Hahnekopp mit dem Holzschwert versuchen. Die traditionelle „Hahneschlacht“ findet mittlerweile im Innenhof von St. Elisabeth statt.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Frohnhauser KG Hahnekopp ist die älteste und eine der traditionsreichsten Karnevalsgesellschaften der Stadt. Der Hahn ist aber längst aus Leder.

Essen.. Es muss ein gutes Bier gewesen sein, das rund um das Jahr 1862 in Frohnhausen gebraut wurde. So gut, dass die Bauern und Handwerker regelmäßig ihren Zapfenstreich verpassten und sich heimlich zurück zu den Ehefrauen schleichen mussten. Und hätte es nicht den stets wachsamen Gockelhahn gegeben, der die Heimkehrer regelmäßig „verpfiff“ und für ordentlich Zwist mit der besseren Hälfte gesorgt hatte, dann hätte es wohl auch nie die mittlerweile älteste Karnevalsgesellschaft der Stadt gegeben, die KG Hahnekopp 1862.

Rache am Federvieh

Heinz Dietz muss jedes Mal lachen, wenn er den Gründungsmythos erzählt. In seinen mittlerweile 61 Jahren Vereinszugehörigkeit hat er die Geschichte unzählige Male erzählt. Die ist zwar ziemlich blutig, ging es doch beim Schwur der Blaukittel – die traditionelle Bauerntracht – am Johannistag 1862 (24. Juni) um die jährliche schnöde Rache zum Rosenmontag. Doch auch wenn der Zeitgeist längst einen anderen Umgang mit dem Federvieh vorschreibt, als dem toten Tier mit einem Holzschwert den Kopf abzutrennen, so entbehrt der Beginn der Vereinschronik nicht einer gewissen Komik. Und sie ist die Geschichte eines Stammtisches, der zu einer der großen und traditionellen Essener Karnevalsgesellschaften wurde.

„Im Grunde haben wir fast alle Traditionen erhalten“, berichtet Dietz, der 20 Jahre lang Vorsitzender der „Hahneköpper“ war und seine dritte und letzte Königskrone 1985 weitergegeben hat. Nur der Hahn selbst, der ist seit 2005 eine Attrappe. Doch das Vorstellen des „Hahns“ bei einem Marsch durch den Stadtteil, der feierliche Umzug durch Frohnhausen am Sonntag, eine Woche vor Rosenmontag, mit dem anschließenden Spektakel der „Hahneschlacht“ sind noch so wie vor 154 Jahren. Schon damals wurden zunächst Würste und Süßigkeiten an den bereitstehenden Galgen gehängt und abgegriffen, bevor immer zwei Kontrahenten mit Holzschwert abwechselnd von einer sich drehenden Leiter aus den Lederhahn versuchen zu „köppen“.

Ohne liebgewonnene Traditionen kein Brauchtum, so ist es auch in Frohnhausen. Doch ohne Fortschritt auch keine Zukunft. Den hart umkämpften Prozess, den ehemaligen Männerclub auch für die Damen zu öffnen, den hat Dietz Ende der 1950er Jahre miterlebt. Fortschritt und Brauchtum sind eben nicht die engsten Freunde.

Wengier Freiwillige

Doch das ist längst passé. Mittlerweile ist die KG, die seit den 1950er Jahren regelmäßig mit eigenem Wagen am Essener Karnevalszug teilnimmt, ein Verein für die ganze Familie. „Das Familiäre hat mich über die ganzen Jahre im Verein gehalten“, erzählt Dietz. Die Tanzgarde „Ruhrnixen“ sorgt regelmäßig für frisches Blut und neue Mitglieder. So kam auch der heutige Präsident Rüdiger Feuersenger zu den „Hahneköppern“.

„Wäre meine Tochter nicht eingestiegen, wäre ich wahrscheinlich hier nie gelandet“, erzählt der Mann, der bei verschiedenen Gelegenheiten wie dem Frohnhauser Mai ordentlich die Werbetrommel für den Verein rührt. Denn dass es immer schwieriger wird, Freiwillige für Vereinsarbeit zu gewinnen und die immer höheren Kosten zu schultern, das ist in Frohnhausen auch nicht anders als im Rest der Stadt. Gründungsmythos hin oder her.