Graffiti-Schmierereien sind für Essener Bürger ein täglicher Begleiter
03.08.2011 | 19:11 Uhr 2011-08-03T19:11:00+0200Essen.Sie verursachen bundesweit einen Schaden in Höhe von Hunderten Millionen Euro. Und auch in Essen sind Schmierereien aus der Sprühdose für jeden Bürger ein täglicher Begleiter.
An Häuser- und Lärmschutzwänden, Bahnhofsgebäuden oder Verteilerkästen sind die künstlerisch schlichten Hinterlassenschaften zu begutachten. Keine Ausnahme ist auch die erst letztes Jahr fertig gestellte, aufwändig gebaute Radwegbrücke über die Segerothstraße am Uni-Campus .
Seit Tagen prangt auch dort ein hässlicher Schriftzug. Problematisch ist nun, wer für die Entfernung verantwortlich ist. Für die Errichtung der Radtrasse, die die Uni-Standorte Essen und Duisburg miteinander verbinden soll, ist der Regionalverband Ruhr (RVR) verantwortlich. Erst am 1. September soll der Radweg formell an die Stadt übergeben werden.
Diese Konstellation ruft die FDP-Ratsfraktion auf den Plan: „Der Vandalismus durch Farbschmierereien ist keine Lappalie. Wir fordern den RVR auf, diese Straftaten konsequent zur Anzeige zu bringen“, so der Fraktionsvorsitzende Hans-Peter Schöneweiß. Die Schmierereien, so heißt es in der Erklärung der Fraktion, seien vor der Übergabe zu entfernen. Sowohl die Stadt, als auch der RVR, versicherten, dass sie zunächst prüfen müssten, wer für die Beseitigung zuständig sei.
Aufklärungsquote liegt bei 40 Prozent
Dass eine Entscheidung möglichst zeitnah erfolgen sollte, dürfte Udo Kampschulte, NRW-Sprecher der Deutschen Bahn, beiden Parteien ans Herz legen: „Je schneller so etwas verschwindet, desto weniger kommt auch hinzu.“ Die Bahn hat sich ihrerseits in solchen Fällen ein Ultimatum gesetzt. Sind die besprühten Flächen bereits zuvor mit einer Speziallegierung bearbeitet worden, die das Entfernen der Farbe erleichtert, werden Schmierereien innerhalb von 72 Stunden entfernt. Diese Verfahrensweise ist auch am Essener Hauptbahnhof üblich.
Dass das Strafgesetzbuch solche Kritzeleien mit erheblichen Strafen bedroht, scheint kaum Auswirkungen auf die Täter zu haben. Rund 1500 Sachbeschädigungen, die auf Graffitis zurückzuführen sind, hat die Essener Polizei im vergangenen Jahr in Essen und Mülheim registriert. Die Aufklärungsquote liegt bei respektablen 40 Prozent .
Hilfe bei der Strafverfolgung geben die Sprüher in der Regel höchstselbst. In den meisten Fällen hinterlassen sie am Tatort ein sogenanntes „Tag“, gleichzustellen mit der Signatur eines Künstlers. Um diese Kürzel zuzuordnen vertraut die Polizei auf ihre Spezialisten: „Wir haben Fachleute, bei denen alle Anzeigen zusammenlaufen“, so Sprecher Lars Lindemann.
Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene
Da die Sachbeschädigung jedoch ein sogenanntes Antragsdelikt ist – eben nur bei einem entsprechenden Strafantrag verfolgt wird – sind die Beamten auf die Mitwirkung der Bevölkerung angewiesen: „Bei jedem Graffiti sollte man Anzeige erstatten. Häufig werden die Taten später aufgeklärt“, so Lindemann.
Kommt es tatsächlich zur Festnahme, ist das Täterprofil ein ganz besonderes: Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, meist aus Familien der Mittel- und Oberschicht. In vielen Fällen, so Lindemann, sind die Täter so jung, dass ihre Eltern den entstandenen Sachschaden begleichen würden. Die Rückfallquote sei jedoch erfreulich niedrig.
20:40
Das Verbotene macht doch den Reiz.
Schmieren und sprayen lassen, bis die Dosen leer sind, an ausgewiesen Stellen die besten Graffitty stehen lassen .
11:10
Ein Freund hat vor einiger Zeit Stockholm besucht, das erste, was ihm an dem Stadtbild dort auffiel: Es gab keine Graffiti-Schmierereien an den Wänden! Auch anderswo im Ausland trifft man derartiges nicht in dieser Häufigkeit an wie bei uns. Woran liegt es?
Einerseits scheint es sich zu einem sportiven Ereignis subkultureller Milieus entwickelt zu haben, die eine Eigendynamik entwickeln. Schon ein Netzwerk von 20 oder 30 Jugendlichen kann, wenn die Jugendlichen sich gegenseitig aufschaukeln, einen erheblichen Schaden anrichten. Bahnbetreiber können ein Lied davon singen, aber auch die Betreuer straffällig gewordener Jugendlicher verfügen über einschlägige Erkenntnisse.
Dem kann man nur beikommen, wenn auf der ermittelnden Seite eine klare Mentalität vorherrscht, daß es sich nicht um ein Bagatelldelikt handelt und die Sache systematischer angegangen wird. Ich war selbst erstaunt, wie lax die herbeigerufenen Polizisten in einem angezeigten Fall mit einer Anzeige umgegangen sind. Sie schauten sich das Graffiti kaum an und meinten sofort, die Geschichte verliefe sowieso im Sande. Fotos wurden nicht gemacht und ein paar Wochen später kam die Nachricht - man war vorbereitet -, die Angelegenheit sei bis auf weiteres eingestellt. Es blieb denn auch dabei.
Sicherlich wird man bei den Ermittlungen häufig frustriert, weil die Tätersuche nicht ganz einfach ist. Aber trotzdem: An dieser Einstellung muß sich etwas ändern. Es wäre sehr zu wünschen, wenn wenigsten die dreisten Täter, die die Schmierereien an der Fahrradbrücke der Segerothstr. zu verantworten haben, erwischt und zur Rechenschaft gezogen werden können. Das könnte eine Signalwirkung haben.
20:13
Schade, das unter dem obigen Beitrag Bilder von gewollter Verschönerung von Wänden bzw. Stromverteilern usw. stehen (Bunte Welt der Graffiti).
Die Schmierfinken sollten nicht nur die Beseitigung ihrer Werke bezahlen, sondern sich daran auch beteiligen oder z. B. auf Friedhöfen die Grabanlagen von Schmierereien befreien, denn nicht jeder kann sich das Reinigen seines Eigentums nach Beschädigung durch Fremde leisten.
19:29
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17:11
#19: Stimmt. Und jetzt sind ja wieder Ferien und so manch Schmierer kauft sich aus Langeweile ne Dose Farbe und will Künstler spielen. Die Eltern, derer die erwischt werden und zahlen müssen, tun mir leid - aber besser als blieben die Eigentümer der Gebäude auf den Schmier-Beseitigungskosten sitzen. Immerhin werden die Schmierer verfolgt und auch oft gefasst und zur Zahlung gebeten.
16:54
Man sollte zwischen Grafitti und hirnlosen Schmierereien unterscheiden.
Null Toleranz aber für solche Idioten, die sich an Kunstwerken im öffentlichen Raum vergreifen.
Der Stadtgarten ist hier ein erhellendes Beispiel. Alles mit Farbe vollgeschmiert, egal ob konventionelle Kunst, oder moderne.
15:20
Graffiti sind Ausdruck eines nonkonformistischen, meist jugendlichen Denkens, gepaart mit dem Wunsch nach Aufmerksamkeit und Ruhm und - wenn man Glück hat - künstlerischen Fähigkeiten. So what? Mich stören sie meistens nicht – gut gemacht gefallen sie mir. Zu eine Großstadt gehören Graffiti wie Straßencafés, Leuchtwerbungen und pulsierendes Leben einfach dazu. Legal? Illegal? So ist’s nun mal im Leben – das Verbotene strahlt beim Sprühen wohl einen besonderen Reiz aus...
13:57
#16 von moin-moin
Doch, Graffiti kann Kunst sein, auf dafür geeigneten Flächen. Manche Gemälde aus Museen möchte ich auch nicht an meiner Fassade haben, wäre dann auch nur noch ne Schmiererei.
13:48
Durch das Herandiskutieren Graffiti sei Kunst, wird diesen Schmierfinken doch nur zugearbeitet!
Die Behauptung, diese Schmierfinken kämen nur aus Mittel- und Oberschichten ist reichlich provokant. Die linke und die rechte Szene sowie Unzufriedene aus Migrantenmilieus sind vordergründig zu nennen.
Es gibt keine Achtung vor Werten, schon deshalb müßten gefasste Täter die Kosten der Schmierentfernung zuzüglich bezahlen!
13:00
Graffiti hat nichts mit Kunst zu tun. Es ist vielmehr eine Einstellung gegenüber dem Besitz anderer Leute. Es ghört auf eine Stufe mit dem Kratzer im Lack eines (teuren) Autos.
Wenn 40% der Fälle aufgeklärt werden, wundert es mich sehr, wie die Stadt aussieht.