Goldengirls und Silberschläfen im Rathaus-Theater

Männer in Frauenkleidern, das hat auch heute noch Witz. „Rubbeldiekatz“ nach Detlev Bucks gleichnamigem Film soll auch junges Publikum anlocken, Szene mitJan van Weyde und Christian Kühn.
Männer in Frauenkleidern, das hat auch heute noch Witz. „Rubbeldiekatz“ nach Detlev Bucks gleichnamigem Film soll auch junges Publikum anlocken, Szene mitJan van Weyde und Christian Kühn.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Rathaus-Theater setzt auf Humor, thematische Vielfalt und prominente Namen: Vom Kinoerfolg „Rubbeldiekatz“ bis zum klassischen Musical ist alles dabei

Im Rathaus-Theater haben sie in diesem Morgen extra Stühle ins Foyer gestellt. Dabei gibt es gar keine Vormittagsvorstellung. Der Vorverkauf für die neue Spielzeit hat begonnen und beim Kartenanstehen sollen es die Leute bequem haben.

Verlässlichkeit, Service und direktes Reagieren auf Kundenwünsche zeichne das Haus aus, sagt Betriebsdirektor Heinz Wever-Tengel bei der Vorstellung des neuen Programms mit neun Premieren, sechs Wiederaufnahmen und vielen prominenten Namen. Das publikumsnahe Angebot wird belohnt: mit 67.000 Besuchern, die in der eben endenden Spielzeit für eine Auslastung von 85 Prozent sorgten. Und mit einem satten Plus beim Abo-Verkauf. Die Zahl der festen Arrangements stieg um 500 auf 4500. Ein Sieg gegen den Trend, sich ungern langfristig binden zu wollen, schon gar nichts ans Theater.

Feurige Liebhaber und Steuersünder

Im Rathaus-Theater sieht die Welt noch ein wenig besser aus. Nicht rosarot. Aber sie blendet die Themen von heute auch nicht aus, nicht die digitale Überflutung noch das Thema Arbeitslosigkeit. Es wird nur amüsanter aufbereitet. In Moritz Rinkes Beziehungsquartett „Wir lieben und wissen nichts“ (11.-24.11.) beispielsweise wird das Durcheinander der Gefühle mit der überfordernden neuen Welt im Netz verknüpft. Helmut Zierl übernimmt eine der Hauptrollen und kommt in Florian Zellers Stück „Die Wahrheit“ (7.-14. 1.) als Mann mit Doppelleben gleich noch mal nach Essen.

Related content

Die Liebe in Zeiten der ersten silbernen Schläfen ist ja überhaupt ein Thema. Da kann man den in Essen überaus populären Martin Lindow als „Der letzte der feurigen Liebhaber“ erleben (3.12.-5.1.). Altmeister Neil Simon erzählt von einem Mann in den besten Jahren, der endlich mal fremdgehen möchte, aber nicht weiß, wie. Und da ist ja noch Francois, gespielt von Folkwang-Absolvent Heinrich Schafmeister, der sein langweiliges (Liebes-)leben ausgerechnet mit einer Steuerprüfung aufmöbeln will. Ihm zur Seite steht in „Die Selbstanzeige“ Musical-Star Anna Montanaro (18.9. bis 4.10.).

Die hinreißendste Frauen-WG, seit es Morgenmäntel und Käsekuchen gibt, hat sich im Mai angekündigt. Bis Mitte der 90er waren die „Goldengirls“ ein US-Serienhit. Nun kommt das Quartett mit Anita Kupsch im Mittelpunkt auf die Bühne. Das Stück zum Film hat ohnehin großen Erfolg. Neben den „Besten Freunden“, die die Saison eröffnen (1. bis 16.9.) und dem auf der Leinwand inzwischen ebenfalls höchst erfolgreichem Hübner-Stück „Frau Müller muss weg“ (31.10.-8.11., 8.-13.4), wird ein weiterer Kinoerfolg das Rathaus-Theater entern. „Rubbeldiekatz“ nach dem Film von Detlev Buck mit Matthias Schweighöfer soll die perfekte Klammer zwischen Jung und Alt bilden: angelehnt an den Klassiker „Charleys Tante“ bringt die Travestiekomödie mit Max Giermann (Switch reloaded) erstmals einen Regisseur der Generation Comedy nach Essen (16.-26. 10.). Und wer schon im Fernsehen auf handfesten Humor mit Heugabel steht, der wird an „Landeier oder Bauern suchen Frauen“ Spaß haben (11.5.-9.6.). Die Komödie zeigt den Landwirt auf Freiersfüßen.

Humor wird groß geschrieben

„Wir bieten alles, was Humor zu bieten hat“, sagt Theatersprecher Sebastian Jacobs und zwar „für alle Generationen“. Das Musical darf da freilich nicht fehlen. Neben dem Klassiker „Mahalia“ (26.-29. 11./15.-21.1.) und den belieben „Hormonicals“ wie „Heiße Zeiten“ (4.-7. 4.) und „Höchste Zeit“ (5.-13. 10.) spielt man auch einen echten Klassiker des Genres: „Kiss me, Kate“ (25.1.-1.3.) sorgt für ein Wiedersehen mit Shakespeares Widerspenstigen und bringt Cole Porters Evergreens zum Klingen.

Als Humor-Fachmann des Hauses schlechthin gilt Thomas Glup. Auf seine Auftritte darf man sich das ganze Jahr über freuen. Mal geht es in der Pinkus-Komödie „Runter zum Fluss“ (27./28. 10.). Mal seufzt er mit Pater Veit Martin „Ach du lieber Himmel“ (21.11.). Dazu kommen Klassiker wie „Best of Heinz Erhardt“ (9.5.) oder „Total verglupt“ (14.3.). Schauspieler Ulrich Gebauer kommt mit Kästner und Laserharfe (14./29./30. 10.).