Gymnasiast Theo wünscht sich Bildung für alle

Theo List, der 13 Jahre alte Gymnasiast.
Theo List, der 13 Jahre alte Gymnasiast.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Hilfseinsatz eines Essener Vereins auf den Philippinen. Mit dabei: ein Kinderarzt aus der Ruhrallee und ein 13 Jahre alter Gymnasiast.

Essen.. Sich um arme Menschen in den Philippinen und Indien kümmern, ihnen den Schulbesuch ermöglichen und medizinische Hilfe geben – das sind die noblen Ziele des karitativen Essener Vereins „Chance for Growth“. Eine Unterstützung, die nicht nur anonym per Spendenscheck abgewickelt wird, sondern auch durch persönlichen Einsatz vor Ort. Zehn Tage lang dauerte der jüngste Hilfseinsatz, der die Aktivisten aus dem Ruhrgebiet von der Hauptstadt Manila auf die entlegene Insel „Isla Verde“ führte.

Für den Essener Sven Volkmuth (40), einen Kindarzt aus der Ruhrallee, war es schon der sechste Hilfseinsatz. Im Gepäck hatte er medizinisches Gerät und Arzneien. Binnen anderthalb Tagen behandelte er nahezu 180 Patienten. „Die Dankbarkeit und die Fröhlichkeit, die wir heute wieder erfahren habe, ließen die 10 Stunden Non-stop-Behandlung wie im Flug vergehen“, sagt der Essener Arzt, der auch beklemmende Erfahrungen nicht verschweigt. „Natürlich gab es auch traurige Momente, in denen wir nicht helfen konnten, weil wir unheilbare Behinderungen festgestellt haben.“

„Wenn die gestrahlt haben, war ich auch glücklich“

Zu den Frauen der ersten Stunde bei „Chance for Growth“ (2008 gegründet, 40 Mitglieder) zählt die Mülheimer Rechtsanwältin Sabine List, die ihren Sohn Theo, einen 13 Jahre alten Gymnasiasten, mitnehmen durfte. Sein Fazit: Es war eine tolle Zeit, „mit Eindrücken, die ich mir so nie hätte vorstellen können“. Theo List sah Familien, die unter freiem Himmel leben und nur ein Stück Pappe zum Schlafen haben, die ihre Kinder zum Betteln schicken und die sich aus Müllbeuteln eines Restaurants das Brauchbarste herausholen.

„Einmal“, so erzählt er, „habe ich einem Jungen 200 Peso gegeben“ - rund vier Euro. Da sei der Achtjährige mit einem Mal überglücklich durch die Gegend gehüpft. In Deutschland sind vier Euro zu wenig für eine Kinokarte, auf den Philippinen hingegen reicht das Geld eine Woche zum Leben. Theo war um eine Armutslektion reicher. Die Dankbarkeit, die ihm die Menschen entgegenbrachten, habe ihn sehr beeindruckt. „Wenn die gestrahlt haben, war ich auch glücklich“, sagt der 13-Jährige.

Hierzulande führen junge Menschen ein überwiegend sorgloses Leben mit Internet und iPad, die Gleichaltrigen drüben zwingt die Armut hingegen zum täglichen Überlebenskampf auf die Müllberge von Manila. Verstört hat Theo besonders das krasse Bildungsgefälle. Unbegreiflich ist für ihn, „dass so viele nette, kluge Kinder nicht in die Schule gehen können“. In Entwicklungsländern, so findet der Gymnasiast, dürfe Bildung nichts kosten.

„Ich dachte, die spielen da nur so ein bisschen."

Höhepunkt der Reise war für ihn das Treffen mit dem 16 Jahre alten Alsafa, für den die Familie List seit langem eine Patenschaft übernommen hat. Theo erfuhr, dass Alsafa bald aufs College gehen und sich auf Mechanik spezialisieren möchte.

Beim ersten Treffen wurde auch gespielt – zum Beispiel Basketball. Und da war wieder so ein Moment, den Theo sich aus der Ferne gänzlich anders vorgestellt hatte. „Ich dachte, die spielen da nur so ein bisschen. Aber die waren unglaublich gut, trainieren viel.“

Falls Alsafa ihn eines Tages mal im Ruhrgebiet besuchen sollte, weiß Theo schon jetzt, was er ihm zeigen wird: „Meine Schule und unsere ganz tolle Infrastruktur. Und Pommes mit Currywurst.“