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Grobe Masche im Netz

27.03.2008 | 20:39 Uhr

VERBRAUCHER. Ein Praxistest auf der Rü beweist, wie fahrlässig viele Computer-Nutzer mit ihrem drahtlosen Netzwerk umgehen. Eine regelrechte Einladung auch für kriminelle Attacken.

Ein handelsüblicher Laptop und ein simpler W-LAN-Adapter reichen, um die Lücken offenzulegen: Rechtsanwalt Volker Weinreich, Systemtechniker Daniel Müller und "binary"-Geschäftsführer Karsten Kümmerlein (von links) beim Test. (Foto: Müller)

Ein paar Klicks nur, keine 20 Sekunden dauert das, und - pling - die Webseite baut sich auf, Daniel Müller ist drin. Und wenn dies hier und heute nicht so ein ungemütlicher, kalter Donnerstagmorgen wäre, dann könnte der IT-Systemtechniker jetzt in aller Seelenruhe mit seinem Laptop auf andrer Leuts Internetwellen surfen, in diesem Fall auf Kosten eines ebenso unbekannten wie offenbar unbedarften Rü-Anwohners mit der IP-Adresse 192.168.0.1.

Vor dessen Haus hat sich Müller, Mitarbeiter der Essener IT-Unternehmens "binary", ins drahtlose Computer-Netz gefläzt, hat nach 20 weiteren Sekunden sogar das Einstellungs-Programm des so genannten "Routers" von Mr. Unbekannt geöffnet und weiß, "dass ich ihn jetzt ein bisschen ärgern könnte", eine einzige geänderte Ziffer würde schon reichen.

Aber "binary" will ja niemanden ärgern, sondern davor warnen, wie blauäugig Computer-Nutzer mit ihren drahtlosen Funknetzwerken (W-LAN) nach wie vor umgehen. Ein Rundgang mit dem Laptop brachte es in Rüttenscheid an den Tag: Von 100 W-LAN-Netzen auf der Rü waren 30 unverschlüsselt und damit völlig ungeschützt. Sie bieten so jedem, der will, unfreiwillig eine Plattform zum Mitschwimmen auf der Internetwelle.

Macht nichts? Ist ja sowieso ein Pauschaltarif?

Wer so denkt, sollte zur Abwechslung für einen Augenblick etwas kriminelle Phantasie entwickeln: Und sich einen unliebsamen Zeitgenossen vorstellen, der nur einen Deppen mit offenem PC-Scheunentor sucht, um auf dessen Kosten illegale Musikdateien herunterzuladen, digitalen Werbemüll zu versenden, Kinderpornos zu tauschen oder Festplatten auszuforschen.

Denn auch das geht mit etwas Geschick und angegoogletem PC-Wissen. Und wenn dann die Ermittler kommen, stehen sie mit der Strafanzeige vor der Tür des ahnungslosen PC-Wirtstiers wider Willen, den sie über die so genannte IP- (= Internet-Protocol-)Adresse ausfindig machen - während der PC-Parasit unerkannt ein Häuschen weiterzieht.

Rüttenscheid steht dabei nur stellvertretend für die PC-Nutzer zwischen Karnap und Kettwig oder anderswo: Schindluder lässt sich mit W-LAN-Netzen überall dort treiben, wo die Nutzer eine Verschlüsselung versäumen. Und das kann teuer werden. W-LAN......ist die Abkürzung für "Wireless Local Area Network" - ein drahtloses lokales Funknetz also, das es einem unter anderem ermöglicht, die Vorteile des Internets mobil ohne Kabelverbindung zu nutzen. Das funktioniert allerdings nicht nur in einer Wohnung, sondern mit wachsender Sendestärke auch deutlich da-rüber hinaus. Wer auf Sicherheit bedacht ist, muss also sein Netz verschlüsseln.

WOLFGANG KINTSCHER

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