Gummertstraße - Bürger wollen sich nicht vertreiben lassen

Bürger und Politiker diskutierten am WAZ-Mobil die Bebauungspläne an der Gummertstraße. Zehn Häuser sind dadurch vom Abriss bedroht. Foto: Ulrich von Born
Bürger und Politiker diskutierten am WAZ-Mobil die Bebauungspläne an der Gummertstraße. Zehn Häuser sind dadurch vom Abriss bedroht. Foto: Ulrich von Born
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Anwohner der Gummertstraße wollen sich von Neubauplänen nicht vertreiben lassen. Das haben sie beim Besuch des WAZ-Mobils am Rüttenscheider Stern verdeutlicht, wo sie mit Politikern diskutierten. CDU-Politiker Huch hält hingegen einen Abriss für „unumgänglich“.

Essen-Rüttenscheid.. „Wir werden hier wohnen bleiben, egal was kommt“, sagt Wolfgang Lorenz mit fester Stimme. Der Anwohner der Gummerstraße hat sich gerade von CDU-Politiker Hans-Peter Huch anhören müssen, dass ein „Abriss der zehn Reihenhäuser zugunsten einer Neubebauung mit exklusiven Eigentumswohnungen“ unumgänglich sei. Schließlich, so Huch, der für die CDU im Stadtrat sitzt, habe man im Planungsausschuss einstimmig über den Entwurf entschieden.

Doch der „breite Konsens“, so zeigt sich im Verlauf der Diskussion, zu dem die WAZ mit ihrer rollenden Redaktion am Rüttenscheider Stern Politiker und Betroffene eingeladen hat, bröckelt.

Bürger wünschen sich Rückhalt

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„Es ist ja nicht beschlossen worden, die Häuser abzureißen. Außerdem sind wir davon ausgegangen, dass der Grundeigentümer Immeo, der die Neubauten ausführt, längst mit den Anwohnern gesprochen hat“, versucht Linken-Bezirksvertreterin Cornelia Swillus-Knöchel die Zustimmung ihrer Partei zu relativieren. „Ja hat denn niemand von Ihnen einen Blick auf den Plan geworfen und sich gefragt, was aus uns wird?“, wirft Anwohner Thorsten von Borstel in die Runde. Rückhalt wünscht er sich von den Polikern, „stattdessen fallt ihr uns in den Rücken“. Der Applaus der circa 30 Bürger, die sich an diesem Samstagmorgen eingefunden haben, ist ihm sicher.

Verständnis für die betroffenen Bewohner der Gummertstraße zeigt Heidemarie von Münchhausen, „doch ist es letztendlich Sache der Immeo, was sie mit dem Grundstück macht. Da haben wir keinen Einfluss“, sagt die CDU-Politikerin schulterzuckend. Nun ist es leicht, der Wohnungsbaugesellschaft den Schwarzen Peter zuzuschieben. Zumal heute kein Sprecher von Immeo an der Diskussion teilnehmen kann. Urlaubszeit, lautet die etwas fadenscheinige Entschuldigung fürs Fehlen.

Related content Auch Linken-Ratsherr Wolfgang Freye gibt sich überrascht vom Verhalten der Immeo. Als Mitglied des Bauausschusses hat auch er dem Plan zugestimmt, „aber nicht einer Zwangsvertreibung“. Eine Bebauung, so Freye, müsse auch ohne den Abriss der ehemaligen Krupp-Häuser möglich sein. Angesichts der Statements der Bezirkspolitiker fühlt sich Wolfgang Lorenz „auf den Arm genommen“.

Seit er aus der Zeitung erfahren musste, dass er sein Zuhause verlieren soll, versteht er die Welt nicht mehr. Wie die anderen neun Mieter hat er viel Geld und Zeit in die Renovierung seines Hauses gesteckt, für das Immeo ihm ein Vorkaufsrecht versprochen hatte. „Alles Makulatur“, sagt er. Jetzt steuert er den Bürgerprotest, sammelt Unterschriften. Ein Kompromiss - etwa der Umzug in eine der neuen Wohnungen - kommt für ihn nicht in Frage.

Von dem Widerstand scheinen die Politiker der Bezirksvertretung - wieder einmal - überrascht. Und rudern zurück. Wie von Münchhausen, die jetzt davon spricht, den Protest zu unterstützen. Verwerflich findet sie die „Ignoranz“ des Bauherrn, appelliert an Immeo, die Bewohner in die Pläne mit einzubeziehen.

Dem Appell schließt sich SPD-Bezirkspolitikerin Susanne Dämmer an: „Ich habe großes Mitgefühl für ihre Situation. Entmietet zu werden, ist eine schlimme Erfahrung“, sagt sie. Stephan Hötzel, Grünenpoltiker und Mitglied der Bezirksvertretung, prangert die „Profitgier“ des Bauunternehmens an. „Dieser Gier sollen die Menschen, die dort wohnen, weichen. Das können wir als Grüne nicht unterstützen.“

Anwohner planen erstmal ein Fest

Doch wie soll es jetzt weitergehen? „Ich werde hier nicht verraten, was wir planen. Wir werden unsere Rechte als Bürger wahrnehmen“, sagt Lorenz. Noch sei ja nichts entschieden, gibt Freye zu Bedenken. Ein Bebauungsplan müsse ja noch erstellt werden. Die Anwohner der Gummertstraße planen erstmal ihr Nachbarschaftsfest am 1. September. „Dazu laden wir alle ein. Sie sollen sehen, wie lebens- und schützenswert unsere gewachsene Gemeinschaft ist“, sagt von Borstel.