Großstadt statt Naturpark

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Die Industrie- und Handelskammer (IHK) wirbt eindringlich für die Ausweisung neuer Industrie- und Gewerbeflächen. „Sonst laufen wir in Essen bald mit dem Schild ,Ausverkauft’ herum“, formulierte Geschäftsführer Gerald Püschel gestern anlässlich des IHK-Bauforums vor rund 100 Gästen. Püschel legte argumentativ mit dem Holzhammer nach: Es gehe um die Entwicklung einer Großstadt und nicht um die Pflege eines Naturparks. Der Hinweis war mit Bedacht gewählt, denn der akute Mangel an geeigneten Flächen lässt sich nach Einschätzung der Planungsverwaltung nicht ohne Eingriffe in geschützte landschaftliche Freiräume beheben.

Wie Gerd Seltmann, von der EWG beauftragter Gutachter ausführte, verfügt Essen zwar planerisch über ein Potenzial von 125 Hektar an Gewerbeflächen, allerdings seien davon 87,5 Hektar mit derart hohen Restriktionen belegt, dass sie erst mittel- oder langfristig für den ihnen gedachten Zweck genutzt werden könnten. Das gilt beispielsweise für die Kohlelagerflächen am Rhein-Herne-Kanal. Gerd Seltmann empfiehlt vordringlich Restriktionen, wie die Belastung durch Altlasten, abzubauen. Dies ist jedoch mit hohen Kosten verbunden, was sich dann wiederum auf die Grundstückspreise niederschlägt.

Stadt offenbar ohne Konzept

Ein Konzept zum Umgang mit ehemaligen Industrieflächen hat die Stadt offenkundig nicht. Planerisch komme man an Freiflächen wie jene an der Hatzper Straße, am Teelbruch und am Heuweg nicht vorbei, betonte Planungsamtsleiter Ronald Graf. Am Heuweg hat der Eigentümer, ein Landwirt, klar gestellt, dass er nicht gedenke, seinen Betrieb aufzugeben.

„Wir planen langfristig“, sagte dazu Planungsamtsleiter Ronald Graf ohne den Widerspruch aufzuklären. Dagegen fordert Dietmar Düdden, Geschäftsführer der Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft (EWG), kurzfristige Lösungen. Weder im Norden der Stadt und schon gar nicht im Süden, ließe sich die Nachfrage befriedigen, so Dietmar Düdden.

Unbeantwortet blieb die Frage aus dem Plenum, welche Gewerbeansiedlungen denn förderlich sein für die Stadtentwicklung. Logistikfirmen oder Call-Center? Laut Düdden müsse es vor allem darum gehen, ansässigen Firmen die Chance zur Erweiterung zu geben.

Vorwürfe an die EWG

Nicht nur Ulrich Meier, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, verbindet mit der Ansiedlung neuer Betriebe die Hoffnung, dass die hohe Zahl an Langzeitarbeitslosen sinken könnte. Vor diesem Hintergrund warf Michael Happe vom Planungsbüro BKR der EWG vor, zu hohe Erwartungen zu wecken, in dem sie die Bedeutung der Industrie für die wirtschaftliche Entwicklung Essens überhöhe.