Grugapark: „Eine grüne Lunge von unschätzbarem Wert“

Sonntags im „Keramikhof“, der mit farbigen Tier-Keramikplatten aufwartete, im Hintergrund der Große Blumenhof und der Gruga-Turm. Die Bomben des 2. Weltkriegs machten dieser Schönheit ein Ende.
Sonntags im „Keramikhof“, der mit farbigen Tier-Keramikplatten aufwartete, im Hintergrund der Große Blumenhof und der Gruga-Turm. Die Bomben des 2. Weltkriegs machten dieser Schönheit ein Ende.
Foto: privat
Die Gruga startete 1929 als Volkspark neuen Typs, und allen war sofort klar, dass Essen damit enorm an Substanz gewonnen hatte. Die Stadt stemmte das Projekt, obwohl das Geld weit knapper war als heute.

Essen.. Es war nichts weniger als eine Sensation, als die „Große Ruhrländische Gartenbauausstellung“, kurz Gruga, am 29. Juni 1929 ihre Tore öffnete. Sie umfasste noch kaum ein Drittel des heutigen Parks, doch die mit wenig Grün gesegneten Essener schlossen die Anlage gleich ins Herz. „Eine grüne Lunge von unschätzbarem Wert mitten in der Stadt“, jubelte die Rheinisch-Westfälische Zeitung und traf den Kern.

Dass diese Großtat möglich war, verdankt Essen der weisen Grundstückspolitik zu Anfang des 20. Jahrhunderts. In Konkurrenz mit Krupp kaufte die Stadt Bauern- und Brachland zwischen Rüttenscheid, Holsterhausen und Fulerum auf, zunächst um hier einen Stadtwald zu gründen. Der Schöpfer des „Haus der Technik“, Heinrich Reisner, brachte Oberbürgermeister Hans Luther 1921 auf die Idee, zu den bereits bestehenden Ausstellungshallen der späteren Messe lieber einen Park zu gesellen, „einen Garten wie die Bavaria in München“, der allen Bürgern offenstehen sollte.

Zwei Millionen Besucher im Sommer 1929

Es kamen die schweren Jahre der Inflation und der Massenarbeitslosigkeit und dennoch blieb die Idee wach und wurde - auch im Wege der Arbeitsbeschaffung - Stück für Stück umgesetzt. Dabei half oft Pragmatismus. So hatten die Rüttenscheider Sportfreunde 07 vor der Konkretisierung der Park-Pläne bereits in Eigenregie eine kreisrunde Sportarena mit Stehplatzrängen auf dem Gelände gebaut, die dann als „Dahlienarena“ kurzerhand weitergenutzt wurde - und als Halbrund bis heute eines der Wahrzeichen der Gruga ist. Von Anfang an paarte sich die mitunter trockene Wissenschaftlichkeit eines Botanischen Gartens mit der „Volkspark“-Idee, die vor allem in einer wenig reizvollen Industriestadt große Kontraste schuf.

Die Autorin Astrid Schroer versetzt sich in ihrem 1997 erschienenen Gruga-Buch in die Empfindungswelt der Essener: „So etwas hatte man noch nicht gesehen. Die Besucher flanierten über knirschenden Kies entlang der weitläufigen Sommerblumenterrassen zur kreisrunden Dahlienarena, hörten Musikübertragungen vor dem Radioturm und bewunderten die verschwenderisch installierten Wasserkunstanlagen.“ Man braucht heute Phantasie, um sich den Hunger der damaligen Essener nach solchen Genüssen vorzustellen. Nur die Oberschicht hatte ja das Geld und die Zeit, um Kurorte und Residenzstädte zu besuchen, die über ähnliche Parkanlagen verfügten. Zwei Millionen Besucher kamen im Sommer 1929 in die Gruga, die Maßstäbe setzte für künftige Gartenschauen und wegen des Erfolgs als Dauereinrichtung etabliert wurde.

Die Gruga-Idee ist unzerstörbar

Die Sehnsüchte der Menschen zu erkennen und auszubeuten - davon verstanden die Nazis etwas, die 1933 auch in Essen die Macht eroberten. Sie okkupierten die Gruga-Idee und verdoppelten das Gelände für die Reichsgartenschau 1938 auf 47 Hektar. Immerhin bestimmten dieselben Gartenfachleute wie 1929 die Details, in Achsen angelegt war die Gruga schon vorher. Es entstanden zudem Gebäude wie der „Große Blumenhof“ und der heutige Gruga-Turm und auch die Gruga-Bahn wurde damals aufs Gleis gesetzt, schon weil nicht jeder den groß gewordenen Park zu Fuß erkunden konnte oder wollte.

Der Zweite Weltkrieg zerstörte schon wenige Jahre später die von den Essenern sehr geliebte „Ur-Gruga“. Unzerstörbar aber war die Gruga-Idee - und sie ist es bis heute.

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