Grüne erinnern an Putsch-Opfer

Altenessen..  An den Kapp-Putsch vor 95 Jahren erinnert seit Jahren eine Ausstellung im Treppenhaus der Altenessener Bezirksverwaltungsstelle. Zu Recht: Denn 21 Altenessener kamen im März und April 1920 bei den Kämpfen zwischen Rhein-Herne-Kanal und Zeche Carl ums Leben.

Jetzt wollen die Grünen in der Rückschau auf 100 Jahre Eingemeindung Altenessens als „ein besonderes Erinnerungszeichen“ das Wohnhaus Altenessener Straße 595 unter Denkmalschutz stellen lassen. Das 1902 errichtete Gebäude sei „eines der wenigen bis heute sichtbaren, kaum veränderten baulichen Zeugen über die Brutalität der Militäroperationen“. Das schreibt Ratsmitglied Walter Wandtke in einem Antrag, den er in Kürze im Ausschuss für Stadtentwicklung und Stadtplanung stellen wird.

Wenige Hinweise auf den Friedhöfen

An die Opfer des Militärputsches erinnerten heute nur noch wenige Gräber auf den Altenessener Friedhöfen. Dabei erlebte Altenessen vor 95 Jahren dramatische Momente. So schossen Putschisten von Norden her mit Mörsergranaten über den Rhein-Herne-Kanal hinweg in den Stadtteil hinein. Dort wehrten sich linke, ebenfalls bewaffnete Arbeiter gegen die Putschisten.

Der Kapp-Putsch konnte nach nur vier Tagen durch einen Generalstreik beendet werden. Im Ruhrgebiet führte der Putsch hingegen zur Bewaffnung der Arbeiterschaft, zu mehrwöchigen Kämpfen und der späteren Besetzung durch Reichswehr und rechten Freikorps.

Deshalb, so Walter Wandtke, sollte an der Hausfassade oder auf dem nördlich gelegenen Grundstück eine Gedenktafel installiert werden. Mit dem Erinnerungstext und einem zeitgenössischen Foto des teilweise durch Mörserbeschuss zerstörten Hauses solle auf die blutigen Auseinandersetzungen hingewiesen werden, bei denen im gesamten Ruhrgebiet weit über 1000 Menschen als Opfer der Militäroperation zu beklagen sind.

Innenstadt-Tafeln als Vorbild

Der Text solle, so der Vorschlag der Grünen, in Zusammenarbeit mit der Bezirksvertretung V und dem Leiter des Stadtarchivs, Dr. Klaus Wisotzky, ausgearbeitet werden. Er solle daran erinnern, dass in den bürgerkriegsähnlichen Kämpfen um die Freiheit der Weimarer Republik auch nach dem Ende des ursprünglichen Militärputsches durch den Artilleriebeschuss der Freikorpsbrigade Loewenfeld noch viele Opfer zu beklagen waren. Als Muster könnten die Tafeln dienen, die der Historische Verein in der Innenstadt aufgestellt hat.