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Neubebauung

Gummertstraße - Bürger wollen sich nicht vertreiben lassen

05.08.2012 | 17:21 Uhr
Gummertstraße - Bürger wollen sich nicht vertreiben lassen
Bürger und Politiker diskutierten am WAZ-Mobil die Bebauungspläne an der Gummertstraße. Zehn Häuser sind dadurch vom Abriss bedroht. Foto: Ulrich von Born

Essen-Rüttenscheid.   Anwohner der Gummertstraße wollen sich von Neubauplänen nicht vertreiben lassen. Das haben sie beim Besuch des WAZ-Mobils am Rüttenscheider Stern verdeutlicht, wo sie mit Politikern diskutierten. CDU-Politiker Huch hält hingegen einen Abriss für „unumgänglich“.

„Wir werden hier wohnen bleiben, egal was kommt“, sagt Wolfgang Lorenz mit fester Stimme. Der Anwohner der Gummerstraße hat sich gerade von CDU-Politiker Hans-Peter Huch anhören müssen, dass ein „Abriss der zehn Reihenhäuser zugunsten einer Neubebauung mit exklusiven Eigentumswohnungen“ unumgänglich sei. Schließlich, so Huch, der für die CDU im Stadtrat sitzt, habe man im Planungsausschuss einstimmig über den Entwurf entschieden.

Doch der „breite Konsens“, so zeigt sich im Verlauf der Diskussion, zu dem die WAZ mit ihrer rollenden Redaktion am Rüttenscheider Stern Politiker und Betroffene eingeladen hat, bröckelt.

Bürger wünschen sich Rückhalt

„Rüttenscheider Gärten“

Drei Investoren, darunter die Immeo Wohnbaugesellschaft, wollen auf Basis eines gemeinsamen Architektenentwurfs und Bebauungsplans 140 Wohnungen im Bereich Herta- und Gummertstraße bauen.

Die betroffenen Anwohner sind Mieter der Immeo, die von einem möglichen Abriss aus der Zeitung erfuhren. Sie sammeln nun Unterschriften.

„Es ist ja nicht beschlossen worden, die Häuser abzureißen. Außerdem sind wir davon ausgegangen, dass der Grundeigentümer Immeo, der die Neubauten ausführt, längst mit den Anwohnern gesprochen hat“, versucht Linken-Bezirksvertreterin Cornelia Swillus-Knöchel die Zustimmung ihrer Partei zu relativieren. „Ja hat denn niemand von Ihnen einen Blick auf den Plan geworfen und sich gefragt, was aus uns wird?“, wirft Anwohner Thorsten von Borstel in die Runde. Rückhalt wünscht er sich von den Polikern, „stattdessen fallt ihr uns in den Rücken“. Der Applaus der circa 30 Bürger, die sich an diesem Samstagmorgen eingefunden haben, ist ihm sicher.

Verständnis für die betroffenen Bewohner der Gummertstraße zeigt Heidemarie von Münchhausen, „doch ist es letztendlich Sache der Immeo, was sie mit dem Grundstück macht. Da haben wir keinen Einfluss“, sagt die CDU-Politikerin schulterzuckend. Nun ist es leicht, der Wohnungsbaugesellschaft den Schwarzen Peter zuzuschieben. Zumal heute kein Sprecher von Immeo an der Diskussion teilnehmen kann. Urlaubszeit, lautet die etwas fadenscheinige Entschuldigung fürs Fehlen.

Linken-Ratsherr Wolfgang Freye. Foto: Ulrich von Born

Auch Linken-Ratsherr Wolfgang Freye gibt sich überrascht vom Verhalten der Immeo. Als Mitglied des Bauausschusses hat auch er dem Plan zugestimmt, „aber nicht einer Zwangsvertreibung“. Eine Bebauung, so Freye, müsse auch ohne den Abriss der ehemaligen Krupp-Häuser möglich sein. Angesichts der Statements der Bezirkspolitiker fühlt sich Wolfgang Lorenz „auf den Arm genommen“.

Seit er aus der Zeitung erfahren musste, dass er sein Zuhause verlieren soll, versteht er die Welt nicht mehr. Wie die anderen neun Mieter hat er viel Geld und Zeit in die Renovierung seines Hauses gesteckt, für das Immeo ihm ein Vorkaufsrecht versprochen hatte. „Alles Makulatur“, sagt er. Jetzt steuert er den Bürgerprotest, sammelt Unterschriften. Ein Kompromiss - etwa der Umzug in eine der neuen Wohnungen - kommt für ihn nicht in Frage.

Von dem Widerstand scheinen die Politiker der Bezirksvertretung - wieder einmal - überrascht. Und rudern zurück. Wie von Münchhausen, die jetzt davon spricht, den Protest zu unterstützen. Verwerflich findet sie die „Ignoranz“ des Bauherrn, appelliert an Immeo, die Bewohner in die Pläne mit einzubeziehen.

Dem Appell schließt sich SPD-Bezirkspolitikerin Susanne Dämmer an: „Ich habe großes Mitgefühl für ihre Situation. Entmietet zu werden, ist eine schlimme Erfahrung“, sagt sie. Stephan Hötzel, Grünenpoltiker und Mitglied der Bezirksvertretung, prangert die „Profitgier“ des Bauunternehmens an. „Dieser Gier sollen die Menschen, die dort wohnen, weichen. Das können wir als Grüne nicht unterstützen.“

Anwohner planen erstmal ein Fest

Doch wie soll es jetzt weitergehen? „Ich werde hier nicht verraten, was wir planen. Wir werden unsere Rechte als Bürger wahrnehmen“, sagt Lorenz. Noch sei ja nichts entschieden, gibt Freye zu Bedenken. Ein Bebauungsplan müsse ja noch erstellt werden. Die Anwohner der Gummertstraße planen erstmal ihr Nachbarschaftsfest am 1. September. „Dazu laden wir alle ein. Sie sollen sehen, wie lebens- und schützenswert unsere gewachsene Gemeinschaft ist“, sagt von Borstel.

Jennifer Schumacher und Vera Eckardt



Kommentare
08.08.2012
10:22
Von wem stammen nur solche Kommentare????
von glaenzi | #11

Zu diesem Thema erscheinen immer wieder seltsame Kommentare. Es wird des öfteren behauptet, die Mieten in der Gummertstraße wären viel zu günstig. Ganz im Gegenteil: sie liegen 5,3 % ÜBER dem aktuellen Mietspiegel. Oder: man soll sich ein Haus kaufen und wenn man sich das nicht leisten kann - Pech gehabt.Und wie man so blöd sein kann, in eine Mietwohnung so viel Geld für Renovierungen zu stecken. Vor 8 Jahren wurde uns vertraglich zugesichert, dass wir in den nächsten Jahren unser Haus kaufen können. Dann wäre es jetzt unser Grund und Boden und diese ganzen Diskussionen wären überflüssig. Aber irgendwie hat Immeo es sich wohl dann doch anders überlegt. Des weiteren werden die Häuser in der "grünen Gummertstraße" auch noch als unansehnlicher Kram oder Baracken bezeichnet, die unbedingt abgerissen werden müssen. Ich denke mal, dass solche Äußerungen nur von missgünstigen Neidern stammen können, die diese teuren Betonklötze/Eigentumswohnungen halt schöner finden!

06.08.2012
16:19
Gummertstraße - Bürger wollen sich nicht vertreiben lassen
von Boisfeuras | #10

10 Häuser sind vom Abriss bedroht, circa 30 Bürger kommen zur Diskussion der rollenden Redaktion. Ausser den Anwohnern scheint das Thema kaum jemanden zu interessieren. Wenn sich Mieter mit solchen Ansichten („Wir werden hier wohnen bleiben, egal was kommt“) durchsetzen, wird wohl niemand mehr vermieten. Und wer Geld und Zeit in die Renovierung eines Mietobjektes steckt, dem sollte klar sein, dass das vergebens sein kann.

06.08.2012
15:29
Gummertstraße - Bürger wollen sich nicht vertreiben lassen
von peterlustiglebt | #9

ne typisch deutsche mentalität die sich zusehens breit macht. veränderungen ja aber bloß weit genug entfernt von mir. der spruch eines mieters gefällt mir noch am besten der da behauptet das "wir hier bleiben komme was wolle". bin jetzt schon auf sein gesicht gespannt wenn die baggerkralle die schrankwand anknabbert *ha ha*. mal im ernst: über art und weise der veröffentlichung läßt sich vll. streiten aber nicht über das projekt selber. die eigentümer haben das sagen, c est la vie! den vorschlag eines users hier finde ich zum schießen. der möchte die plörelshäuser unter denkmalschutz stellen. *lach* ich sach weg mit dem alten unansehnlichen kram.

06.08.2012
12:53
Gummertstraße - Bürger wollen sich nicht vertreiben lassen
von Shadow-Dancer | #8

Nachtrag: Und wenn man dann hier noch den Unfug von einigen Linken-Politiker lesen muss, kann einem richtig schlecht werden - jetzt ist also schon jede Auflösung eines Mietverhältnisses eine ZWANGSVERTREIBUNG ? Gehts noch ? Willkommen im linken kommunistischen Klassenkampf ! Aber über solch wirre und begrenzte Sichtweisen kann sich ja jeder selbst ein Bild machen und bei den nächsten Wahlen entsprechende Konsequenzen ziehen, wenn er das möchte...

06.08.2012
12:48
Gummertstraße - Bürger wollen sich nicht vertreiben lassen
von Shadow-Dancer | #7

Immeo wird sich auch zu Recht durchsetzen, denn es handelt sich hier bei den angeblichen Opfern um MIETER und nicht um EIGENTÜMER und deshalb können sie auch nicht entscheiden, was mit den Häusern passiert, so einfach ist das ! Wenn sie das wollen, müssen sie sich Häuser kaufen und wenn sie sich das nicht leisten können ist es eben Pech, so hart das klingt ! Ich kann mir auch keinen Porsche für 10 Euro am Tag mieten und dann sagen, "ne ich steig jetzt nicht mehr aus, das ist so günstig und schön, ich bleib jetzt für immer hier drin und mache damit, was ich will, ich lasse mich nicht vertreiben ! Und diese bösen bösen Eigentümer wollen mir mein Spielzeug wegnehmen ! " Hier wird immer nur den Rechten der Mieter gesprochen, viel zu selten aber von den Rechten der Eigentümer !

Unabhängig davon bin ich für das Projekt, da hier dieser Lage angemessener Wohnraum für mehr Menschen geschaffen wird und Essen derartigen Wohnraum auch dringend benötigt, das zeigt die Marktsituation ganz klar !

06.08.2012
12:36
Gummertstraße - Bürger wollen sich nicht vertreiben lassen
von Shadow-Dancer | #6

Wenn man hier den ganzen Unfug liest, kann man glatt den Kopf schütteln.

Es handelt sich hier um MIETER, nicht EIGENTÜMER ! Und deshalb können sie auch nicht entscheiden, was mit den Häusern passiert - wenn sie das wollten, müssten sie sich welche kaufen, so einfach ist das. Hier wird immer nur von den Rechten der Mieter gesprochen, wer sieht hier eigentlich die Rechte des Eigentümers der Immobilien, man stelle sich mal vor, die teilweise hier so klug schreibenden Forumsmitglieder hätten Häuser und auf einmal dürften sie damit nicht mehr machen was sie wollten, weil ihre Mieter, die jahrelang sogar noch viel zu günstig in ihrem Haus gelebt haben, ihnen plötzlich auf der Nase rumtanzen, sich als Opfer darstellen und die Bevölkerung gegen sie aufzustacheln versuchen ?!? Eine Frechheit ! Hoffentlich setzt sich Immeo durch, auch gegen die Fähnleindreherei der Grünen Hobbypolitiker !

06.08.2012
10:36
Gummertstraße - Bürger wollen sich nicht vertreiben lassen
von foxtrott | #5

Immeo wird sich durchsetzen, so traurig das ist. In NRW fehlen Sozialwohnungen, die Familien laufen den Städten davon. Kein Wunder, denn keine Familie kann sich diese Lego-Bauten für wohlhabende Singles und DINKS leisten, wollen sie auch gar nicht.

06.08.2012
01:24
Gummertstraße - Bürger wollen sich nicht vertreiben lassen
von Vorstecher | #4

Noch mal: warum wird diese Siedlung nicht unter DENKMALSCHUTZ gestellt.
Krupp und seine alte Siedlung Gummertstrasse an der RÜ ist doch bereits unter Denkmalschutz.
Die weitere , zeitlich nähere Baustiel Entwickelung ist hier der Beweis zum Sprung in die Moderne. Diese Siedlung ist zwar noch kein echter Oldtimer aber ein Brückenglied in den anschliessend moderneren Baustiel, und somit ein Jungtimer mit zu erwartenden Oldtimerqualitäten.
An Zollverein hat anfänglich niemand geglaubt und heute würden wir einen damaligen Abriss bedauern.

05.08.2012
22:09
Gummertstraße - Bürger wollen sich nicht vertreiben lassen
von Hubelwusel | #3

Im Planungsausschuß stimmen sie alle dafür und jetzt sind sie wieder dagegen. Erst wird Immeo für die Pläne gelobt , jetzt ist Immeo für die Grünen profitgierig.
Essener Lokalpolitiker sind ein Fall für den Orthopäden, sie haben alle ein Problem mit ihrem Rückgrat........

05.08.2012
21:03
Gummertstraße - Bürger wollen sich nicht vertreiben lassen
von Andy-aus-Essen | #2

Es steht jedem frei sich selbst Grund und Boden zuzulegen. Dann kann man auch - wie die Immeo hier - frei darüber bestimmen.

1 Antwort
Gummertstraße - Bürger wollen sich nicht vertreiben lassen
von glaenzi | #2-1

Richtig. Vor 8 Jahren wurde uns vertraglich zugesichert, dass wir in den nächsten Jahren unser Haus kaufen können. Dann wäre es jetzt unser Grund und Boden und diese ganzen Diskussionen wären überflüssig. Aber irgendwie hat Immeo es sich wohl dann doch anders überlegt.

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