Griechen in Essen: „Das Nein gibt uns Hoffnung“

Lebt seit 50 Jahren in Essen, ist der alten Heimat aber immer noch verbunden:  Dimo Tassika, Wirt des Korfu-Grill. Der 59-Jährige glaubt an einen griechischen Neuanfang innerhalb der EU.
Lebt seit 50 Jahren in Essen, ist der alten Heimat aber immer noch verbunden: Dimo Tassika, Wirt des Korfu-Grill. Der 59-Jährige glaubt an einen griechischen Neuanfang innerhalb der EU.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Umfrage bei Essener Griechen: Alle begrüßen das deutliche Ergebnis des Referendums und glauben an einen Neuanfang innerhalb der EU.

Essen.. Seit vielen Jahren steht Dimo Tassika in seinem Korfu-Grill an der Huttropstraße und beobachtet seine alte Heimat aus der Ferne. Manchmal mit Sehnsucht, manchmal mit großer Besorgnis. Die hat in letzter Zeit überhand genommen. „Ich weiß ja schon lange, dass wir finanzielle Probleme in Griechenland haben“, sagt der 59-Jährige, „aber das sich die Krise so zuspitzt, das hätte ich nicht gedacht.“

Dabei hat er große Hoffnung auf die neue Regierung unter Alexis Tsipras gesetzt, die die drei Familien, die jahrzehntelang das Land regierten, endlich abgelöst hat. „Denn die sind ja eigentlich an der katastrophalen Lage in Griechenland schuld, nicht Tsipras.“ Dass die neue Regierung das Volk befragt hat, findet er wichtig und richtig. Auch das klare Nein schockt den Gastronom nicht. „Es wird keinen Kollaps geben und wir werden auch nicht aus der EU austreten“, ist er überzeugt, „ich glaube an einen Neuanfang und an produktive Verhandlungen.“

"Ein vernünftiges Finanzsystem etablieren"

Ein paar hundert Meter weiter sitzt Wasiliki Doitsidis wie an jedem Tag an ihrer Nähmaschine in der kleinen Änderungsschneiderei im Südviertel. „Ich mache mir große Sorgen“, sagt die Griechin, „die nächste Zeit wird sehr schwer für meine Landsleute.“ Dann erzählt sie von ihrer kürzlich verstorbenen Mutter, die als Bäuerin gerade mal 350 Euro Rente bekam, aber monatlich 120 Euro für ihre Diabetes-Medikamente ausgeben musste. „Wie ihr geht es vielen Griechen und da fragt man sich ja schon, ob weitere Rentenkürzungen überhaupt noch machbar sind oder die Menschen nicht in totale Armut stürzen.“ Wie es jetzt nach dem Nein weitergeht, weiß sie nicht.

„Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass wir aus der EU austreten oder die Drachme wieder einführen. Ich glaube, dass wir wieder auf die Beine kommen. “ Eine Einschätzung, die auch ihr Mann Georgious teilt. „Wir Griechen müssen endlich ein vernünftiges Finanz- und Steuersystem etablieren, wie es auch in Deutschland üblich ist“, sagt er, „dann wird es uns auch besser gehen.“

Das findet auch Nikos Avlastimidis, der als Kellner im Restaurant Eleon auf der Rü arbeitet. Der 25-Jährige ist seit zwei Jahren in Essen, „denn in Griechenland gab es keine Chance für mich“. Dort hat er zu wenig verdient, um seine Familie zu unterstützen, geschweige denn selbst eine Familie zu gründen. Erst in Deutschland habe er erlebt, dass es auch eine gut funktionierende Bürokratie und soziale Absicherung gebe, „davon sind wir in Griechenland noch weit entfernt“. Trotzdem ist er zuversichtlich, dass es wieder bergauf geht, „schlimmer als jetzt kann es nicht mehr werden“. Die Volksbefragung findet er gut, das klare Ergebnis habe ihn nicht überrascht. „Nein bedeutet nicht, dass wir gegen Europa sind. Aber wir jungen Griechen wollen eine Zukunft haben.“