Große Studie: Essen ist ein kleines Deutschland

Petra Schmitz vom Uniklinikum untersucht  Melvin Jondral.
Petra Schmitz vom Uniklinikum untersucht Melvin Jondral.
Foto: Essen
Was wir bereits wissen
Eine Studie im Uniklinikum erforscht Volkskrankheiten. 10.000 Bürger werden stellvertretend für die gesamte Republik untersucht.

Essen.. Der Start war holprig. Aber inzwischen ist die Forschung vor Ort, das Lokale fürs Nationale, ins Rollen gekommen. 650 Essener haben sich in den letzten Monaten im Uniklinikum für eine der größten und aufwendigsten Gesundheitsstudien Deutschlands untersuchen lassen. „Es läuft“, sagt Prof. Karl-Heinz Jöckel vom Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie.

650 Essener Bürger sind durch, 10. 000 sollen es bis 2018 werden. An 17 anderen Zentren im Land werden weitere 190. 000 Menschen medizinisch untersucht sowie zu ihren Lebensgewohnheiten und ihrem sozialem Umfeld befragt. Dann hat die Nationale Kohorte, wie die Studie heißt, ihre Basisdaten beisammen. Aus einem kleinen Deutschland, das repräsentativ für das große Deutschland mit 80 Millionen Einwohnern steht.

Allerdings ist die Studie dann längst nicht abgeschlossen. „Die Teilnehmer werden regelmäßig kontaktiert. Sie sollen nach fünf Jahren wieder zu uns kommen. Dann wird erneut untersucht“, erklärt Prof. Jöckel. Bis 2022 laufen die Untersuchugen. Der Gedanke: Die Entwicklung von Volkskrankheiten, wie Diabetes, Bluthochdruck, Demenz oder Übergewicht, soll so verfolgt und dokumentiert werden. Die Frage: Wie beeinflussen genetische Faktoren, Umwelteinflüsse, die Arbeit und der Lebensstil diese Erkrankungen? „Wir erhoffen uns über die Langzeit-Beobachtung neue Erkenntnisse“, sagt Prof. Jöckel. Prävention, Früherkennung und Therapie sollen damit dann verbessert werden.

Bitte um freiwillige Teilnahme

Der Bredeneyer Melvin Jondral gehört zu den Essenern, die einen Brief mit der Bitte um freiwillige Teilnahme an der Studie erhalten haben. Die Bürger müssen in ein statistisches Raster passen. Sie werden dann in Kooperation mit dem Einwohnermeldeamt ausgewählt und angeschrieben. „Ich hatte sofort Lust, mitzumachen. Ich finde das Projekt spannend“, sagt Melvin Jondral. Er ist 23 Jahre alt, Student und gesund. Gesunde Menschen, wie er, werden normal nicht einfach so untersucht. „Mit den Ergebnissen erfahre ich viel über meinen Körper“, erklärt Jondral. Als Teilnehmer muss er sich am Studien-Gebäude einfinden, das für über zwei Millionen Euro errichtet wurde.

Dort wird der Bredeneyer mehrere Stunden von oben bis unten durchuntersucht: Körpergröße, Gewicht, Hüftumfang, dann Blut und Blutdruck, Herzfrequenz. Diverse Körperflüssigkeiten werden eingesammelt, Hörtest, Riechtest, Augenuntersuchung, es folgen Handgreifstärke, Zahnstatus und Fitnesstest. Schließlich die teure Magnetresonanztomographie, bei der mit einem aufwendigen Verfahren Gewebe und Organe im Körper des Untersuchten sichtbar gemacht werden. Nach dem Untersuchungs-Marathon ist Melvin Jondral medizinisch gesehen „transparent“. „Und wir können nach und nach medizinische Entwicklungen verfolgen und damit Gesamtzusammenhänge finden und erklären“, hofft Prof. Karl-Heinz Jöckel.