Hacker legen Essener Selbsthilfe-Zentrale "Wiese" lahm

Offen bleibt die Frage: Wer hat etwas davon, die Seite der „Wiese“ zu hacken?
Offen bleibt die Frage: Wer hat etwas davon, die Seite der „Wiese“ zu hacken?
Foto: Getty Images/iStockphoto
Was wir bereits wissen
Unbekannte Hacker zerstören Internet-Seite des Vereins „Wiese“, der die Arbeit von rund 600 Selbsthilfe-Gruppen in Essen koordiniert.

Essen.. Wenn eine Institution heute keine eigene Seite im Internet hat, dann kann sie eigentlich nicht mehr arbeiten – diese schmerzliche Erfahrung macht derzeit der Verein „Wiese“. Die Selbsthilfe-Beratung, unter deren Dach sich in Essen und Umgebung rund 600 Selbsthilfegruppen versammeln, ist seit Dezember nicht mehr im Internet vertreten. Unbekannte haben die Homepage „gehackt“, wie es so schön heißt. Zerstört. „Plötzlich“, berichtet „Wiese“-Mitarbeiterin Michaela Weber, „war die Seite einfach weg.“

Bis dahin galt: Wer sich in Essen auf die Suche nach einer Selbsthilfegruppe begibt, landet auf der „Wiese“-Seite. Rund 80.000 Zugriffe jährlich verzeichnet die Homepage des Vereins, ist seit vielen Jahren erste Anlaufstelle für Bürger. „Das Internet“, sagt Gabriele Becker von „Wiese“, „ist wie gemacht für Leute, die nach Hilfe suchen. Der Schutz der Anonymität hilft.“ Auf ihrer Seite betreibt die „Wiese“ regulär eine Datenbank, in der rund 250 Selbsthilfegruppen verzeichnet sind.

Die Wiese braucht eine Spende

Die Arbeit der „Wiese“, die mit drei Teilzeit-Stellen in einem Büro am Pferdemarkt in der nördlichen Innenstadt auskommt, ist mehrfach ausgezeichnet worden und gilt als einzigartig in der Region. Der Verein wird finanziell unterstützt von Stadt, Land, Krankenkassen und ist regelmäßig auf Spenden angewiesen. Die Homepage war auch dazu da, um auf eigene Veranstaltungen hinzuweisen – alle zwei Jahre zum Beispiel prämiert die „Wiese“ mehrere Gruppen mit dem „Essener Selbsthilfepreis“. Eine Aktion, die nicht nur von der Stadtspitze mit höchstem Wohlwollen begleitet wird. Trotzdem braucht die „Wiese“ jetzt eine Spende, um ihre Seite wieder flott zu machen: Die Sparda-Bank springt ein mit 2000 Euro. Davon wird die Arbeit eines Experten bezahlt, der die Seite wieder aufbaut – und künftig sicherer macht gegen Angriffe. „Die Arbeit der Wiese passt gut zu unserem Selbstverständnis“, sagt Sparda-Vertriebsleiter Stefan Dunkel. „Als Genossenschaftsbank schätzen wir den Gemeinschaftsgedanken, den auch die Arbeit der Selbsthilfe prägt.“

Als einzige Online-Präsenz ist derzeit der Facebook-Account der „Wiese“ vertreten: „Doch das schreckt viele ab“, sagt Gabriele Becker. So erreichen viele verunsicherte und suchende Bürger die „Wiese“ derzeit nur telefonisch oder per E-Mail, was derzeit zu erheblicher Mehrbelastung führt. In einigen Wochen, versprechen die „Wiese“-Macher, soll die Internet-Seite unter der Adresse „www.wiesenetz.ruhr“ wieder funktionieren. Von einer Anzeige bei der Polizei hat „Wiese“ übrigens abgesehen: Aufwand und Ertrag, glaubt man, stünden in keinem Verhältnis.