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Grundstücksgesellschaft will Ruhr-Atoll-U-Boot zum Stausee in Kettwig holen

15.02.2011 | 16:29 Uhr
Grundstücksgesellschaft will Ruhr-Atoll-U-Boot zum Stausee in Kettwig holen
Zwei, die sich gefunden haben: Norbert Bauer und Heinz Schnetger von der Kettwiger Grundstücksgesellschaft.

Essen-Kettwig.   Der Künstler Norbert Bauer und die Kettwiger Grundstücksgesellschaft arbeiten in der nächsten Zeit Hand in Hand. Unter anderem will man versuchen, das U-Boot aus dem Ruhr-Atoll für den Kettwiger Stausee zu gewinnen.

"Die Scheidtschen Hallen könnten mir zu einer neuen Heimat werden.“ Norbert Bauer, Künstler und Kurator aus Velbert, freut sich auf die Zusammenarbeit mit der Kettwiger Grundstücksgesellschaft. Zum Frühling wird er in die ehemalige Färberei an Tor 1 der Ringstraße einziehen. Sie grenzt an denselben Innenhof wie der „kunstraum“, in dem im vergangenen Jahr die furiose Ausstellung „Positionen des Realismus 3“ unter Kuratel von Sebastian Walter-Lilienfein stattfand. „Es ist einer von den stillen Orten, sehr geeignet für die Kunst“, findet Norbert Bauer.

Besonders fasziniert ist er von den roten Säulen des Raums, die von „orthopädisch gelben“ Fliesen kontrastiert werden, „so wie ein dekadenter Ballsaal“.

Erhebliche visionäre Kraft

Heinz Schnetger, dem Geschäftsführer der Kettwiger Grundstücksgesellschaft, bescheinigte Bauer erhebliche visionäre Kraft. Denn mit seiner Entscheidung, dem Großkunstwerk "Grundsteinkiste" darin eine neue Heimat zu verschaffen, lege Schnetger zugleich selbst einen Grundstein für die Zukunft des neuen Kreativ-Viertel. Dieser schloss sich mit den Worten an, die Grundsteinkiste könne „ein Symbol für das ganze Quartier werden“. Eine Besichtigung soll bereits ab Ende März möglich sein.

Video
Mit einem U-Boot nimmt das Ruhr.2010-Projekt "Ruhr-Atolle" Formen an.

Begleitet werden könnte die Präsentation des Großkunstwerks von einer Wechsel-Ausstellung zu Kettwigs Geschichte der Tuchmacherstadt samt ihrem strukturellen Wandel, die in denselben Räumlichkeiten untergebracht werden soll. Geschaffen werden könne ein Ort der Begegnung, in den durchaus noch weitere Künste und Künstler einbezogen werden sollen.

U-Boot als Teil des Skulpturenparks

Noch bemerkenswerter: Schnetger und Bauer wollen darum kämpfen, eine Insel aus dem Ruhr-Atoll für den Kettwiger Stausee zu gewinnen. Am liebsten das U-Boot, da sind sich die beiden einig. Heinz Schnetger: „Ich fände das U-Boot als Teil des Skulpturenparks Kettwig auch deshalb so faszinierend, weil es in der Umgebung zwischen Wehr und Eisenbahnbrücke die ambivalenten Aspekte des technischen Fortschritts beleuchtet.“ Es werde zudem mehr Besucher nach Kettwig holen, die Weiße Flotte könnte es als einen Höhepunkt auf der Fahrt vermarkten, aber auch der ansässige Bootsverleih in den Genuss kommen, das Objekt anzufahren.

Flohmarkt für RUHR.2010-Andenken

Zudem könnte das U-Boot mit relativ geringem Aufwand über die Ruhr bis Kettwig gezogen werden. Nötig sei zu seinem Erwerb lediglich eine Anschubfinanzierung, für die nun noch jemand gefunden werden soll, der dem rund 100.000 Euro teuren Projekt Tür und Tor öffnet. „Denn ein Kreativ-Quartier darf keinesfalls dauerhaft am Tropf der öffentlichen Förderung hängen“, ist Heinz Schnetger überzeugt. „Sollte die Kabakov-Insel nach Duisburg gehen - wir stehen derzeit mit der Stadt in Verhandlungen – würde das zusammen mit Kettwig eine wunderbare Achse bilden“, unterstreicht Norbert Bauer.

Der Eisberg musste geschreddert werden

So könne man einen Teil des Archipels für Künste und Wissenschaften aus dem Kulturhauptstadtjahr nachhaltig für das Ruhrgebiet bewahren. Nicht mehr zu retten ist allerdings der Eisberg. Die Skulptur musste geschreddert werden, weil sie mit ihrer lediglich drei Zentimeter dicken Außenhaut den nächsten Winter nicht überstanden hätte – eine schreckliche Ironie und zugleich ein bedeutsames Zeichen, wie schnell Kunstwerke unwiederbringlich verloren gehen können.

Für Kettwig verfolgt Künstler Bauer jedoch bereits ein weiteres Ziel, das Leben am Wasser durch kreativ gestaltete Sichtachsen zu bereichern. So will er am Mühlengraben unter dem Label „Tuchfühlung II“ an die 80 farbige Segel aus der 1997 in Langenberg präsentierten Ausstellung „Tuchfühlung“ installieren.

Seine Vision: Die Segel könnten auf dem Wasser schwimmen und auch unter der Brücke hindurch geführt werden, meint Norbert Bauer. „Denn die gemeinsame Textiltradition von Kettwig und Langenberg ist vergleichbar – also frisch ans neue Werk.“

Beatrix Stan

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