Graffiti erinnern an Unruhen in Ägypten

Er reiste mit seiner Frau viele Male durch Ägypten und war auch im März 2012 auf dem Tahrirplatz in Kairo - während der Unruhen nach dem arabischen Frühling.

Klaus Josef Klinkhammer zögerte nicht lange und dokumentierte mit seiner Kamera zahlreiche Graffiti auf den Straßen. Kunststudenten drückten mit Malereien an den Mauern der Stadt ihre Gefühle zu den Nachwehen des arabischen Frühlings aus. Alle Graffiti wurden unter der Mursi-Regierung zerstört.

Die Werdenerin und Mitorganisatorin Barbara Schröder entdeckte die Fotos in Krefeld in einem Eine-Welt-Laden. „Ich habe nur vier Fotos dort gesehen und war sehr fasziniert davon. Dabei kam mir direkt in den Sinn, dass es interessant für eine Ausstellung im Bürgermeisterhaus sein könnte“, sagt sie.

So nahm sie spontan Kontakt zu dem Hobby-Fotografen auf. Dass er noch viel mehr Bilder zur Verfügung hatte, machte die geplante Aktion rund. „Ich hätte nicht gedacht, dass es die Menschen immer noch berührt, inzwischen sind schon zehn Ausstellungen gelaufen. Aber durch die ganzen Unruhen im nördlichen Afrika und den Syrien-Konflikt ist das immer noch sehr präsent“, erklärt Klinkhammer.

Er war zum ersten Mal 1971 für die Friedrich-Ebert-Stiftung in Ägypten und bedauert die aktuelle Entwicklung zutiefst. Er blickt ernst auf seine Fotografien: „Man bekommt Depressionen, wenn man das sieht.“ Zu sehen sind viele Motive aus der alten ägyptischen Geschichte. Der heilige Apis-Stier taucht auf, der Phönix, ein altertümliches Totengericht wird dargestellt. Mit diesen Elementen kritisieren die jungen Künstler die heutigen Verhältnisse und die Unterdrückung. „Es sind alles Akademiker, die vollkommen furchtlos sind. Sie haben eine andere Lebenseinstellung und haben einfach keine Angst mehr, weil schon zuvor so viel Schreckliches passiert ist“, berichtet der ehemalige Geschäftsführer der Gewerkschaft ÖTV in Krefeld.

Dabei taucht auf vielen Gemälden ein schwarzer Panther auf, diesen nenne man in Ägypten „den Dritten“ – gemeint ist damit die Geheimpolizei. Auf einem großflächigen Foto ist eine Frau zu sehen, die auf einem Gaskocher kocht. Was früher nur Bettlerinnen aus der Not heraus machten, sei leider Alltag. Daneben sind Menschen skizziert, die Niedergeschlagenheit und Armut ausdrücken.

Studenten zeigen keineFurcht vor Restriktionen

Eindrucksvoll sind auch die Fotos von bemalten Steinblöcken, die als Barrieren dienten. So skizzierten die Künstler das Paradies oder malten die Straße einfach weiter.

„Auch vor Restriktionen zeigen die Studenten keine Furcht. Wie auf alten ägyptischen Wandmalereien werden etwa junge Frauen nur mit einem Lendentuch bekleidet dargestellt. Das ist für strenggläubige Muslime natürlich ein ganz besonderer Affront“, sagt der 74-jährige Klinkhammer.

Er wertet die Ausstellung als Zeichen gegen Unterdrückung und als Wertschätzung für Mut und Entschlossenheit.

Auch Dagmar Wolff-Asche, Assistentin der Geschäftsführung des Werdener Bürgermeisterhauses, sieht den politischen Stellenwert der Ausstellung: „Wir wollten gerne eine Ausstellung dieser Art machen, und ich danke allen, die daran mitwirken. Ich habe großen Respekt vor den Graffiti-Künstlern.“