Gut fürs Geschäft

Hoher Besuch beim Essener Bürgermeister: Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft mit Nishnij Nowgorod, reiste eine Delegation von Russland in die Ruhrstadt.
Hoher Besuch beim Essener Bürgermeister: Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft mit Nishnij Nowgorod, reiste eine Delegation von Russland in die Ruhrstadt.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Stadtrat hat beschlossen, Zabrze und Changzhou zu offiziellen Partnerstädten zu benennen. Essen erhofft sich dadurch Fördergelder und Aufträge für die Wirtschaft.

Essen.. Beziehungen sind immer schwierig zu erklären. Manche Menschen heiraten aus Liebe, andere dagegen nur wegen des Geldes. Ganz ähnlich scheint es sich auch mit den zwei neuen Partnerstädten zu verhalten, über die der Essener Stadtrat am Mittwoch abgestimmt hat. Das polnische Zabrze ist für viele Essener wie eine alte Freundin. Die beiden Städte verbindet eine mehr als 60 Jahre währende Patenschaft. Gerade für die CDU war die Wahl Zabrzes eine Herzenssache, wie Ratsherr Dirk Kalweit betont.

Das chinesische Changhzou wurde dagegen in einem langwierigen Auswahlverfahren bestimmt – offensichtlich stimmten hier die Kriterien für eine formelle Bindung.

Städtepartnerschaften sind seit einiger Zeit wieder in Mode. Doch anders als in den 1950er und 1960er Jahren dienen die diplomatischen Abkommen heutzutage weniger der Völkerverständigung. Die Kooperationen haben vor allem wirtschaftliche Gründe, was man etwa daran erkennt, dass Thyssen-Krupp ausgerechnet in Changzhou 40 Millionen Euro in eine neue Fabrik investierte und 200 Jobs schuf. Zwar gehe es in erster Linie darum, dass „Markus und Michelle, John und Hanne, Tatjana und Thomas einander kennenlernen“, so das Rathaus. Doch „böse“ sei man „natürlich nicht über das ein oder andere bilaterale Geschäft.“

Wie sehr sich Sinn und Zweck solcher Partnerschaften gewandelt haben, lässt sich auch an den Zuständigkeiten innerhalb der Verwaltung ablesen. Michael Theisen, unter dessen E-Mails derzeit noch „Repräsentationsangelegenheiten“ steht, wird in Kürze in „die neue Stabsstelle Internationale Beziehungen“ wechseln. Eine ihrer Aufgaben lautet, „Essen zum bevorzugten Standort für chinesische Investoren“ zu machen, heißt es bei der Stadt.

Alles kein Zufall

Tatsächlich gibt es gerade in China ein großes Interesse an einer Zusammenarbeit mit deutschen Städten. Michael Theisen erhält regelmäßig Anfragen aus dem Reich der Mitte. Vor einigen Wochen fragten Zhongshan und Guiyang wegen einer Kooperation an. Umgekehrt investiert das Land NRW bereits seit 1984 in die Wirtschaftsbeziehungen mit der Provinz Jiangsu, in der sich – kein Zufall – auch die neue Partnerstadt Changzhou befindet.

Oftmals sind die Städtekooperationen auch Voraussetzung für den Zugriff auf staatliche Fördergelder. Das Budget der Stadt Essen für „Interkommunale Beziehungen“ liegt gerade mal bei 18.000 Euro im Jahr. „Davon werden vor allem Delegationsreisen bezahlt“, erklärt Michael Theisen. Mit der Summe allein kommt man freilich nicht weit. Das NRW-Wirtschaftsministerium verwaltet aber immerhin 30 Millionen Euro, die den Kommunen an Rhein und Ruhr grundsätzlich für Entwicklungsprojekte mit ihren Partnerstädten zur Verfügung stehen. Die Europäische Union hat weitere drei Millionen für strategische Partnerschaften mit China bereitgestellt.

In den Ratspapieren steht daher auch: „Die Partnerschaft ist von beiden Seiten auf die Unterstützung durch Fördermittel Dritter angelegt.“ In einem Fall gibt es bereits erste Erfolge zu verkünden: Die Stiftung Mercator unterstützt die Kooperation zwischen Essen und Changzhou mit 420.000 Euro. Vor allem die Universität Duisburg-Essen soll davon profitieren. Duisburgs Partnerstadt Wuhan spendierte der Hochschule im Jahr 2009 bereits das „Konfuzius-Institut“.