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Große Klappe, nichts dahinter?

04.02.2012 | 20:09 Uhr
Große Klappe, nichts dahinter?
Foto: dapd

Essen.   Anmerkungen zum Stadtgeschehen – ein Kommentar von Jörg Maibaum, Redakteur der NRZ-Stadtredaktion Essen.

Der Pulverdampf nach dem dem überraschenden Verbots-Vorstoß der Stadt für nikotinhaltige E-Zigaretten-Substanzen verzieht sich langsam und macht den Blick frei auf eine zunehmend abstruse Situation. Manch einer mag sich da verwundert die Augen reiben: Nach dem großen öffentlichkeitswirksamen Aufschlag vom vergangenen Freitag geht der Handel mit den umstrittenen Liquids in unserer Stadt bislang so ungehindert weiter, als wäre rein gar nichts passiert.

Behörde schaut tatenlos zu

Mehr noch: Nach dem Essener Veto, das bundesweit für Schlagzeilen sorgt und Hamsterkäufe geradezu provoziert, läuft der Absatz verbotener Stoffe jetzt besser als jemals zuvor . Und die Behörde, die vor wenigen Tagen noch mit dem Hammer der Strafverfolgung drohte, schaut dem angeblich so illegalen Treiben tatenlos zu und hält sich geradezu auffällig zurück.

Große Klappe, nichts dahinter? Ganz so leicht fällt das Urteil zwar nicht. Doch inzwischen droht dem Land in der Wahrnehmung seiner Bürger durchaus eine Niederlage. Weil die Politik, so die verbreitete Meinung, offensichtlich nicht den Mut zur Konsequenz hat, ihrer Ankündigung auch Taten folgen zu lassen. So wie die Regierung die Tabakzigarette, an der sie Milliarden verdient, nicht aus dem Verkehr zieht, soll jetzt der Erfolg ihrer steuerfreien Alternative unter dem Deckmantel der Gesundheitsfürsorge scheinbar erstickt werden. Zu solchen Behördenumtrieben, die dem Bürger nicht plausibel erscheinen können, hat er dann sehr schnell eine ganz eigene Meinung: Der Siegeszug der E-Zigarette soll doch nur gestoppt werden, damit die Einnahmen aus dem blauen Dunst nicht verdampfen, heißt’s dann.

Gesetzgeber lässt die Kommunen im Regen

Daran hat das Gesundheitsministerium ein gerüttelt Maß Eigenschuld: Natürlich ist es vornehmste Aufgabe der Ministerin Barbara Steffens (Grüne), die Konsumenten vor möglichen gesundheitlichen Gefahren zu warnen. Doch zwischen einem vorbeugenden Knuff für den Konsumenten und einem repressiven Schlag gegen vermeintlich Kriminelle liegen Welten der Legitimation. Denn der Erlass der Ministerin ist kein strafrechtliches und kein arzneimittelrechtliches Instrument des Bundes, sondern allein ein ordnungspolitisches des Landes.

In anderen Fällen als dem aktuellen zum Beispiel geeignet dafür, schimmelige Brötchen aus Regalen zu holen. Allerdings hat diese Dienstanweisung eine für die Kommune unangenehme Nebenwirkung. Sie zwingt die Verantwortlichen im Rathaus zum Handeln auf rechtlich eigentlich brüchigem Untergrund. Unternimmt die Stadt nichts, macht sie sich in der dienstlichen Hierarchie angreifbar. Lehnt sie sich zu weit aus dem Fenster, wird ihr Handeln in den Augen der Bürger fragwürdig. Einmal mehr lässt der Gesetzgeber die Kommunen im Regen stehen.

Konsequente Sicherstellungen wären angesagt

Denn würde man die Order aus Düsseldorf tatsächlich bis zum Ende durchdeklinieren und käme am Ende zu der Einschätzung, dass da tagtäglich ein Handel mit illegalen Stoffen unter den Augen der Behörden stattfindet, müsste schon von Amts wegen eingeschritten werden.

Video
Immer mehr Raucher greifen zur vermeintlich gesunden E-Zigarette. Wir zeigen, wie das Rauchen ohne Tabak funktioniert.

Konsequente Sicherstellungen wären angesagt, was in einem Fall auch passiert ist, allerdings ohne fühlbare Folgen blieb: Nachdem Zollbehörden eine Lieferung nikotinhaltiger Liquids aus China, die für einen Essener Händler bestimmt waren, beschlagnahmt hatten, ermittelte die Staatsanwaltschaft durchaus, stellte das Verfahren aber aus „subjektiven Gründen“ ein. Was heißt: Selbst ein erfahrener Jurist konnte keine ausreichenden Gründe für ein strafrechtliches Vorgehen gegen den Adressaten finden.

Dampf ablassen

Eine Einzelfallentscheidung, natürlich. Doch leiten manche Händler und ihre Interessenvertreter daraus momentan ihre eigene Devise ab: Erst mal ordentlich Dampf ablassen gegenüber der Stadt, die eigentlich nichts kann für die verfahrene Situation, danach einfach mal abwarten, was passiert, und Tee trinken. Nur keinen grünen. Nicht weil selbst der nach neuesten Studien giftige Inhaltsstoffe haben soll, sondern weil er zurzeit einen ziemlich komischen Nachgeschmack hinterlässt – wie Zigaretten, egal welcher Couleur.

Jeder Konsument weiß, dass Qualmen gesundheitsschädlich ist, egal ob es der Tabakrauch oder der E-Zigaretten-Dampf mit ihren jeweiligen Wirkstoffen ist: Lungenzüge haben irgendwann einmal Endstation. Wann sie aussteigen wollen, sollten die Bürger aber selbst entscheiden dürfen. Sonst denken wir vor lauter Regelungswut auch noch über Schlafverbote nach. Die meisten Menschen sterben bekanntlich im Bett.

Jörg Maibaum

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Kommentare
02.03.2012
14:59
Verein Pro Dampf
von darum | #14

Der Verein Pro Dampf stellt heute seine Antworten auf die Kleine Anfrage der Partei DIELINKE an die Bundesregierung vor.
Das komplette Dokument findet ihr unter:
http://pro-dampf.de/wp-content/uploads/2012/02/KleineAnfrageProDampfAntworten.pdf

13.02.2012
18:53
Große Klappe, nichts dahinter?
von wuwu | #13

Gut und sachlich die Situation erfasst.
Ich denke es hat sich ausgegrünt in Deutschland.
Was sich die Grünen im Moment an Lobbyarbeit leisten bleibt nicht ungesühnt.
Tschau Grüne,es war manchmal nett mit Euch,aber Ihr seid übers Ziel hinaus geschossen.
Wir Bürger brauchen keinen Vormund der sagt was gut für uns ist,also ab ins Beet wo Ihr hergekommen seid.
Gruß Michael

05.02.2012
23:37
Große Klappe, nichts dahinter?
von arippe | #12

Klasse, da sieht man mal wieder, wie unsere Politiker ticken: Grüner Tee komisch, das im Dezember ein Prof. Dr.Matthias Rath ein Buch veröffentlich hat, in dem seine Studie über Krebs abgeschlossen wurde. Da spielt Grüner Tee eine grosse Rolle, und beweist, das keine Chemo nötig ist, z.B bei.Leukemie. Und ???: Wer provitiert jetzt nicht mehr von dieser Studie....die pharmaunternehmen, und was macht man?...man deklariert Grünen Tee als schädlich, weil Gelder flöten gehen.Genauso wie bei der E-Zigarette die Tabaksteuer einbricht.- Einfach geil

Krebs - Das Ende einer Volkskrankheit Dr. Matthias Rath - Das Ende einer Volkskrankheit 20.10.2011
www.youtube.com

05.02.2012
21:42
Große Klappe, nichts dahinter?
von RolandDeshain | #11

Vielen Dank für diese treffende Situationsanalyse.

05.02.2012
18:47
Besten Dank
von Anne_1960 | #10

Selbst entscheiden können statt Regelungswut. Genau das.

Wäre der Politik ernsthaft an unserer Gesundheit gelegen, so müßte auch zunächst an größeren Baustellen als ausgerechnet an dieser "vergleichsweise harmlosen" ein Zaun errichtet werden.

05.02.2012
15:40
Große Klappe, nichts dahinter?
von mar.go | #9

Ich kann Ihrem Kommentar nur 100 % zustimmen, Herr Maibaum.
Sie haben kurz und knapp auf einen Nenner gebracht, was der Bürger von
den Machenschaften der Politik hält.
Dem ist nichts hinzuzufügen.

05.02.2012
13:15
Große Klappe, nichts dahinter?
von Borschti | #8

Schön sowas zu lesen, dennoch geht es hier nur um die Rechtslage aber was bleibt ist die Angst auf Grund der fehlerhaften Pressemeldungen der vergangenen wochen.
Immer wieder mussten wir Dampfer lesen das ja Nitrosamine in Liquids gefunden wurden, immer wieder haben wir versucht darauf aufmerksam zu machen das die gefundenen Nitrosaminmengen verschwindend gering sind.
Wäre das nicht ein schönes Thema für Sie? Manipulation von Lesern durch mangelhafte Berichterstattung?
Den Weg dies herauszufinden haben bereits Dampfer beschritten und ihn schön dokumentiert, werfen Sie einen Blick auf http://www.wahrheit-ueber-ezigaretten.de/e-zigarette-und-tabaksteuern/die-fda-studie-im-detail .
Hinterfragen Sie doch bitte auch mal weshalb sich die Ministerin auf diese Studie beruft obwohl sie bereits von einem US Gericht massiv gerügt wurde, warum gibt es aus Deutschland noch keine Studien oder Gutachten die nicht vom Händler stammen?
Liegen die alle in irgendwelchen Schubladen weil sie sonst die e-Zigarette bewerben würden?

Ich würde mich freuen wenn Sie diesen Weg einmal gehen würden, vielleicht kommen sie ja zu dem gleichen Ergebniss wie wir Dampfer, e-Zigaretten sind nicht gesund aber um ein vielfaches WENIGER SCHÄDLICH als Tabakprodukte.

05.02.2012
13:13
Große Klappe, nichts dahinter?
von loewin0731 | #7

Vielen vielen Dank Herr Maibaum.
Endlich schreiben sie mal Ihre eigene Meinung und Recherche.

05.02.2012
13:04
Große Klappe, nichts dahinter?
von Dampfliese | #6

Alle Achtung Herr Maibaum. Sie haben alles auf den richtigen Punkt gebracht. Warum konnten Ihre anderen Kollegen nicht auch so recherchieren bisher? Ich hoffe, diese nehmen sich jetzt ein Beispiel an Ihnen.
Bravo.

05.02.2012
10:35
Große Klappe, nichts dahinter?
von HolgerNils | #5

Wundert das jemanden?
http://www.medizinanwalt.de/blog/2012/01/elektronische-zigarette-rechtslage/

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