Guter Auftakt trotz Knöllchen

Steele..  In Steele gehören die Marktschreier längst zum Establishment. „Wir sind schon zum 15. Mal hier“, verrät Achim Borgschulze, Chef der Gilde. „Und das hat natürlich gute Gründe.“ Nur von einer lieben Gewohnheit zu sprechen, würde dem Auftritt von Nudel-Dieter, Blumen-Rudi und ihren Kollegen ganz sicher nicht gerecht, denn Steele gilt bei den Händlern als begehrtes Pflaster, „weil jeder Auftritt anders ist“, wie Wurst-Achim aus Erfahrung weiß. Auch diesmal gab es Premieren – bei allen Beteiligten. Ein paar Beispiele gefällig?

Wettbewerb startet am Freitag

Käse-Alex, mit 18 Jahren der Jüngste in der Gilde, erlebte gleich bei seinem ersten Auftritt in Steele ein Wechselbad der Gefühle: „Der Auftakt war prima. Gleich morgens kamen eine Menge Stammkunden.“ Doch jetzt zur Mittagszeit hält sich die Laufkundschaft in überschaubaren Grenzen. „Nerven bewahren“, beruhigt Wurst-Achim, der Routinier. „Auch wenn das Geschäft mal etwas schlechter läuft, darfst du nie resignieren.“ Fast wie auf Kommando bildet sich vor seinem Wagen eine kleine Menschentraube. Und weil Achim gut drauf ist, stopft er einem Kunden die Plastiktüte so richtig voll: „Hier, nimm’ mit. Der Alfred hat von mir auch ein halbes Schwein gekriegt.“

Marktschreier, die echten zumindest, sind eben um keinem Kommentar verlegen. „Die Sprüche sind das Beste“, schwärmt Helga Meyer aus Katernberg. „Ich warte förmlich darauf, dass die sich gegenseitig hochnehmen.“ Deshalb will sie am heutigen Freitag unbedingt noch mal wiederkommen. „Dann werden die Stimmzettel für den Wettbewerb des besten Marktschreiers verteilt“, sagt Borgschulze. „Da geben alle Händler ihr Bestes.“ Absprachen sind beim Wettbewerb übrigens verpönt.

Kurzfristig die Sprache verschlagen hat es hingegen Patrick Berne. Mit seinem Gastro-Event-Service tingelt er schon seit mehr als 20 Jahren mit der Gilde um die Dörfer, verkauft Bratwurst vom Grill. „Die wollen seinen Wagen abschleppen“, hat ein Kunde dem Wurst-Achim gesteckt. Und richtig: In einer Seitenstraße hängt Patricks Transporter schon am Haken. Das Ordnungsamt verzichtet zwar aufs Abschleppen, doch berappen muss Patrick dennoch. „Das ist Lehrgeld“, sagt er zerknirscht, „und kommt auch anderswo vor“.

Dagegen ist Detlef Hülsmann bester Stimmung. Der Steelenser wohnt in Kettwig, ist mit seiner Clique mit dem Rad unterwegs: „Knapp 20 Kilometer eine Tour“, rechnet er vor. Jetzt gibt es erstmal einen Zwischenstopp. „Ein kleines Bierchen ist erlaubt“, sagt einer seiner Mitstreiter. Dass ihm in geselliger Runde das Portemonnaie aus der Hosentasche rutschte, merkt er erst, als ihn ein ehrlicher Finder auf die Schulter klopft. Der Einkauf ist also gerettet; erst am Sonntag ziehen die Marktschreier weiter.