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Gutachter rät Essen zu Theater-Fusionen

23.04.2010 | 10:23 Uhr
Gutachter rät Essen zu Theater-Fusionen

Essen.Das 110-Millionen-Euro-Sparpaket der Stadtspitze zieht für Oper, Philharmonie, Philharmoniker, Schauspiel und Ballett nach einer externen Analyse unabhängiger Berater drastische Folgen nach sich. Die Berater schlagen weit gehende Kooperationen mit Nachbarstädten vor.

Info
Hoher Fehlbetrag

Von 2005/06 bis 2007/08 schnellte der Gesamtaufwand der TuP um 5 Millionen, also knapp 10 Prozent nach oben - vor allem wegen Gästemusikern und Werbung. Damit erhöhte sich der Fehlbetrag auf 45,4 Millionen Euro. Daraufhin deckelte der Rat im März 2009 den städtischen Zuschuss auf 42,6 Millionen. Das Sparpaket senkt diesen Betrag nochmals auf 38 Millionen Euro (2012) ab.

„Um bis 2013 Einsparungen in der vorgesehenen Höhe realisieren zu können, wären voraussichtlich kurzfristig wesentliche Strukturveränderungen erforderlich“, notieren Fachleute der Essener Wirtschaftsprüfungsfirma „Märkische Revision“ in ihrem bisher unveröffentlichten Zwischenbericht an den Rat der Stadt.

Die Schließung einer ganzen Sparte erwähnen die Berater zwar nicht, schlagen aber weit gehende Kooperationen mit Nachbarstädten vor. Dabei sollen nicht nur gleiche Inszenierungen mal in der einen oder anderen Stadt aufgeführt werden, sondern die Städte sollen sich auf einen „gemeinsamen Betrieb gesamter Sparten einschließlich zugehörigem standortbezogenem Technikbetrieb“ einigen.

Lieber Stärken bündeln

Im Klartext: Gemeint könnte beispielsweise sein, dass Oberhausen Schauspiel für sich und Essen produziert; Essens Opernhaus und Philharmonie als zentraler Musiktempel für Mülheim, Oberhausen und Bochum fungiert, sowie Gelsenkirchen oder Dortmund mit einer Ballettsparte für alle Städte im zentralen Ruhrgebiet.

Dies böte die Chance, Stärken zu bündeln und bei reduziertem Gesamtbudget die Qualität des Angebots zu erhalten, schreiben die Experten. Ob an solchen weit gehenden Kooperationen Essen und die Nachbarkommunen überhaupt interessiert seien, sei bisher allerdings noch unklar.

Auf keinen Fall dürfe der Sparkurs aber die jetzt „exzellente Qualität“ des Kulturprogramms in Essen verringern, denn dann könnte man zur Ertragssteigerung keine „deutlichen Preiserhöhungen realisieren“, da diese nicht „am Markt gerechtfertigt“ werden könnten, meinen die Berater.

Mit anderen Worten: Werden die Eintrittspreise bei schlechter werdenden Konzerten und Opern erhöht, besteht die Gefahr des Zuschauer-Schwunds und der Verlust von Einnahmen. Um die Folgen von Preiserhöhungen abzuschätzen, soll Essen erst „Versuche“ machen.

Beim größten Kostenblock des Essener Kulturbetriebs „Theater und Philharmonie GmbH (TuP)“, dem Personal, also der Schauspieler, Musiker, Tänzer und Techniker, sind laut Bericht nur mittelfristig Einsparungen möglich: Bis 2012 scheiden aus Altersgründen nur 28 von 665 Mitarbeiter aus; nur noch die Hälfte dieser Stellen soll wieder besetzt werden. Bei den für Künstler üblichen Verträgen mit kurzer Laufzeit sei es möglich, diese auslaufen zu lassen.

Potenzial bei Opernstars

Die Ausgaben für den Personalstamm machen 70 Prozent der 60 Millionen Euro Gesamtaufwendungen der TuP aus, die die Stadt mit 43 Millionen Euro bezuschusst. Auch beim Engagement teurer Gäste, also Opernstars oder auswärtiger Orchestermusiker, sei noch Sparpotenzial vorhanden, so die Gutachter.

Nach Vorgaben des neuen Sparpakets muss die TuP in der Saison 2010/11 rund 4,4 Millionen Euro sparen. Davon seien erst 1,3 Millionen erreicht worden. Schon 2008/2009 hatte die TuP im Vergleich zur Vorsaison strukturell 2 Millionen Euro eingespart. Allerdings hatte man in den Jahren zuvor vor allem auch in der Philharmonie den Etat drastisch überzogen.

Selbst wenn die TuP den Kraftakt schaffen und die 4,4 Millionen dauerhaften Einsparungen für 2010/11 erreichen würde, ist dies nicht das Ende: Laut Sparpaket müsste die TuP 2011/12 noch einmal eine Million und 2012/13 nochmals 1,2 Millionen Euro netto sparen – und das bei stetig steigenden Löhnen. Daher halten die Gutachter eben „wesentliche Strukturveränderungen“ für unabänderlich.

Peter Szymaniak

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Kommentare
24.04.2010
17:56
Gutachter rät Essen zu Theater-Fusionen
von zahlenspiel | #6

nochmal mit Prozent!!

Artikel 18 Absatz 1 der Verfassung des Landes Nordrhein-Westfalen : Kultur, Kunst und Wissenschaft sind durch Land und Gemeinden zu pflegen und zu fördern.

Von den durchschnittlich 3Prozent für Kulturausgaben geben die großen Städte etwa ein Drittel für ihre Theater und Orchester aus. Das sind also 1Prozent der Etats. Wenn man also die Theaterförderung um 20 Prozent kürzte – was die meisten in die Insolvenz triebe – wäre der Spareffekt für den städtischen Haushalt bei 0,2Prozent - kein sehr wirkungsvoller Wert!

24.04.2010
17:54
Blockierter Kommentar.
von zahlenspiel | #5

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

24.04.2010
16:03
Gutachter rät Essen zu Theater-Fusionen
von ralfehrlich | #4

Die Gutachter geben sich die Klinke in die Hand , aber keiner hat den politischen Mut; etwa die herausragende freie Theater- und Kulturarbeit und deren Strukturen stärker nach vorne zustellen. Was hier für wenig Geld geleistet wird ist ernorm. Wir persönlichen gehen oft in der Ringlokschuppen nach Mülheim und finden spannendes freies Theater, engagierte Projekte und große Theaterereignisse, die wir ansonsten nur in Berlin oder Hamburg sehen können. Solche Häuser müssten gestärkt werden oder einfach die Stadttheater mitbespielen. Dann könnte man nicht nur Geld sparen, sondern sogar das Niveau heben. Die Gutachter verursachen nur Kosten und schaffen keine wirkliche Einsparung.

24.04.2010
00:39
Gutachter rät Essen zu Theater-Fusionen
von noro | #3

vernünftig. Da kann wirklich eine Menge gespart werden. Wenn andere Häuser im Aalto spielen ist das allenfalls eine Bereicherung

24.04.2010
00:28
Gutachter rät Essen zu Theater-Fusionen
von Besucher | #2

Diese Machart kennen wir doch alle aus der Industrie: da bekommt ein sogenannter unabhängiger Berater den Auftrag, Sparpotentiale auzuzeigen. Falls er das nicht macht, erfüllt er seinen Auftrag nicht. Also machen alle diese Unternehmensberater auf Biegen und Brechen einen Vorschlag, wie man viel Geld sparen kann. Der Auftraggeber ist dann auch erst einmal zufrieden. Hat er doch bekommen, wofür er teuer bezahlt hat. Außerdem hat er etwas zum vorzeigen und kann vertuschen, dass er sebst unfähig oder nicht willens ist, sich mit der Materie qualifiziert zu beschäftigen.

Spätestens bei den ersten Realisierungsversuchen stellt sich dann heraus, dass die Vorschläge allenfalls noch gut für die Altpapiersammlung waren.

Unzähligen Beschäftigten des untersuchten Bereiches wird elementar geschadet, ihre Existenz gefährdet und ihre Motivation zerstört. Alle Beschäftigten, die in ihrer Firma Unternehmensberater durchlitten haben, werden dies bestätigen.

So wird es auch hier sein. Kenner der Materie werden sofort erkennen, was hier für ein Mist verblasen wird. Die Sparpotentiale mögen sich ja gut anhören, realistisch wird hier von Spartenschließungen in erheblichem Umfang gesprochen. Eine Verarmung der kulturellen Landschaft wird nicht nur hingenommen, sondern hiermit gezielt angestrebt. Wer etwas anderes behauptet lügt.

23.04.2010
23:35
Gutachter rät Essen zu Theater-Fusionen
von trickflyer | #1

dafür braucht man kein gutachten.mit gesundem menschenverstand kommt man von alleine drauf.aber,halt...ich vergas bei der stadt ticken uhren anders.wie man immer und immer wieder sieht.

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