Groß-Asyl wird sechs Millionen Euro teurer

Größer, schöner, teurer: Das Land meint es offenbar ernst mit seiner Ankündigung, in Essen eine Piloteinrichtung für Asylbewerber betreiben zu wollen, die gänzlich neue Standards für so genannte Erstaufnahme-Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen setzt. Das Großasyl auf dem früheren Kutel-Gelände in Fischlaken soll gegenüber den ursprünglichen Plänen um knapp 2000 Quadratmeter wachsen – was das ganze Vorhaben um rund sechs Millionen Euro teurer macht.

Das heißt: Statt der ursprünglich einkalkulierten 26,8 Millionen Euro muss die Stadt nach der Unterzeichnung des Mietvertrags am 16. Januar (die NRZ berichtete) nun 32,8 statt der ursprünglich kalkulierten 26,8 Millionen in den Bau investieren. Damit der Asyl-Deal mit dem Land trotz dieser kurzfristigen Preissteigerung ohne Reibungsverluste über die Bühne geht, soll der Rat der Stadt heute mit einer Dringlichkeitsentscheidung den Weg für die Finanzierung frei machen.

Größere Gemeinschaftsflächen, separate Aufenthaltsräume für männliche und weibliche Bewohner, mehr Spielfläche und ein barrierefreier Zugang zu den jeweiligen Erdgeschossen machen das Groß-Asyl um rund 14 Prozent größer. Aktuell sollen 15.400 Quadratmeter an der Hammer Straße überbaut werden. Auf 12.280 Quadratmetern sind die Flüchtlinge untergebracht, 1.350 Quadratmeter benötigt die „Filiale“ des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), in einem Gebäude mit rund 750 Quadratmetern wird die Zentrale Ausländerbehörde (ZAB) Platz finden.

Alle Veränderungen werden allerdings nichts an der beschlossenen Maximalbelegung ändern: 800 Menschen in der Spitze können am Overhammshof untergebracht werden. Mehr ist nicht. So will es der mehrheitliche Beschluss des Rates vom 29. Oktober, der ebenso eine kostendeckende Miete regelt, die das Land der Kommune für die Nutzung des Komplexes 25 Jahre lang zu zahlen hat: nach den neuen Berechnungen sind das 9,95 pro Monat und Quadratmeter. Für die Unterhaltung des gesamten Areals wird ein Euro pro Monat und Quadratmeter aufgeschlagen.

Um die höheren Investitionen stemmen zu können, muss die Stadt andere Projekte in die Warteschleife schicken: zum Beispiel den Neubau der Not-Unterkunft an der Liebrechtstraße oder die geplanten Kita-Standorte Im Fatloh und an der Stauderstraße. Soviel aber ist klar: Die Einsparungen in diesem Jahr sind nur zum Preis von Mehrausgaben im nächsten möglich.

Wann genau mit dem Bau der Erstaufnahmeeinrichtung im Süden der Stadt begonnen werden kann, ist nach Auskunft der Stadt noch nicht ganz klar: „Die vorbereitenden Arbeiten dauern an“, sagte Sprecherin Nicole Mause gestern auf Anfrage der NRZ. Die Zeit drängt: Am 1. Dezember dieses Jahres soll das Groß-Asyl ans landesweite Versorgungsnetz gehen.