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01.10.2008 | 17:18 Uhr

Zahl der Studien-Absolventen an der Universität Duisburg-essen stieg auf 29 Prozent. Viele kreative Projekte locken junge Leute ins Studium. Doch es gibt viele Aufgaben, um zukünftig im internationalen Wettbewerb zu bestehen.

Interview: Vor kurzem brachte die OECD ihre Studie „Bildung auf einen Blick” mit international vergleichbaren Bildungs-statistiken heraus. Die Ergebnisse zeigen, dass die Zahl der Akademiker zu langsam steigt, es an Ingenieuren und Naturwissenschaftlern fehlt und für die Bildung zu wenig Geld bereit steht. Insgesamt stellt die OECD Deutschland ein schlechtes Zeugnis aus. Im WAZ-Gespräch nimmt Professor Dr. Franz Bosbach, Prorektor für Studium & Lehre der Universität Duisburg-Essen, Stellung zum Thema.

Die Anzahl der Studien-Absolventen wuchs in den OECD-Ländern von 2000 bis 2006 von 28 auf 37 Prozent und damit schneller und auf höherem Niveau als in Deutschland. Hier gab's nur eine Steigerung von 18 auf 21 Prozent. Wie ist  die Situation an der UDE?Die Anzahl der Studien-Absolventen an der UDE wuchs von 2000 bis 2007 auf 29 Prozent - bei insgesamt sinkenden Studierendenzahlen - eine deutlich positive Tendenz. Dass die UDE in der Beliebtheitsskala der künftigen Studierenden nach wie vor hoch im Kurs steht, zeigen die hohen Bewerberzahlen auf Studienplätze in zulassungsbeschränkten Fächern.

Bezüglich der Abbrecherquoten steht Deutschland mit 23 Prozent im internationalen Vergleich relativ gut da. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 31 Prozent. Wie hoch sind die Abbrecherquoten an der UDE? Gemäß der 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks 2006 sind an den Ruhrgebietsuniversitäten überdurchschnittlich hohe Studienabbrecherquoten, Abwanderungsquoten und Studiengangswechsel- sowie Unterbrecherquoten aus höheren Semestern festzustellen.

Laut OECD zieht es immer weniger Studenten ins Studium. Was macht die UDE, um diesem  Trend entgegen zu wirkeln?Die UDE bietet zahlreiche Maßnahmen und Programme. Erfolgreich ist beispielsweise der Schülerinfo-Tag mit über 100 Veranstaltungen auf beiden Campi und das Schülerstudium.

Bremst sich Deutschland durch Studiengebühren, die Unübersichtigkeit bei der Zulassung und massive Zulassungsbeschränkungen im internationalen Vergleich aus?Im internationalen Vergleich steht Deutschland derzeit nicht schlecht da. Die Gegebenheiten könnten allerdings verbessert werden. Die genannten drei Hemmnisse sind aber eine echte Hürde für Studienwillige mit nicht-akademischem Background.

Laut Studie entscheidet weiterhin die Herkunft über den Lebensweg. Nur 16 Prozent der Studenten kommen aus Arbeiterfamilien. Durch ihre Lage mitten im Ruhrgebiet spielte diese Problematik für die UDE immer schon eine besondere Rolle...Der Anteil der Kinder aus Arbeiterfamilien ist hier besonders hoch und die UDE sieht es als ihre besondere Aufgabe an, diese Studierende an den universitären Bildungschancen voll partizipieren zu lassen. Die Studieneingangsphase soll  künftig verstärkt im Sinne der „Chancengerechtigkeit” als Orientierungsstufe ausgestaltet werden und auf die besonderen Bedingungen des Ruhrgebietes antworten.

Der Nachwuchs in den ingenieur- und naturwissenschaftlichen Fächern fehlt. Wie lockt die UDE Studenten in diese Fächer?Es ist richtig, dass besonderer Handlungsbedarf in den so genannten MINT-Fächern (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) besteht. Das neue Rektorat wird jetzt Ziel- und Leistungsvereinbarungen mit allen Fächern abschließen. Schon jetzt gibt es viele sehr  kreativer Ideen und Maßnahmen, für die Fächer zu werben wie beispielsweise das Projekt „freestyle-physics” und die „ Sommeruniversität für junge Frauen”.

Worin liegen für die UDE die vorrangigen Aufgaben, um im internationalen Vergleich mithalten zu können?Die Attraktivität der UDE soll - mit Blick auf die Exzellenzinitiative - mit kreativen und interessanten Studienangeboten gesteigert werden. Dazu gehört der weitere Aus- und Aufbau von Forschungsstärken und eine entsprechende (Weiter-)Entwicklung wissenschafts- und forschungsbasierter Lehre sowie intensive Bemühungen um Prozessqualität in den Studiengängen.

Info: Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veröffentlich einmal jährlich ihren Bericht "Bildung auf einen Blick" und zieht damit eine internationale Bilanz zum Thema Bildung.

Andrea KLEEMANN

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