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Rot-Weiss Essen

Getrübte Vorfreude aufs neue RWE-Stadion in Essen

05.01.2012 | 08:02 Uhr
Getrübte Vorfreude aufs neue RWE-Stadion in Essen
Das neue Stadion an der Hafenstraße nimmt sichtbar Formen an. Foto: Blossey

Essen.  Es geht voran, das neue Fußballstadion an der Hafenstraße nimmt längst sichtbare Formen an. Im Frühsommer soll der Ball in der neuen Arena rollen. Während die Fans von Rot-Weiss Essen dem ersten Anstoß entgegenfiebern dürften, kommt beim Traditionsverein noch keine rechte Freude auf.

Dem Club fehlt es an Planungssicherheit, heißt es aus der Führungsetage. Ein Pachtvertrag mit der städtischen Stadionbetriebsgesellschaft ist immer noch nicht unterzeichnet. Mehr noch: Vorstand und Aufsichtsrat fürchten, dass mit dem Umzug deutlich höhere Kosten auf den Verein zukommen. Dabei sollte mit dem neuen Stadion doch alles besser werden.

„Im Laufe des Monats brauchen wir Klarheit“, sagt Aufsichtsratsvorsitzender und Ex-Stadtdirektor Christian Hülsmann. Schließlich habe RWE sich auf die Fahnen geschrieben, „wirtschaftlich sauber“ zu arbeiten, ergänzt Vorstand Michael Welling. Die kommende Saison will vorbereitet werden, im März muss der Verein beim DFB die Lizenz beantragen.

Für die laufende Spielzeit kalkulierte die Clubführung mit einem Etat von rund drei Millionen Euro. Im Georg-Melches-Stadion kickt RWE aber quasi umsonst. Selbst zu Zweitligazeiten, die ja erst gut vier Jahre zurückliegen, zahlte der Traditionsverein der Stadt eine Nutzungsgebühr von nur 75.000 Euro pro Jahr - das waren knapp zehn Prozent der Einnahmen und immer noch eine bescheidene Summe gemessen an den jährlichen Betriebskosten in Höhe von 500.000 Euro. Viel Geld für eine Bruchbude.

Loch im Etat

Das neue Stadion wird modernen Ansprüchen genügen, die Betriebskosten aber liegen deutlich höher. Die städtische Grundstücksverwaltung GVE geht von 778.000 Euro pro Jahr aus; Klimatechnik und Wartungsarbeiten schlagen mit höheren Kosten zu Buche, heißt es.

Laut Ratsbeschluss sollen die Sport- und Bäderbetriebe für die Betriebskosten aufkommen, sofern die eigenes gegründete Stadionbetriebsgesellschaft - eine 100-Prozent-Tochter der GVE - den Betrag nicht decken kann. Der Wirtschaftsplan der Sport- und Bäderbetriebe ist jedoch für 2012 bereits mit 2,3 Millionen Euro unterfinanziert. Sportpolitiker im Rat gehen fest davon aus, dass das neue Stadion nicht noch ein größeres Loch in den Etat reißt. Eine Diskussion nach dem Motto, kleine Vereine müssen sparen, weil das Stadion mehr Geld kostet, will die Politik sich tunlichst ersparen.

GVE in der Zwickmühle

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Einmal RWE-Fan, immer RWE-Fan. Auf kaum einen trifft dies so sehr zu wie auf André Fabritz.

Für den Pachtvertrag hat die GVE verschiedene Modelle durchgespielt. Denkbar sei, dass RWE bis zu zehn Prozent der Einnahmen aus Ticket-Verkauf und Werbung an den Eigentümer des Stadions abtritt. Rechnen dürfte sich das aber erst ab Liga 3. Sollte RWE aufsteigen, würde dies bedeuten, dass der Verein wirtschaftlich sogar schlechter dasteht als aktuell in der Regionalliga, gibt Vorstand Michael Welling zu bedenken. Höhere Einnahmen aus Fernsehgeldern würden durch die Betriebskosten sofort verfrühstückt. Zumal dem Club in der neuen Arena, anders als im mit Werbung zugepflasterten Georg-Melches Stadion, weniger Werbeflächen zur Verfügung stehen werden. Die GVE hält Flächen für Sponsoren frei, schließlich haben sich die Sparkasse und der Energieversorger RWE an den Baukosten beteiligt.

Die GVE steckt also in der Zwickmühle: Sie soll das Stadion wirtschaftlich betreiben, ohne dem Verein, der darin spielt, finanziell das Wasser abzugraben. Wie das geht? Michael Welling empfiehlt einen Blick nach Düsseldorf. Dort konnte die Fortuna in einem modernen Stadion wirtschaftlich wie sportlich gesunden - und klopft nun an die Tür zur 1. Bundesliga.

Hafenstraße im Wandel

Marcus Schymiczek

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Kommentare
31.01.2012
21:13
Getrübte Vorfreude aufs neue RWE-Stadion in Essen
von xdiexgedankenxsinnfreix | #34

Schon gemerkt, daß das Stadion nicht mehr als RWE Stadion dargestellt wird? Warum sollte sich der Verein allein für die Betriebskosten verantwortlich fühlen? Sind nicht andere Events geplant in der Multifunz Arena? Also Ball flachhalten

1 Antwort
Getrübte Vorfreude aufs neue RWE-Stadion in Essen
von Arno-Duebel | #34-1

wat für ne multi funz arena? LOL 3 tribünen ohne ecken ohne vip lounge das highligt in diesem "stadion" wird sicherlich irgendein zirkus auftritt sein mit affen elefanten und so

10.01.2012
13:07
Getrübte Vorfreude aufs neue RWE-Stadion in Essen
von bierbaron | #33

andere besser darstehende vereine in dieser amateurliga haben nichtal ein stadion und hier wird alles überdimensioniert. der bau wird nach fertigung von 3 tribünen gestoppt weil kein geld zum abriss des alten vorhanden ist somit wird sich rein garnichts verändern.hoffe nur das es ab dem nächsten jahr nen absteiger gibt

08.01.2012
22:08
1980yann | #31
von dummmberger | #32

Wenn man das alte Stadion vergammeln lässt, bis nichts mehr geht, man aber der Überzeugung ist, dass die Stadt ein Stadion braucht, wo sind denn dann die Alternativen zum Neubau?

Gut, Ihrer Überzeugung nach braucht eine Stadt weder ein Stadion noch einen Konzertsaal. Aber ist Ihre Meinung repräsentativ?

Sie haben sich immer noch nicht zu der Frage geäußert, wie denn eine Stadt langfristig aussieht, wenn sie auf Stadion, Konzertsaal, Opernhaus etc verzichtet?

08.01.2012
20:34
Getrübte Vorfreude aufs neue RWE-Stadion in Essen
von 1980yann | #31

Es geht nicht um Schließung. Das alte Stadion war schlichtweg marode und das haben sogar Fans zugegeben. Da ist ein Abriss eine logische Konsequenz.
Und ein Neubau ohne gesicherte Finanzierung ist schlichtweg Wahnsinn - vor allem, weil die Stadt Essen gar keine eigenen Mannschaften hat, die dort spielen könnten.

08.01.2012
20:09
Getrübte Vorfreude aufs neue RWE-Stadion in Essen
von dummmberger | #30

Was soll das heißen?
Hat eine Firma finanzielle Probleme, muss sie doch nur schließen und schon fallen keine Kosten mehr an?
Machen wir also alles zu, was Geld kostet und schon ist die Stadt saniert.

Gut, dann wird auch niemand mehr da wohnen, aber das macht nichts. Wo keiner wohnt, fallen auch keine Kosten mehr an.

08.01.2012
19:54
Getrübte Vorfreude aufs neue RWE-Stadion in Essen
von 1980yann | #29

@dummmberger
Ich blende die Betriebskosten des alten Stadions aus, weil es nach seinem Abriss keine Betriebskosten mehr gibt. Natürlich ist Vereinssport Lebensqualität - er ist gesund und hält fit und da sollten nach Möglichkeit mehr Menschen mitmachen. Deshalb ist es unvernünftig, von soviel Geld nur ein Spielfeld mit Umkleiden zu bauen. Davon könnte man ein Dutzend Bezirkssportanlagen bauen.

08.01.2012
17:22
@1980yann | #27
von dummmberger | #28

Sie blenden 2 Dinge völlig aus:
- Zum einen werden die Betriebskosten immer höher, So wäre das alte Stadion ja ohne aufwändige Reparaturen und Umbauten nicht mehr lange zu halten gewesen. Da kommt man dann zu dem Punkt, wo ein Neubau langfristig die bessere Alternative ist.

- Zum andern gehen sie mit keinem Wort auf die Bedeutung von Sportvereinen für die Lebensqualität und die Außenwirkung einer Stadt ein.

Sie sind anscheinend kein Fußballfan. Sie sind auch kein Freund von Theater und Philharmonie. Also muss die Stadt dafür auch kein Geld ausgeben?
Ist das nicht etwas einfach gedacht?

07.01.2012
18:27
Getrübte Vorfreude aufs neue RWE-Stadion in Essen
von 1980yann | #27

@26
Wieder die falsche Annahme! Die Betriebskosten für die Ruine werden durch Abriss beseitigt, nicht durch den darauffolgenden Neubau - deshalb sind sie auch nur mit den Abrisskosten zu verrechnen. Ein Neubau hätte sich selber tragen müssen.
Natürlich setzt so ein Verein mal wieder auf einen radikalen personellen Neuanfang, aber die Halbwertszeit von Hoffnungsträgern ist ja traditionell kurz - und immer wieder besteht das Risiko, dass die Mitglieder jemand in Führungspositionen bringen, der versucht, Erfolg auf Pump zu erreichen - und wenn der Aufstieg ausbleibt, sind die Schulden trotzdem da. Nur schadet die Schieflage meist auch irgendwie die Stadt, weil sie entweder selber Gläubiger ist oder ein teures, unvermietbares Gebäude am Bein hat.

Außerdem ist ein Sportanlage für über 30 Mio. überteuert, wenn sie nur wenigen körperliche Ertüchtigung bringt. Duschen, Umkleiden und Rasen sind ausreichend, um das Spiel durchzuführen - alle sportlichen Ansprüche sind damit erfüllt. Wenn ein Verein gerne am Spielfeldrand zahlendes Publikum stapeln will, kann er das ja tun. Wenn das dann auch noch eine Klientel ist, die man nach Anhängerschaft trennen muss, weil sich sonst Fangruppen an die Gurgel gehen, dann muss der Verein eben Vorkehrungen treffen: aber das ist kein Sportthema, da muss lediglich ein Veranstalter gewährleisten, dass seine Kunden keine Straftaten gegeneinander begehen.

07.01.2012
08:26
Getrübte Vorfreude aufs neue RWE-Stadion in Essen
von awrob | #26

die Infrastruktur einer Stadt ist extrem wichtig, natürlich für die Bürger, aber auch um Investoren und Fachleute in eine Stadt zu bekommen.
Eine Stadt die nichts anzubieten hat, stirbt aus.
Dazu gehört ein vernünftiges Kultur und Sportangebot.
Eine moderne Stadt wie Essen mit einem spitzen Kultur-Angebot unterhält ein völlig marodes Stadion für 550.000 Betriebskosten jährlich,nur damit es nicht zusammenbricht.Das passt nicht und ist unwirtschaftlich.

Die RWE-Fans haben nie gegen den Bau der Phliharmonie und deren Kosten demonstriert.Das sollten die Stadion-Gegner mal berücksichtigen
Wer gegen das Stadion ist, der muss sich nackt an der Philahrmonie oder am Aalto anketten lassen, so krass ist der finanzielle Aufwand und Unterschied zum Stadion.

Das der Verein in der Vergangeheit fehler gemacht hat ist klar.
Aber heute arbeiten dort ganz andere Leute, die dafür gar nicht verantwortlich sind.
Gebt dem Verein eine Chance, oder demonstriet gegen die 43 Mios jährlich für die TuP, sonst machen sich die Stadion-Gegner unglaubwürdig




06.01.2012
14:31
Getrübte Vorfreude aufs neue RWE-Stadion in Essen
von 1980yann | #25

@dummmberger
Nun, der Umbau ist in einer Form geschehen, die alle bisherigen Mieter verjagt hat - und die Stadt bespielt das Haus mit einer weiteren Sparte der TuP, die notorisch schlecht mit Geld umgehen kann. Und die TuP hat ja bereits ein recht umfassendes Angebot gehabt - hier hat man auf Jahre notwendige Einsparungen mit Beton verhindert.

Im Gegensatz zu den diversen städtischen TuP-Sparten ist die Stadt übrigens nicht Mitglied im DFB und verfügt auch nicht über eigene Mannschaften, die im Ligabetrieb eine Rolle spielen. Es gibt lediglich in der Stadt ansässige Fussballvereine, die ohne städtische Eingriffsmöglichkeiten weitreichende finanzielle Fehlentscheidungen treffen können und diese Spielräume auch in der Vergangenheit genutzt haben.
Ein unabhängiger, nicht kontrollierter Verein kann sich übrigens auch gegen städtische Interessen wenden: in Bielefeld etwa wurde mit Stadionleerstand gedroht, wenn die Stadt nicht dem maroden Verein finanziell unter die Arme greift! Und in eine ähnliche Richtung geht auch hier die Mietpreisdiskussion.

1 Antwort
Getrübte Vorfreude aufs neue RWE-Stadion in Essen
von dummmberger | #25-1

Es scheint, dass Sie mit dem Angebot der TuP nicht soviel anfangen können. Das ist ja legitim. Aber dass gerade die Kultur in den letzten Jahren zur positiven Außendarstellung der Stadt beigetragen hat, kann man auch nicht einfach so ignorieren. Und dass die TuP "nicht mit Geld umgehen kann", ist eine eher subjektive Einschätzung. Das Bemühen, Hochkultur auch dem Normalbürger anbieten zu können, fürhrt in allen Städten zu hohen Subventionen. Ich kenne jedenfalls keine Stadt, in der Theater oder Philharmonie kostendeckend arbeiten können.

Das gleiche gilt auch für den Sport. Überall, wo Fußballvereine in Not geraten, sind die Kommunen eingesprungen, da sie wissen, dass ein Fußballverein eben auch ein Werbeträger für eine Stadt ist. Wer würde denn außerhalb des Ruhrpotts eine Stadt wie Gelsenkirchen kennen, wenn es da nicht einen bekannten Fußballverein gäbe?

Sicher ist das alles in Zeiten klammer Kassen schwierig. Aber wie ich schon weiter unten schrieb, stehen wir ja im Wettbewerb mit anderen Städten. Und wenn wir die Attraktivität unserer Stadt kaputtsparen, wird der Bevölkerungsschwund sich explosionsartig beschleunigen.
Dass es der Stadt dann besser ginge, wage ich zu bezweifeln.

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