Greve fordert ein Altwerden in Würde

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In ihrer Karfreitagspredigt hat die Essener Superintendentin Marion Greve mehr Anstrengungen für ein Altwerden in Würde gefordert. Immer wieder höre sie in ihren seelsorgerlichen Gesprächen, dass die Menschen nicht den Tod selbst fürchteten, jedoch ein Altwerden mit einer Demenzerkrankung, sagte die evangelische Theologin gestern im Gottesdienst in der Erlöserkirche. Der problematische Umgang mit Alterserkrankungen führe heute dazu, dass das Alter als Lebensphase begriffen werde, in der die Würde scheinbar völlig verschwinde. „Und diese Würdelosigkeit ist für viele Menschen schlimmer als der Tod“, so Greve in ihrer Ansprache.

Die Erfahrung von Demenz ist aus ihrer Sicht ein gegenwärtiges Beispiel dafür, dass sich Menschen völlig alleingelassen fühlten. „Jesus würde heute gerade zu ihnen hinabsteigen, um dem Leiden der Menschen und ihrer Einsamkeit auf den Grund zu gehen“, sagte sie. Die Karfreitagsbotschaft sei daher auch ein Appell, diese Menschen nicht allein zu lassen.

Neue Wohnformen

Betreute Wohngemeinschaften für an Demenz erkrankte Menschen, wie sie jetzt an manchen Orten entstünden, seien ein wichtiger erster Schritt um ein würdevolles Altern zu gewährleisten, allerdings dürften derartige Angebote keine Oasen bleiben, sondern müssten ein selbstverständlicher Teil des Alltags werden. „Die lange Phase des Alterns ist so neu, dass wir es noch gründlich lernen müssen. Aber wenn wir es gut lernen, wird es unsere Gesellschaft zum Positiven verändern - und menschlicher machen“, sagte Greve abschließend.